Zahnwechsel beim Hund – „Canini persistens“

Der Verlust der insgesamt 28 Milchzähne und der Durchbruch der bleibenden Zähne erfolgt im Alter von 5-7 Monaten. Die meisten Hunde haben dann 42 Zähne , das sind 10 Zähne mehr als der Mensch.
Ist das Milchgebiß beim Hund nach Abschluß des 7. Lebensmonats – bei kleineren Hunderassen eventuell etwas später – noch nicht vollständig gewechselt, so liegt eine Zahnwechselstörung vor.

Zahnformel Milchgebiss
Ober- und Unterkiefer je 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne (Eckzähne), 6 Backenzähne (gesamt 28).

Zahnformel erwachsener Hund
Oberkiefer: 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne, 12 Backenzähne,
Unterkiefer: 6 Schneidezähne, 2 Fangzähne, 14 Backenzähne (gesamt 42).

Der Zahnwechsel zwickt – da tut es gut sich an einem Kauknochen ordentlich austoben zu können.

Vorgang des Zahnwechselns
Der Austausch der Milchzähne durch die bleibenden Zähne ist ein komplizierter Vorgang, dessen Funktionsweise noch nicht ganz aufgeklärt werden konnte. Auch Milchzähne besitzen vollständig ausgebildete Zahnwurzeln. Unter jedem Milchzahn sitzt der sogenannter Zahnkeim des bleibenden Zahns. Wenn dieser anfängt zu wachsen, übt er dabei Druck auf die Wurzelspitze des Milchzahns aus. Es kommt zur Drucknekrose, d.h. die Zahnwurzel des Milchzahns stirbt ab. Nach vollständiger Resorption der Milchzahnwurzel, fällt der Zahnrest aus und gibt den Platz für den bleibenden Zahn frei.

Gestörter Zahnwechsel
Häufig beobachtet man aber gerade bei Hunden einen gestörten Zahnwechsel. Der bleibende Zahn erscheint neben dem Milchzahn ohne dessen Zahnwurzel zerstört zu haben – es kommt zum doppelten Zahnbesatz. Als Ursachen hierfür kommen eine Verlagerung des Zahnkeims durch z.B. traumatische Einflüsse oder Wachstumsstörungen des Kieferknochens in Frage.
Wächst der Zahnkeim des bleibenden Zahns neben dem Milchzahn vorbei, wird auf dessen Wurzel kein oder nur ein ungenügender Druck ausgeübt, wodurch die Milchzahnwurzel nicht resorbiert wird. Ein sogenannter "persistierender Milchzahn" hat daher fast immer noch eine vollständige oder zumindest nur teilweise resorbierte Zahnwurzel oder Restwurzel, mit der er im Kieferknochen verankert bleibt.

Problem Zahnwurzel
Durch die gut ausgeprägten Wurzeln der Milchzähne sind diese auch nicht so einfach zu ziehen. Häufig kommt es beim Versuch, den Zahn zu ziehen, zur Frakturierung, d.h. der sichtbare Teil des Zahns, die Zahnkrone, bricht ab, während die Zahnwurzel im Kieferknochen bleibt. Der Wurzelrest wird nun nicht resorbiert, schnell von Zahnfleisch überwachsen und ist dann nicht mehr sichtbar - kann aber weiterhin Beschwerden wie z.B. Fistelbildung, Abszess und Schädigung des bleibenden Zahns verursachen. Die Zahnwurzel des Michzahns muss also unbedingt mit entfernt werden.

Persistierende Milchzähne - hier ein persistierender Schneidezahn!

Persistierender Milchzahn und abgebrochener Milchzahn
Persistierende Milchzähne sollten unverzüglich extrahiert werden, da es neben den erwähnten infektiösen Komplikationen durch Entzündungen vor allem zu Zahnstellungsanomalien der bleibenden Zähne kommen kann. Auch ein zu Hause beim Spiel oder beim Kauen auf etwas Hartem abgebrochener Milchzahn sollte aus diesen Gründen durch den Tierarzt behandelt und der Wurzelrest entfernt werden.

Canini persistens
Der häufigste persistierende Milchzahn ist der sogenannte „Caninus persistens“ , der persistierende Milchcaninus (= stehenbleibender Eck- bzw. Fangzahn). Neben dem bereits vollständig hochgewachsenen bleibenden Eckzahn liegt immer noch der Eckzahn des Milchgebisses.

Fehlende oder fehlerhafte Zahnanlage
Weitaus seltener sind Störungen des Milchzahnwechsels durch Nichtanlage oder Verlagerung von Zahnkeimen bleibender Zähne. Bei Nichtanlage von bleibenden Zähnen bleibt der Milchzahn weiter bestehen, da der Resorptionsdruck des bleibenden Zahns auf die Wurzel des Milchzahns fehlt. Gelegentlich kann ein Zahnkeim für längere Zeit im Kierferknochen verharren ohne weiter zu wachsen. Die Extraktion des betroffenen Milchzahn regt den Zahnkeim jedoch meist zum weiteren Wachstum an. Sollte nach einem Kontrollzeitraum von 4 Wochen kein Wachstum erfolgt sein, kann eine operative Freilegung und Aktivierung des Zahnkeims versucht werden.

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