Reisekrankheiten beim hund

Entsprechend geschützt genießt Dobermann "Ben" Sonne, Strand und Meer!


Durch Fernreisen in tropische oder Mittelmeerländer werden unsere vierbeinigen Reisebegleiter dort leider auch mit Krankheiten konfrontiert, die es in Deutschland nicht bzw. noch nicht gibt. Ziehen sie deshalb vor Reiseantritt unbedingt ihren Tierarzt zu Rate, um wenigstens die prophylaktischen Schutzmaßnahmen auszuschöpfen.


Babesiose, Piroplasmose

Die Babesiose, auch Piroplasmose genannt, ist eine weltweit, vor allem aber in den Tropen und Mittelmeerländern vorkommende Protozoenkrankheit (Protozoen = kleine Einzeller), die durch Zecken übertragen wird. Leider sind auch bereits in Norditalien, Ungarn, der Süd- und Westschweiz und in der Region Basel Babesien aufgetreten. Die Inkubationszeit beträgt 10 Tage bis 3 Wochen. Es kommt jetzt zur so genannten Parasitämie, d. h. die Parasiten vermehren sich in den Erythrozyten (rote Blutkörperchen) und zerstören sie dadurch (Hämolyse). Dann verschwinden die Parasiten vorübergehend aus dem peripheren Blut, 10 - 14 Tage später folgt eine zweite massivere Parasitämie. Falls sich die Hunde davon erholen, wechseln nachfolgend verschieden lange Ruheperioden mit unterschiedlich schweren Parasitämie- und Hämolysephasen ab.

Die Symptome der Krankheit reichen von Mattigkeit und Schwäche, Fieber (bis 42° C), blassen Schleimhäuten (Anämie), rot- bis grünbraunem Harn, Ikterus, Leber- und Milzvergrößerung bis hin zum plötzlichen Tod bei geschwächten, kranken oder sehr jungen Tieren. Milde und chronische Verlaufsformen können medikamenthell behandelt werden, bei starker Erythrozytenzerstörung werden bereits Bluttransfusionen notwendig und die Prognose wird immer ungünstiger. Als Prophylaxe ist daher die Zeckenbekämpfung ganz wichtig. Und sprechen sie ihren Tierarzt auch wegen Medikamenten zur eventuellen Vorbeugung vor Reiseantritt an. Es gibt nämlich einen Impfstoff (in Deutschland leider nicht auf dem Markt), der Hunden vor Auslandsreisen verabreicht werden kann. Die Impfung verhindert Todesfälle, Infektionen sind allerdings trotz Impfung möglich.


Leishmaniose

Die Hundeleishmaniose ist die in Deutschland am häufigsten eingeschleppte Infektionskrankheit (Hundetourismus, Import von Tieren aus Mittelmeerländern durch Tierschutzorganisationen). Sie ist eine granulomatöse (knötchenbildende Entzündung) Haut- und Organkrankheit, die durch Protozoen (Einzeller), die so genannten Leishmanien, verursacht wird.

Endlich Sonne, Sommer, Urlaubszeit - da muss man sich doch rechtzeitig den besten Liegestuhl reservieren!

Weltweit kommen in den warmen Ländern verschiedene Leishmanienarten vor - es sind 88 Länder auf 4 Kontinenten (Ausnahme Australien) betroffen. Die Hundeleishmaniose tritt besonders in Lateinamerika, in allen Mittelmeerländern (Spanien, Frankreich, Italien, Malta, Griechenland, Türkei, Israel, Ägypten, Libyen, Tunesien, Algerien, Marokko...) und in Portugal auf. Zahlreiche Wild- und Haustiere (z. B. Nagetiere, Füchse, Hunde und Katzen) stellen das Erregerreservoir dar, aber auch der Mensch kann als Reservoirwirt dienen.

Die Ansteckung erfolgt vor allem durch den Stich der weiblichen, so genannten Sand- oder Schmetterlingsmücke, die die mikroskopisch kleinen Einzeller überträgt. Sandmücken sind kleine (2,5 - 3 mm), haarige, zweibeflügelte Insekten. Ihre Farbe reicht von gelblich bis dunkelbraun. Tagsüber sind Sandmücken nicht zu sehen, da sie in Ritzen und Spalten ruhen. Ihr Aktivitätszyklus beginnt kurz nach Sonnenuntergang und dauert bis zum Morgengrauen an. Sie mögen warme Nächte (nicht unter 16° C) und stechen meistens im Freien, obwohl sie auch ziemlich häufig in Wohnräumen anzutreffen sind. Die Sandmückensaison beginnt meistens im Mai und endet im September, bei mildem Spätsommerklima auch erst im Oktober. Im Hund lebt der Parasit in speziellen Zellen, den Makrophagen, die im Blut, in der Haut und in inneren Organen vorkommen. Über die Makrophagen verteilen sich die Leishmanien im gesamten Körper ihres Wirtes und vermehren sich durch Zellteilung.

Wenn eine Sandmücke einen infizierten Hund sticht, nimmt sie diese Zellen beim Saugakt auf. In der Fliege vermehren sich die Parasiten weiter und werden beim nächsten Saugakt auf ein anderes Tier übertragen. In den endemischen Gebieten ist das Infektionsrisiko hoch und im Zunehmen begriffen, selbst in städtischen Gebieten. Ohne die Sandmücke ist eine Leishmanioseübertragung nur sehr selten. Der Erreger kann aber auch über Schmierinfektionen durch Hautverletzungen aufgenommen, eventuell sogar durch Speichel übertragen werden. Auch der Mensch kann erkranken.

Je nach Erreger und klinischem Erscheinungsbild unterscheidet man hier die viscerale Leishmaniasis (Leishmaniose der inneren Organe, z. B. Leishmania donovani donovani: "Kala-Azar" oder "Dum-Dum-Fieber", Leishmania donovani infantum) bzw. die cutane Leishmaniasis (Hautleishmaniose, z. B. Leishmania tropica major: "Aleppo- oder Orientbeule"). Haupterreger der Hundeleishmaniose ist Leishmania donovani infantum. Sie kann jahrelang unbemerkt bestehen (aber Ansteckungsgefahr!) oder äußert sich Monate nach der Infektion in recht unspezifischen, oft schubweise auftretenden Symptomen, wie sie genauso bei vielen anderen Krankheiten vorkommen können (Fieberschübe, Mattigkeit, gelichtetes Haarkleid, Abmagerung, Muskelschwäche, Durchfall). Umso wichtiger ist es, den Tierarzt im Krankheitsfall auf einen zurückliegenden Auslandsaufenthalt aufmerksam zu machen. Hochverdächtig ist eine nicht juckende Hautentzündung mit Haarausfall an Nasenrücken, Ohrspitzen und um die Augen herum ("Brillenbildung"). Es fallen große, leicht fettige, kreideweiße Schuppen auf. Diese Hautveränderungen können sich auf den ganzen Körper ausbreiten und bis zu Haut- und Schleimhautgeschwüren führen. Infolge Entzündung des Krallenbettes kommt es zu einem übermäßigen Krallenwachstum, das Krallenhorn wird brüchig. Die Bauchgegend kann durch Vergrößerung von Milz und Leber schmerzempfindlich sein, Nierenentzündung führt zu blutigem Urin, Geschwüre im Magen-Darm-Trakt zu blutigem Kot, blasse Schleimhäute sind Zeichen der fortschreitenden Anämie. Die Körperlymphknoten sind vergrößert, es kommt zur Augenentzündung, zur Muskelentzündung mit starker Atrophie (Muskelschwund) speziell der Kopfmuskeln und zur Polyarthritis. Die Diagnosestellung erfolgt mittels spezieller Untersuchungen: Antikörpertest durch Blutuntersuchung und Leishmaniennachweis durch Gewebeproben von z. B. Lymphknoten oder Knochenmark.

Die Behandlung der Leishmaniose sollte möglichst im Frühstadium erfolgen, denn zur Therapie müssen die Leber- und Nierenwerte noch in Ordnung sein. Die Behandlung ist aufwendig und kann mit großen Strapazen (Übelkeit, Erbrechen, Schmerzen, etc.) für den Hund verbunden sein.

Die Prognose ist trotz intensiver Therapie über Wochen bis Monate vorsichtig zu stellen, obwohl sich der Behandlungserfolg dank neuer Medikamente sichtlich verbessert hat. Trotzdem wird mit der Behandlung meistens nur eine vorübergehende Besserung und nur in einem sehr geringen Prozentsatz Heilung erreicht. Rezidive müssen immer wieder behandelt werden. Ohne Behandlung sterben bis zu 90 % der Leishmaniosepatienten innerhalb eines Jahres, viele davon an einem Nierenversagen. Fehlen Sandmücken, ist das Zoonoserisiko (gegenseitige Ansteckung von Mensch und Tier) klein und beschränkt sich auf das gering einzustufende Ansteckungsrisiko über Hautwunden. Aus diesem Grund sollte man aber besonders bei Kindern und geschwächten Personen auf peinliche Hygiene achten oder sie von infizierten Tieren fernhalten.

Um ihren Hund im Urlaub in den gefährdeten Gebieten zu schützen, gibt es leider keinen spezifischen Schutz in Form einer Impfung. Sie sollten im Urlaub deshalb folgende Ratschläge beherzigen: Lassen sie ihren Hund zwischen Mai und Oktober von Sonnenuntergang bis zum Morgengrauen im Haus. Zusätzlich sollten sie ihn mit Repellentien oder Insektiziden schützen. So gibt es beispielsweise ein Antiparasitenhaldband, das vor Flöhen und Zecken schützen, gleichzeitig aber auch das Stechen der Sandmücke verhindern soll. Mit der Hundeleishmaniose ist nicht zu spaßen - lassen sie sich deshalb rechtzeitig vor Reiseantritt von ihrem Tierarzt beraten, wie sie ihren Vierbeiner am sichersten schützen können, damit die schönste Zeit des Jahres nicht mit einem bösen Erwachen endet.


Ehrlichiose

Auch hier wird der Erreger (Rickettsien) durch Zecken übertragen. Die Ehrlichiose ist eine in tropischen und subtropischen Gebieten (südl. des 45. Breitengrads) Asiens, Afrikas und der Mittelmeerländer weit verbreitete Erkrankung (der Dt. Schäferhund reagiert besonders empfindlich).

Die Krankheit beginnt mit einer akuten Phase, die sich in Fieberschüben bis 41° C, Appetitlosigkeit, Atemnot, Lymphknotenschwellungen, eitrigem Nasen- und Augenausfluss und intermittierendem Durchfall äußert. In schweren Fällen kann es darüber hinaus zur Hyperästhesie, zu Krampfanfällen, Muskelzuckungen, Lähmungserscheinungen der Hinterhand oder Gelenksentzündungen kommen. Hierauf folgt (auch ohne Behandlung) nach 6 - 17 Wochen entweder Heilung oder es entwickelt sich die chronische Phase als Ausdruck des Unvermögens, die Ehrlichien zu eliminieren. Rechtzeitig erkannt und behandelt ist die Heilungschance günstig, in fortgeschrittenen Fällen ungünstig. 


Dirofilariose

Als parasitäre Herzerkrankung kommt die Dirofilariose im südlichen Europa und in Amerika vor. Übertragen werden die Larven der so genannten Herzwürmer durch Stechmücken. Die adulten Würmer parasitieren im rechten Herzen und in den Pulmonalarterien, wodurch es zu Leistungsabfall, Husten, Atemnot und üblen Stauungserscheinungen kommt. Auf Dauer wird das Herz-Kreislauf-System nachhaltig geschädigt.

Sie sehen, die "schönste Zeit des Jahres" kann Tücken für ihr Tier haben. Schützen sie es deshalb unbedingt zumindest gegen Zecken. Informieren sie sich bei ihrem Tierarzt, ob sie vor Reiseantritt prophylaktisch etwas tun können. Und falls ihr Tier erkrankt, und sie es mit unklaren Symptomen beim Tierarzt vorstellen, denken sie daran, den letzten Auslandsaufenthalt zu erwähnen, auch wenn dieser bereits Monate oder sogar länger zurückliegt. Die Inkubationszeit vieler exotischer Krankheiten kann nämlich sehr lange dauern.

Sollten sie sich im Ausland in ein streunendes Kätzchen oder einen herrenlosen Hund verlieben und ihm in Deutschland ein neues Zuhause geben wollen, beachten sie zum einen, dass dieses Tier bereits infiziert sein kann und zum andern, dass auch die Bundesrepublik Einfuhrbestimmungen hat (Gesundheitszeugnis, gültige Tollwutschutzimpfung). Bitte halten sie sich an die Bestimmungen, um nicht in Deutschland Krankheiten einzuschleppen, die wir bei uns zum Glück noch nicht haben. So sind z. B. durch Import spanischer Hunde und Katzen in deutsche Tierheime, Leishmaniosefälle auch in Deutschland aufgetreten, obwohl die Tiere angeblich sogar getestet waren. Das Problem hierbei ist die Diagnostik: Bluttests sind, vor allem beim gesund erscheinenden Tier, äußerst unsicher. Sicherheit verschafft nur die Untersuchung einer aufwendigen Knochenmarkpunktion, die aber routinemäßig nicht durchgeführt wird.

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