Toxoplasmose der Katze - Aufklärung verhindert Panik!

Die Toxoplasmose ist eine Erkrankung, die durch den Einzeller Toxoplasma gondii ausgelöst wird und weltweit verbreitet ist. Zwar ist die Katze der eigentliche Endwirt für diesen Erreger, doch auch der Mensch kann sich mit Toxoplasmen infizieren und erkranken. Besonders gefährlich kann eine solche Infektion während der Schwangerschaft sein – doch meistens steckt man sich gar nicht an der eigenen Katze an, sondern über Lebensmittel, mangelnde Hygiene oder die Gartenarbeit.
Ein guter Grund, näher auf die Toxoplasmose einzugehen, damit Katzen nicht länger pauschal als „Schwangerschaftsrisiko“ bezeichnet und entsprechend behandelt werden.

Infektionsweg bei Katzen
Katzen und andere Feliden (= katzenartige Raubtiere) sind die einzigen Endwirte für Toxoplasmen und nur sie können Oozysten (= infektiöse „Vorstufen“ der Toxoplasmen) ausscheiden. In ihrem Darmepithel kommt es erst zur Vermehrung der Toxoplasmen und anschließend zur Ausscheidung der ansteckenden Oozysten. Sie selbst infizieren sich durch die Aufnahme von Beutetieren mit Toxoplasmazysten in der Muskulatur (Zwischenwirte), durch Verfüttern von rohem oder ungenügend gegartem Fleisch (v.a. Schaf- und Schweinefleisch) oder direkt durch Oozysten, die von infizierten Katzen mit dem Kot ausgeschieden werden.

Symptome bei der Katze
Für die Katze verläuft die Infektion in der Regel ohne Krankheitsanzeichen und nach einer einmaligen ca. 2- bis 3-wöchigen Ausscheidungsphase (Millionen von Oozysten werden mit dem Kot ausgeschieden) verfügt die Katze über eine lebenslange Immunität.
In Ausnahmefällen (z.B. Vorliegen einer immunsupprimierenden Erkrankung wie Leukose, FiP, Katzenaids) kann die Infektion zur Erkrankung führen und sich durch folgende Symptome äußern: Fieber, Atembeschwerden, Lungenentzündung, Magen-Darm-Erkrankungen, Hepatitis, Erkrankungen der Augen oder Störungen des zentralen Nervensystems.

Hohe Durchseuchung – kurze Infektionsgefahr
Obwohl über 75% aller Katzen im Laufe ihres Lebens eine Toxoplasma gondii-Infektion durchmachen, werden nur in 0,6-1,3% der Katzenkotproben Oozysten gefunden, da die Katzen ja nur für maximal 3 Wochen zu gefährlichen Ausscheidern werden.

Infektion beim Menschen - Zoonose
Leider ist die Toxoplasmose eine sogenannte Zoonose, d.h. die Erkrankung kann vom Tier auf den Menschen übertragen werden. Bei den meisten Menschen verläuft die Toxoplasmose ohne Symptome oder mit nur sehr unspezifischen Krankheitserscheinungen einer Allgemeininfektion (Kopf- und Gliederschmerzen, vergrößerte Lymphknoten, Fieber). 60-70% der Mitteleuropäer weisen spezifische Antikörper auf, hatten also einmal - meist unbemerkt - Kontakt mit dem Erreger. Die Durchseuchungsrate der Bevölkerung nimmt mit zunehmendem Lebensalter zu. Der Körper bildet Abwehrstoffe gegen den Erreger, er ist dann normalerweise lebenslang immun gegen die Krankheit.
Ernste Beschwerden treten besonders dann auf, wenn eine Abwehrschwäche des Immunsystems vorliegt (z.B. Tumor- oder HIV-Patienten) oder wenn sich Schwangere während der Schwangerschaft erstmalig infizieren. Es kann zur Infektion des ungeborenen Kindes mit schweren Folgen kommen (Fehlgeburten, Missbildungen, lebensschwache Babys). Ist eine Schwangere bereits gegen Toxoplasmose immun, besteht im Normalfall keine Gefahr für das Baby.

"Lasst mich rein - gegen Toxoplasmen bin ich doch immun!" - Die Gefahr einer Übertragung der Toxoplasmose durch Katzen ist nicht so groß wie häufig angenommen. Zur eigenen Beruhigung und Sicherheit sollten Schwangere sich selbst und Ihr Tier testen lassen.

Ansteckungsquellen für den Menschen
Für die Infektion des Menschen sind zwei hauptsächliche Infektionswege verantwortlich:
1. Aufnahme von rohem oder ungenügend behandeltem, zystenhaltigem Fleisch bzw. Fleischprodukten.
Als wichtigste Infektionsquelle gelten Fleisch vom Schwein, von Schaf und Ziege, von Wildtieren und Geflügel.
2. Aufnahme von mit sporulierten Oozysten kontaminierter Nahrung oder Erde (z.B. bei der Gartenarbeit)

Die Hauptansteckungsquelle für den Menschen sind somit nicht die eigenen Katzen, sondern rohes Fleisch (Tartar) und ungenügend erhitzte Fleischgerichte (z.B. Steak blutig). Auch die Ansteckung durch nur kurz gereifte Rohwurst (Landjäger, Mettwurst u.ä.) ist erwiesen. Da Fleisch immer Gewebezysten der Toxoplasmen enthalten kann, muss prinzipiell bei der Zubereitung von Fleisch auf gute Hygiene (anschließend gründliches Händewaschen) geachtet werden. Beim Kochen oder Braten werden die Gewebezysten durch gründliches Erhitzen (20 Min. mit Kerntemperatur von min. 50°C) unschädlich gemacht.

Weitere Schutzmaßnahmen für gefährdete Menschen sind: gründliches Reinigen der Hände nach der Gartenarbeit, evtl. Tragen von Handschuhen, denn Katzen verscharren in der lockeren Gartenerde gern ihren möglicherweise oozystenhaltigen Kot.
Obst und rohes Gemüse vor dem Verzehr gründlich waschen.
Bei eigenen Katzen sollte die Katzentoilette täglich gereinigt werden, denn dadurch kann man den Entwicklungszyklus der Toxoplasmen unterbrechen, da ausgeschiedene Oozysten bei 25°C mindestens 48 Stunden benötigen, um infektionstüchtig zu werden.

Vorsichtsmaßnahmen in der Schwangerschaft
Um bei einer Schwangerschaft ganz sicher zu gehen, sollte neben den grundsätzlichen Vorsichtsmaßnahmen die werdende Mutter und die im Haushalt lebende Katze getestet werden. Das Robert Koch-Institut empfiehlt, schwangere Frauen auf eine Immunität gegen Toxoplasmose hin zu untersuchen. Ein Bluttest gibt Hinweise auf Antikörper:
Hat die Frau bereits Antikörper, ist die Gefahr für das Ungeborene bei einer erneuten Infektion während der Schwangerschaft äußerst gering.
Hat die Katze Antikörper, müssen im Abstand von 2 Wochen Kotuntersuchungen auf Oozysten gemacht werden. Sind die Kotuntersuchungen negativ, hat die Katze zwar irgendwann einmal eine Toxoplasmose durchgemacht, ist aber kein Ausscheider mehr. Um eine eventuelle Neuinfektion der Katze zu vermeiden, sollte die Katze im Haus gehalten und nur mit Fertigfutter ernährt werden (keine Beutetiere, kein rohes Fleisch!). Ist eine Kotprobe positiv, ist die Katze momentan vor allem für die Schwangere ohne Antikörper eine gefährliche Ansteckungsquelle. Das Tier sollte vorläufig separiert und vom Tierarzt entsprechend behandelt werden.
Hat die Katze keine Antikörper, hatte sie auch noch keinen Kontakt mit Toxoplasmen und stellt somit keine Ansteckungsgefahr für die werdende Mutter dar. Sie muss allerdings, zumindest für den Zeitraum der Schwangerschaft, vor einer Toxoplasma-gondii-Infektion geschützt werden (Wohnung, Fertigfutter), denn dadurch wird auch die Schwangere geschützt.

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