Schmerztherapie bei unseren Haustieren

Egal ob Mensch oder Tier – unter Schmerzen sollte niemand leiden, Schmerzen können behandelt werden!

Außerdem sind Schmerzzustände für den Körper „erlernbar“, d.h. wiederholt auftretende Schmerzen führen zu intensiverem und längerem Schmerzempfinden, da die Schmerzschwelle herabgesetzt wird. Deshalb ist eine frühzeitige und ausreichende Schmerzbekämpfung mit Medikamenten wichtig.

Unterschiedliche Schmerztherapien – welchen Schmerz wie behandeln?

1. Akutes Trauma
Patienten mit akuten Verletzungen, z.B. nach einem Autounfall, Fenstersturz, Kippfenster, Beißerei, benötigen im Rahmen der Erstversorgung unbedingt auch eine effektive Schmerzbehandlung. Die Schmerztherapie erleichtert zusätzlich den Umgang mit dem verletzten Tier, das durch die Schmerzen und den Stress häufig aggressiv reagiert. Je nach Art der Verletzung helfen auch stabilisierende bzw. ruhigstellende Verbände den Schmerz zu reduzieren. Auch kühlende Kompressen oder Umschläge lindern die Schmerzen.

2. Akuter orthopädischer Schmerz
Auch Verletzungen des Bewegungsapparates wie Verstauchungen, Zerrungen, Prellungen verursachen akute Schmerzen, die behandelt werden müssen. Ziel hierbei ist auch, den Patienten rasch wieder zu mobilisieren, denn Inaktivität führt schnell zum Abbau der Muskelmasse und zur Einschränkung der Funktionsfähigkeit. Besonders Tiere im Wachstum reagieren auf eine völlige Ruhigstellung über einen längeren Zeitraum schnell mit oft irreversibler Muskelverkürzung und Gelenkversteifung. Bei Bedarf tragen Leinenzwang, Boxenruhe und Physiotherapie zur Schmerzreduktion bei.

3. Chronisch degenerative Gelenkerkrankungen (Osteoarthrose)
Eine vollständige Ausheilung ist bei chronisch degenerativen Gelenkerkrankungen leider nicht möglich und meist eine lebenslange Behandlung notwendig. Auch kann es immer wieder zu akuten Schüben mit stärkeren Schmerzen kommen, die eine intensivere Therapie erfordern. In das Behandlungskonzept sollten unbedingt auch weitere Maßnahmen wie z.B. eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Patienten und eine gezielte Physiotherapie zum Muskelaufbau einbezogen werden. Auch weitere Maßnahmen wie Akupunktur und die Gabe von Chondroprotektiva (Substanzen, die den krankheitsbedingten Knorpelabbau hemmen, die Knorpelregeneration fördern und zusätzlich einen entzündungshemmenden Effekt haben – z.B. Canosan®) können sinnvoll sein.

4. Akute Diskopathie
Erhebliche Schmerzen verursachen eine Bandscheibenvorwölbung oder ein Bandscheibenvorfall. Wenn nicht sofort operiert werden muss, sind absolute Ruhigstellung und spezielle Schmerztherapie unerlässlich. Die Ruhigstellung soll verhindern, dass weiteres Bandscheibenmaterial in den Wirbelkanal vorfällt und die Kompression des Rückenmarks verstärkt und so die Nervenschädigung verschlimmert.

5. Schmerzen im Bauchraum
Auch bei Schmerzen im Bauchraum sollte man möglichst schnell ein Schmerzmittel geben, um das Tier nicht unnötig lange leiden zu lassen. Trotzdem ist es hier zusätzlich ganz wichtig, auch die Ursache der Schmerzen herauszufinden, um auch sie entsprechend zu behandeln (z.B. Blasenentzündung, Entzündung der Bauchspeicheldrüse) oder sogar zu operieren (z.B. Gebärmuttervereiterung, Fremdkörper).

6. Schmerzen im Kopfbereich – Zähne, Augen, Ohren
Der Kopfbereich ist sehr schmerzempfindlich, so dass Schmerzen in diesem Bereich – z.B. Zahnschmerzen, Ohrentzündung, Hornhautgeschwür - unbedingt zu behandeln sind. Zahnschmerzen machen sich beim Fressen besonders bemerkbar, so dass die Tiere die Nahrungsaufnahme einstellen. Dies wird besonders bei Heimtieren schnell problematisch, da bei ihnen die physiologische Verdauungstätigkeit mit Hilfe von Mikroorganismen nur funktionieren kann, wenn kontinuierlich Futter aufgenommen wird.

7. Tumorschmerz
Zu den häufig auftretenden chronischen Schmerzen zählt bei unseren Haustieren der Tumorschmerz. Tumorschmerzen können durch Druck auf das umliegende Gewebe, durch Ausbreitung in andere Organe oder Eindringen in Nervengewebe verursacht werden. Tumorschmerzen können derart stark werden, dass der Einsatz herkömmlicher Schmerzmittel nicht mehr ausreicht. Hier muss dann ein ganz spezielles Schmerzmanagement erfolgen. Ist der Therapieerfolg trotzdem nicht ausreichend, kann zusätzlich eine palliative Strahlentherapie gegen die krebsbedingten Schmerzen eingesetzt werden.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben darüber hinaus gezeigt, dass bestimmte Schmerzmittel (COX-2-Hemmer) chemotherapeutische Effekte besitzen, d.h. Tumorwachstum und Metastasenbildung können reduziert werden.

8. Operationsschmerzen
Eine optimale Schmerzbehandlung vor, während und nach einer Operation, dient nicht nur dem Wohlbefinden des Patienten, sondern hat auch medizinische Gründe: Schmerzen können die Wundheilung und die Durchblutung verschlechtern, das Infektionsrisiko steigt und es kann zur Automutilation (Selbstverletzung) an schmerzhaften Körperstellen kommen. Zusätzlich führt das reduzierte Wohlbefinden zu einer verminderten oder sogar fehlenden Futteraufnahme mit verlängerter Rekonvaleszenz.
Gezielt eingesetzt, können vor der OP gegebene Schmerzmittel die Dosis an Narkosemitteln reduzieren, wodurch die Tiere schneller aus der Narkose erwachen. Dies ist besonders bei Risikopatienten von Vorteil. Auch die Intensität der Schmerzen nach der OP kann dadurch reduziert werden.


Dank guter Schmerzmittel muss dieser Patient nach seiner OP zum Glück nicht leiden – auf den „blöden“ Halskragen würde er allerdings auch gerne noch verzichten.

Schmerzstärken
Zu einem modernen Schmerzmanagement gehört heute die Beurteilung des Schmerzgrades, denn nach der Stärke der Schmerzen richtet sich die Therapieform und das entsprechende Schmerzmittel.
Bei Hund und Katze erfolgt eine vierstufige Schmerzeinteilung: keine, geringgradige, mittelgradige und hochgradige Schmerzen.
Bei Heimtieren (z.B. Kaninchen, Meerschweinchen, Ratte, Maus, Chinchilla, Degu, Hamster), Vögeln, Reptilien und Amphibien ist dagegen allein das Feststellen von Schmerzen sehr schwierig, so dass man nur zwischen keine Schmerzen und Schmerzen unterscheidet.
Ist der Schmerzgrad bei einem Tier nicht sicher zu beurteilen, sollte von dem Schmerzempfinden ausgegangen werden, was wir Menschen in einer ähnlichen Situation empfinden.

Vorsicht: Schmerzgedächtnis!
Ein weiterer wichtiger Grund auch bei unseren Tieren, Schmerzen möglichst frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, ist das sogenannte „Schmerzgedächtnis“. Schmerzgedächtnis bedeutet, dass sich aus anhaltenden oder immer wiederkehrenden Schmerzen chronische Schmerzen entwickeln können, die selbst dann bestehen bleiben, wenn die eigentliche Schmerzursache beseitigt ist. Der Körper erinnert sich an den Schmerz aus der Vergangenheit und reagiert mit Schmerzempfindung auch ohne schmerzauslösenden Grund. Als Folge wird eine dauerhafte Schmerztherapie notwendig mit dem Problem, dass viele Schmerzmittel in dieser Situation weniger effektiv wirken. Ein wichtiges Ziel der Schmerztherapie ist daher, die Entstehung eines Schmerzgedächtnisses zu vermeiden!

Ziel der medikamentösen Therapie:
• Schmerzen lindern
• Heilungsprozesse beschleunigen
• Folgeschäden vermeiden
• mehr Lebensqualität für Tier und Tierbesitzer

Medikamentöse Schmerztherapie
Bei der Schmerzbekämpfung unterscheidet man
Analgetika = schmerzstillende Medikamente, die die Schmerzempfindung unterdrücken
Antiphlogistika = entzündungshemmende Medikamente zur Linderung, Beseitigung oder Unterdrückung entzündlicher Reaktionen

Unterschiede im Medikamenteneinsatz bei Mensch und Tier
Was für uns Menschen gut ist, kann doch für unsere Tiere nicht schlecht sein? - Doch!!!
Da schmerz- und entzündungshemmende Medikamente beim Menschen so häufig eingesetzt werden, sind sie praktisch in jedem Haushalt zu finden. So ist die Versuchung für den Tierbesitzer oft groß, seinem Tier bei Schmerzen schnell selbst aus der Hausapotheke zu helfen. Aber Vorsicht - unsere Vierbeiner sind keine kleinen Menschen!!! Selbst die gutgemeinte Säuglingsdosierung kann daher schlimme Folgen haben.
Alle Medikamente müssen – vergleichbar mit Nahrungsmitteln – im Körper zerkleinert, abgebaut, verstoffwechselt werden. Nur so können sie wieder ausgeschieden werden, nachdem sie ihre Wirkung getan haben. Geschieht dies nicht, häufen sie sich im Körper an, können all ihre Nebenwirkungen frei entfalten und massive Schädigungen und Vergiftungen zur Folge haben. Für Abbau und Ausscheidung sind bestimmte Stoffwechselwege und Enzyme notwendig, über die aber nicht jede Tierart verfügt bzw. deren Aktivität sehr unterschiedlich sein kann. So können Medikamente, die beim Menschen hervorragend helfen, beim Tier absolut kontraindiziert sein und schlimmstenfalls zu bleibenden Schäden oder gar zum Tod führen. Selbst zwischen Hund und Katze gibt es gravierende Unterschiede – so fehlt der Katze beispielsweise die Möglichkeit zur Glucuronidierung (ein Stoffwechselweg, der in der Leber stattfindet). Medikamente oder Substanzen, die über diesen Stoffwechselweg ausgeschieden werden, können somit für die Katze tödlich sein – z. B. Paracetamol, Teebaumöl.

Die Wirkung von Medikamenten ist von Eigenschaften wie der Aufnahme, Verteilung und Bindung im Körper abhängig, im Weiteren von der Biotransformation, also dem Abbau, und der Ausscheidung. Auch hierbei gibt es große tierartliche Unterschiede und Unterschiede zum Menschen. Diese Unterschiede haben Einfluss auf die Dosierung eines Arzneimittels, wie oft es am Tag genommen werden muss, auf die Art der Nebenwirkungen und Verträglichkeit usw. Neben den tierartlichen Unterschieden spielen innerhalb einer Tierart auch das Alter des Tieres, das Geschlecht und sein Gesundheitszustand (besonders Erkrankungen von Leber und Nieren) eine ganz entscheidende Rolle. Nicht vergessen darf man auch, Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu berücksichtigen und Gegenanzeigen zu beachten (z. B. andere Erkrankungen, Trächtigkeit).
Da Heimtiere, Vögel und Exoten oft nicht so zutraulich sind, sollte ihre Behandlung möglichst stressfrei erfolgen, was den Einsatz von Schmerzmitteln mit möglichst langer Wirkdauer sinnvoll macht.
Sie sehen, wie kompliziert der wirkungsvolle Einsatz von Medikamenten ist und wie viel Fachwissen und auch Erfahrung er voraussetzt. Behandeln Sie Ihr Tier deshalb bitte nicht leichtfertig selbst, sondern lassen Sie Ihren Tierarzt eine konkrete Diagnose stellen, nach der er dann einen für Ihr Tier sinnvollen und passenden Therapieplan aufstellen kann.

Multimordale Schmerztherapie – den Schmerzmitteleinsatz sinnvoll ergänzen
Multimodal bedeutet in der Medizin "auf vielfältige Art und Weise" – unter multimodaler Schmerztherapie versteht man daher nicht nur die Kombination verschiedener Schmerzmittel, sondern vor allem die gleichzeitige und aufeinander abgestimmte Behandlung mit verschiedenen Therapieverfahren. Der große Vorteil hierbei ist, dass durch die Kombination verschiedener Verfahren, die Schmerzmitteldosis in der Regel gesenkt werden kann, das Nebenwirkungsrisiko sinkt und der Therapieerfolg nimmt zu. Als ergänzende Therapie zum Schmerzmitteleinsatz eignen sich z.B. die Physiotherapie, chirurgische Maßnahmen, Gewichtsreduktion, Nahrungsergänzungsmittel mit knorpelschützender und knorpelerhaltender Wirkung (Chondroprotektiva - z.B. Canosan®), Akupunktur und Strahlentherapie.

Bei der multimodalen Schmerztherapie sind Sie als Tierhalter natürlich besonders gefordert und eine gute Zusammenarbeit mit Ihrem Tierarzt ist unerlässlich für den Behandlungserfolg!

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