wurmbefall

Besonders für Jungtiere kann massiver Wurmbefall gefährlich werden. Regelmäßiges Entwurmen schützt hingegen Tier und Mensch


Fast jeder Hund hat Würmer und das gleiche gilt für die Freigänger unter den Katzen. Denn leider entzieht es sich meist unserem Einfluss, ob der vierbeinige Freund trotz bester Pflege Würmer bekommt oder nicht.Zwei wichtige, große Wurmgruppen gibt es bei Hund und Katze. Das sind zum einen die Plattwürmer (Plathelminten) zu denen die Bandwürmer (Cestoden) gehören, und zum andern die Faden- oder Rundwürmer (Nematoden), zu denen die Spulwürmer (Ascariden), Peitschenwürmer (Trichuriden) und Hakenwürmer (Ancylostomatiden) zählen. Bei den Rundwürmern sind die Spulwürmer am weitesten verbreitet. Sie sehen aus wie ein Stück Spaghetti, sind 5 - 18 cm lang und leben im Dünndarm von Hund und Katze. Ein Spulwurmweibchen kann jedes Gramm Kot eines infizierten Tieres mit bis zu 700 Eiern pro Tag kontaminieren.

Unsere Vierbeiner infizieren sich dann entweder durch die orale Aufnahme dieser Eier (aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich nach einer Körperwanderung im Wirtstier zu den adulten Würmern entwickeln), oder durch das Fressen eines infizierten Zwischenwirts (Maus u. ä.), vor allem aber durch die vorgeburtliche Larvenübertragung vom Muttertier auf die Welpen und die Larvenübertragung durch die Muttermilch. Die Hakenwürmer werden bis zu 2 cm lang und leben ebenfalls im Dünndarm ihrer Endwirte. Weibliche Hakenwürmer scheiden Eier aus, die mit dem Kot in die Umwelt gelangen und sich innerhalb von 6 - 10 Tagen zu infektionsfähigen Larven entwickeln. Der Infektionsweg ist entweder oral durch die direkte Aufnahme geschlüpfter Larven, durch Wurmlarven in der Muttermilch oder die Aufnahme infizierter Zwischenwirte oder, und das ist eine Besonderheit der Hakenwürmer, die Wurmlarven bohren sich aktiv durch die Haut ihres Tiers und wandern dann über die Lunge in den Darm.

Peitschenwürmer haben ihren Namen von ihrem peitschenförmigen Aussehen (dickes Hinterteil = Peitschenstil und langes, dünnes Vorderteil = Peitschenschnur), sind ca. 7,5 cm lang und leben im Dickdarm der Hunde. Diese infizieren sich durch die orale Aufnahme von Wurmeiern. Bei starkem Befall können Rundwürmer auch im Kot sichtbar sein oder erbrochen werden. Die ebenfalls im Darm lebenden Bandwürmer (2 mm - 4 m lang) geben, je nach Art, entweder auch Eier oder ganze Bandwurmglieder (bis über 100 000 Eier pro Glied) ab, die sich anfangs noch bewegen, später dann eintrocknen und wie Reiskörner aussehen.

Wurmeier sind so klein, dass sie mit bloßem Auge nicht erkannt werden können. So ist es nicht verwunderlich, dass sich zum Beispiel ihr Hund beim Schnüffeln an Stellen infizieren kann, wo absolut nichts zu sehen ist. Wurmeier und -larven sind über Monate und Jahre infektionsfähig. Die Übertragung erfolgt nicht ausschließlich durch Kontakt zu infizierten Tieren oder Schnuppern an infiziertem Kot, Wurmeier können durchaus auch über Pfoten und Fell des Tieres aufgenommen werden. Und nicht zuletzt tragen wir sie mit Schuhen und Kleidung in die Wohnung. Bei Bandwürmern sind auch rohes Fleisch, kleine erbeutete Nagetiere oder Flöhe wichtige Ansteckungsquellen.

Damit sie sehen, dass bei ihrem Hausgenossen Wurmbefall mehr als eine "kleine Unsauberkeit" ist, möchte ich den Zyklus der Würmer kurz vorstellen. Bei den Rundwürmern infiziert sich der Wirt (Hund/Katze) durch Wurmeier oder Wurmlarven. Die Infektion erfolgt oral, kann bei den Hakenwürmern aber auch perkutan, also über die Haut, erfolgen. Die Larven wandern nun durch die Darmschleimhaut bzw. Unterhaut in die Gefäße, gelangen so über Herz, Lunge und Luftröhre in die Maulhöhle, werden abgeschluckt und entwickeln sich im Darm zu adulten Würmern, die am Tag mehrere hunderttausend Eier legen. Die Larven können sich auch in der Muskulatur einnisten, als so genannte "Ruhelarven" dort verweilen und jederzeit wieder mobilisiert werden (z.B. während der Trächtigkeit).

Bedingt durch die Larvenwanderung und den Wurmbefall kann es beim Tier zu etlichen Folgeerscheinungen kommen: Hautreaktionen, juckende Erytheme, besonders zwischen den Zehen und am Bauch, kleine Blutungen in der Lunge und im Darm, Gewebeschädigungen, Anämie, Atemnot, Nasenausfluss, Husten, wechselhafter Appetit, Erbrechen nach den Mahlzeiten, Vitaminverlust, Abmagerung, stumpfes Haarkleid, Nervosität und Juckreiz, Entwicklungsstörungen bei Jungtieren, schleimig-blutiger Durchfall, geblähter Wurmbauch bis hin zum Wurmileus. Besonders gefährdet sind Hunde- und Katzenwelpen, die bereits vor der Geburt über die Mutter infiziert werden können oder später die wandernden Larven durch die Muttermilch aufnehmen. Bei Welpen kann starker Wurmbefall sogar zum Tod führen, denn sie verfügen über weit weniger Abwehrkräfte als widerstandsfähige, ausgewachsene Hunde oder Katzen und können Blut- und Nahrungsverluste durch Wurmbefall besonders schlecht ausgleichen.

Die Entwicklung des Bandwurms verläuft für den Endwirt (Hund/ Katze) zum Glück nicht so dramatisch. Bandwurmeier oder Larven werden von so genannten Zwischenwirten (z. B. Nager, Rehe, Rinder, Schafe, Schweine, Flöhe) aufgenommen. In ihnen entwickeln sich die Larven zu Finnen, die dann durch Fressen von z. B. rohem Schaf-, Rind- und Schweinefleisch, infizierten Beutetieren (Mäuse, Ratten und Kaninchen), Wildaufbruch (vor allem Ansteckungsquelle für Jagdhunde) oder Flöhen in den Endwirt gelangen. Im Darm entwickeln sich die Finnen zu Bandwürmern, die nun mit ihrem Wirt um Nahrung und Vitamine konkurrieren. Die Auswirkungen sind in der Regel weniger gravierend als bei den Rundwürmern, oft verläuft die Infektion sogar symptomlos.Fatalerweise beherbergen Bandwürmer allerdings ein enormes Gefahrenpotential für den Menschen. Wie Wiederkäuer und Nager kann sich auch der Mensch, hier nicht Zwischenwirt sondern Fehlwirt, mit Bandwurmeiern oder -larven infizieren. Ansteckungsquellen können ungewaschene Waldfrüchte, Pilze und leider auch das eigene Haustier sein. Nach der Infektion mit Hunde- oder Fuchsbandwurmlarven, bohren sich die Larven nach ca. 12 Stunden in die Darmwand des Menschen ein und gelangen durch das Blutgefäßsystem in Leber (häufigste Lokalisation), Lunge, Gehirn oder andere Gewebe.

Wie gut, dass Frauchens Küche so gut ist, dass wir aufs Mäusefangen locker verzichten können!

Je nach Art entwickeln sich zwei Typen von Finnenstadien:

  • 1. Beim Hundebandwurm (Echinococcus granulosus) die so genannte Hydatide, eine Blase die kindskopfgroß werden kann, prall mit Flüssigkeit (mehrere Liter!) gefüllt und von einer Bindegewebskapsel umgeben ist. Die Ausbildung dieser Zyste kann sich auf mehrere Jahre erstrecken. Die Infektion bleibt oft lange Zeit beschwerdefrei und daher häufig unentdeckt. Erst relativ spät kommt es beim Mensch durch die stark wachsende Hydatide zur Druckatrophie und damit zur Zerstörung des betroffenen Gewebes. Rechtzeitig erkannt besteht die Möglichkeit die Zyste operativ zu entfernen.
  • 2. Noch weitaus gefährlicher ist die Zyste des Fuchsbandwurmes (Echinococcus multilocularis). Sie bildet nämlich ein Netzwerk von Schläuchen, die das betroffene Organ infiltrativ durchziehen. Dieser Zystentyp ist besonders wegen der mehrere mm langen, unsichtbaren Endteile der Schläuche meist inoperabel und daher lebensbedrohlich. Es besteht zwar die Möglichkeit durch bestimmte Medikamente das Wachstum der Schläuche zu bremsen, da allerdings ein Befall erst bei ziemlicher Ausdehnung der Zysten bemerkt wird, ist die Organschädigung meist schon zu schwer, um zu überleben.

Der Kleine Fuchsbandwurm ist ein fünfgliedriger, nur wenige Millimeter (ca. 2 mm) großer Bandwurm, der überwiegend im Dünndarm des Fuchses vorkommt, sich aber leider auch bei Hund und Katze ansiedeln kann. Die Bandwürmer stoßen von Zeit zu Zeit ihre Endglieder (Proglottiden) ab, die ungefähr 300 Eier enthalten. Mit dem Kot abgesetzt gelangen sie in die Außenwelt. Wind, Regen und Insekten verbreiten nun die winzigen (mit bloßem Auge nicht sichtbar!) und leichtgewichtigen Eier wie Staub in der Umgebung.

Kleine Nagetiere werden zu Zwischenwirten des Bandwurms, indem sie die Eier mit ihrer Nahrung aufnehmen. Auch der Mensch kann sich oral mit diesen Eiern infizieren, z.B. durch den Verzehr ungewaschener Waldfrüchte und Pilze oder durch den engen Kontakt zu einem infizierten Tier. Weil der Mensch für die Entwicklung des Wurms eine Sackgasse darstellt, ist er kein Zwischenwirt, sondern ein sogenannter Fehlwirt.

Im Darm der Zwischen- und Fehlwirte schlüpft aus dem Ei eine Hakenlarve, die sich in die Darmwand bohrt und über das Blutsystem in die Leber gelangt. Dort wächst sie langsam zur so genannten Finne heran. Die Finne verhält sich wie ein bösartiger, bläschenförmiger Tumor, der wurzelartig in das umliegende Gewebe einwandert und es zerstört. Meistens ist die Leber betroffen, aber auch andere Organe wie Lunge oder Gehirn können befallen werden. Die Echinococcose entwickelt sich beim Mensch sehr langsam, über viele Jahre hinweg. Diagnostiziert hängen die Behandlungschancen vom befallenen Organ und dem Umfang der Gewebezerstörung ab.

Die erkrankten und somit stark geschwächten Kleinnager sind nun leichte Beute für den Endwirt Fuchs, Hund oder Katze. In ihnen wachsen aus den Finnen die neuen Bandwürmer heran. Bereits 4 Wochen später stoßen sie die ersten Endglieder ab - der Kreislauf beginnt von neuem.

Da Fuchs, Hund oder Katze selbst bei starkem Fuchsbandwurmbefall keine Symptome zeigen, bleibt das Risiko für den Mensch oft unbemerkt. Erschwerend kommt hinzu, dass die winzigen Proglottiden im Kot leicht übersehen und ja auch nicht permanent ausgeschieden werden. Da in Deutschland das Vorkommen der Echinococcose beim Mensch fast ausschließlich auf den süddeutschen Raum (schwäbische Alb) beschränkt ist, vermutete man jahrelang ein Auftreten des Kleinen Fuchsbandwurms bei Füchsen nur in dieser Region.

Nach heutigem Wissensstand kommt der Kleine Fuchsbandwurm bei unseren Rotfüchsen aber nahezu bundesweit vor. Dabei ist die Befallshäufigkeit regional sehr unterschiedlich (z. B. Schwäbische Alb 64 %, Hessen 28 %). Manche Bundesländer haben, wegen der großen Gefahr für den Menschen, spezielle Entwurmungsprogramme für Füchse entwickelt. Leider scheitert eine Umsetzung oft an den Kosten für die regelmäßige Durchführung der Entwurmungen. Hinzu kommt, dass die Fuchsbandwurmeier sehr widerstandsfähig sind. So können ihnen z. B. Gefrierschranktemperaturen oder handelsübliche Desinfektionsmittel nichts anhaben. 

Einige Vorsichtsmaßnahmen sind daher empfehlenswert: Allein das Waschen von Nahrungsmitteln kann zwar ein Infektionsrisiko nicht ausschließen, aber auf jeden Fall mindern. Kochen dagegen zerstört die Parasiten zuverlässig. Nach Waldarbeiten und Arbeiten in waldnahen Gärten sind die Hände gründlich zu reinigen. Hunde und Katzen, die Kleinnager verzehren, sollten aus Sicherheitsgründen regelmäßig entwurmt (Präparate, die den Wirkstoff Praziquantel enthalten!) werden.

Da man äußerlich nicht erkennen kann, ob ein Fuchs infiziert ist oder nicht, sollten lebende Füchse, auch schon wegen der Tollwutgefahr, nicht angefasst werden, bei toten Tieren sollten Einmalhandschuhe getragen werden. Der Kadaver ist für den Transport in Plastiksäcke zu verpacken. Hunde, die in Fuchsbauten eindringen sind sorgfältig zu baden.Auch die Larven von Spul- und Hakenwürmern können versehentlich den Menschen befallen. Sie wandern als so genannte Wanderlarven im Körper (Larva migrans visceralis) bzw. unter der Haut (Larva migrans cutanea, "Hautmaulwurf"). Dabei kann es zu juckenden, geröteten, ödematisierten Ekzemen, gastrointestinalen Störungen, Augenerkrankungen, ZNS-Erscheinungen, Fieber, Lungenentzündung und Leberschwellung kommen. Durch gezielten Medikamenteneinsatz besteht hier jedoch die Möglichkeit, die Wurmlarven zu bekämpfen. Außer der Übertragung durch das eigene Tier sind besonders Sommerwiesen und Badestrände, die von freilaufenden Hunden mit Kot kontaminiert werden, Ansteckungsort für Fadenwurmlarven (die Larven der Hakenwürmer können hier aktiv in die ungeschützte Haut, z. B. durch Barfusslaufen oder Sonnenbaden, eindringen!).

Sie sehen sicherlich wie wichtig es ist, ihren vierbeinigen Freund und sich selbst vor Wurmerkrankungen zu schützen. Dies gilt besonders für Kinder, die oft ein noch innigeres Verhältnis zu ihrem Spielkameraden Tier haben.

Hier einige Tipps zum Schutz vor Wurmerkrankungen:

  • Hunde und Katzen regelmäßig entwurmen (mindestens zweimal im Jahr), evtl. zwischendurch vom Tierarzt eine Kotuntersuchung zur Kontrolle machen lassen. Dies gilt vor allem für freilaufende Katzen, die Gelegenheit haben, infizierte Tiere zu erbeuten, und für Hunde, die auf Hundeplätzen oder bei Spaziergängen Kontakt zu vielen anderen Hunden haben.
  • Muttertiere vor der Trächtigkeit und vor der Geburt regelmäßig Wurmkuren unterziehen. Welpen sind durch Wurmbefall besonders gefährdet, deshalb unbedingt ab der zweiten Lebenswoche im Abstand von zwei Wochen mehrmals entwurmen, die Mutter mitbehandeln, da sie und die Welpen sich ständig gegenseitig anstecken können.
  • Tägliche Reinigung der Katzentoilette, regelmäßig Zwinger reinigen, Hunde- und Katzendecken waschen und die Kothäufchen im Garten nicht vergessen zu entfernen.
  • Regelmäßiges Abwaschen der Fress- und Trinknäpfe.
  • Vermeidung der Fütterung rohen Fleisches (kein Wildaufbruch für Jagdhunde, keine rohen Schlachtabfälle vom Schaf für Hütehunde), Fleisch vor der Fütterung gründlich abkochen.
  • Verhindern, dass der Hund gefundene Kadaver frisst, Katzen erbeutete Tiere wegnehmen.
  • Nach Flohbefall unbedingt gegen Bandwürmer entwurmen, Flöhe bekämpfen.
  • Gründliches Waschen der eigenen Hände, insbesondere vor dem Essen, nach der Gartenarbeit, sowie bei Kindern nach dem Spielen im Sandkasten (Katzen benutzen leider Blumenbeete und Sandkästen gerne als Katzentoilette).
  • Hygiene im Umgang mit dem eigenen Tier, kein Küsschen geben, sich nicht durchs Gesicht lecken lassen.
  • Fallobst, bodennahe Früchte, Waldbeeren und Pilze, sowie Gemüse aus dem Garten vor dem Verzehr gründlich waschen.

Lassen sie sich von ihrem Tierarzt beraten, welches Wurmmittel für ihr Tier am besten geeignet ist und lassen sie sich von ihm ein Entwurmungsschema aufstellen. Befolgen sie die Hygienetipps und klären sie auch ihre Kinder auf, dann bin ich sicher, werden sie auf einen engen Kontakt zu ihrem Vierbeiner nicht verzichten müssen und trotzdem viel Freude an ihm haben.


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