Zahnfleischentzündung – Gingivitis beim Hund

Die häufigste Entzündung im Maulbereich ist die Zahnfleischentzündung, auch Gingivitis genannt. Bis zu 85 Prozent aller Hunde sind mindestens einmal von einer Zahnfleisch-Entzündung betroffen.
Man unterscheidet zwischen akuten entzündlichen und chronischen Formen, die sich dann meist eitrig bis nekrotisierend darstellen. Leider neigen Zahnfleischentzündungen zur Ausbreitung, so dass die Entzündung schnell in Richtung Zahnwurzel vordringt. Ohne Behandlung kommt es dann zusätzlich zur Entzündung des Zahnhalteapparates (Parodontitis). Da sich das Zahnfleisch nicht entsprechend schnell regenerieren kann, tritt Zahnfleischschwund (Parodontose) auf. Weitere Folgen der zerstörenden Entzündungsprozesse sind Abszess- und Fistelbildungen, Resorption des Kieferknochens mit Freilegung der Zahnwurzel, Entzündung der Zahnfächer, Zahnlockerung bis hin zum Zahnverlust.

Bei jungen Hunden sollte man wie bei kleinen Kindern rechtzeitig mit der Zahnpflege und Mundhygiene beginnen.
Bei jungen Hunden sollte man wie bei kleinen Kindern rechtzeitig mit der Zahnpflege und Mundhygiene beginnen.

Mehr als die Hälfte aller Hunde und Katzen, die älter als 6 Jahre sind, weisen entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates auf - mit zum Teil schweren Folgen für den allgemeinen Gesundheitszustand durch aus der Maulhöhle über die Blutbahn in den Körper eingeschwemmte Bakterien. So weiß man aus humanmedizinischen Studien, dass ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Parodontalerkrankungen und Allgemeinerkrankungen wie einer Herzerkrankung, Lungenentzündung, Diabetes mellitus oder Schädigungen von Leber und Nieren besteht. Ähnliche Ergebnisse zeigte eine veterinärmedizinische Studie an Hunden - der Schweregrad der parodontalen Erkrankung korrelierte dabei signifikant mit dem Grad nachweisbarer entzündlicher Veränderungen in Niere, Leber und Herzmuskel.
Aus diesem Grund gilt es, eine Gingivitis rechtzeitig zu behandeln, um die schwerwiegenden Folgen einer Parodontalerkrankung zu vermeiden. Wie schnell sich aus einer Zahnfleischentzündung eine Parodontalerkrankung entwickelt, hängt von von der individuellen Immunreaktionslage in der Maulhöhle und von genetischen Faktoren ab, wie jüngste Untersuchungen zeigen.

Ursachen der Gingivitis:
Als primäre Ursachen für solche Entzündungsprozesse kommen in Frage:
- Infektiöse Geschehen, bakteriell oder virusbedingt (Plaquebakterien - Zahnstein,
Eitererreger, Staupevirus)
- Ungeeignete Fütterung (nichts zum Kauen und dadurch mangelnde Selbstreinigung der
Zähne)
- Eine vermehrte rassebedingte Anfälligkeit der kleinen und brachycephalen (kurzköpfigen) Hunderassen (z.B. Zwergpudel, Yorkshire Terrier, Chihuahua, Pekinese, Mops, franz. Bulldogge).

Es kann aber auch sekundär, als Folge anderer Grunderkrankungen, zur Gingivitis kommen:
- Stoffwechsel-bedingt (Diabetes mellitus - Zuckerkrankheit, Urämie – starke Erhöhung
harnpflichtiger Substanzen im Blut aufgrund einer Nierenschwäche)
- Traumatisch (Verletzungen, Holz- oder Knochensplitter, eingespießte Grannen, o.ä.)
- Intoxikation (Vergiftung v.a. durch Blei, Thallium, andere Schwermetalle)
- Autoimmun (autoimmune Erkrankungen wie Pemphigus, Lupus erythematodes)
- Grey Collie-Syndrom (zyklische Neutropenie bei grauen Collies = periodischer Abfall
weißer Blutkörperchen und dadurch erhöhtes Infektionsrisiko)

Symptome:
Häufig wird die Gingivitis vom Tierbesitzer erst recht spät bemerkt, selbst wenn schon schwere Veränderungen vorliegen. Erstes alarmierendes Symptom ist meist übler Mundgeruch. Je nach Schweregrad der Entzündungsgeschehen verweigern die Tiere das Futter ganz oder fressen sehr umständlich und einseitig. Massiver, teilweise blutig bis eitriger Speichelfluss fällt auf. Auch zeigen sich die Hunde berührungsempfindlich im Kopfbereich und wollen sich das Maul nicht öffnen lassen.
Bei der sekundären Gingivitis ist in der Regel auch die restliche Maulschleimhaut von der Entzündung betroffen (Stromatitis). Und je nach Grunderkrankung treten noch weitere für die jeweilige Erkrankung typische Symptome auf.

Therapie:
Je nach Ursache der Zahnfleischentzündung sollte entsprechend vorgegangen werden. Bei Zahnsteinbefall steht die Zahnsteinentfernung und Gebisssanierung an erster Stelle. Abhängig vom Schweregrad der Entzündungsprozesse reicht eine lokale Behandlung mit desinfizierenden, adstringierenden und/oder antibiotischen Mundspülungen oder Haftcremes. Bei schweren Fällen muss ein spezielles Antibiotikum, das sicher in der Maulhöle wirkt, als Injektionen oder Tabletten gegeben werden.
Um dem Hund die Schmerzen zu lindern und die Behandlung zu unterstützen, hat sich der Einsatz schmerz- und entzündungshemmender Medikamente (NSAID’s) bewährt. Zusätzlich positiv kann sich die Gabe von Vitaminpräparaten, die Vitamin A und B-Komplexe enthalten, auswirken.
Liegt eine sekundäre Gingivitis vor, muss vor allem die Grunderkrankung behandelt werden, um einen nachhaltigen Therapieerfolg zu erzielen.

Therapiefortführung und Prophylaxe:
Eine gründliche Mundhygiene mittels regelmäßiger Gebissreinigung durch den Tierbesitzer wäre danach die beste Maßnahme, um Rückfällen entgegenzuwirken. Das Putzen der Zähne mit spezieller Hundezahnbürste und -zahnpasta ist hierbei am effektivsten. Auch das Benagenlassen von ausreichend großen Büffelhautknochen oder speziellen Kauknochen oder –strips, die neben der mechanischen Reinigung auch noch Stoffe zur enzymatischen Reinigung enthalten, kann viel bewirken.
Je nachdem sollte die Fütterung von Nassfutter auf pelletiertes Trockenfutter umgestellt werden. Bei Neigung zur Zahnsteinbildung gibt es speziell konzipierte Trockenfutter, die durch eine entsprechende Pelletgröße ein Zerkauen des Futters und damit eine bessere Zahnreinigung fördern.

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