Scheinträchtigkeit der hündin

Unter Scheinträchtigkeit versteht man hormonell bedingte emotionale und körperliche Veränderungen beim weiblichen Hund. Die Scheinträchtigkeit läuft auch unter den Fachbegriffen Pseudogravidität (Pseudoschwangerschaft), Lactatio falsa (fälschliche Milchproduktion) oder Lactatio sine graviditate (Milchproduktion ohne Trächtigkeit).

Biologische Gründe der Scheinträchtigkeit:

Scheinträchtigkeit der Hündin
Wie schön sind doch Muttergefühle, wenn auch wirklich Welpen da sind!

Dass viele unserer Hündinnen heute mit Scheinträchtigkeiten zu kämpfen haben, liegt an dem Erbe ihrer Vorfahren der Wölfe. Wölfe leben in Rudeln zusammen, in denen es eine strenge Rangordnung gibt. Jede Position ist dabei mit entsprechenden Rechten, aber auch Pflichten verbunden. Nur die Leitwölfin, das sogenannte Alpha-Tier, bekommt die Jungen. Aus Gründen der Arterhaltung ist es aber sinnvoll, daß die Jungen vom gesamten Rudel versorgt werden. Daher kümmern sich auch die anderen Wölfinnen um den Nachwuchs und säugen ihn sogar (Ammenfunktion). Soziobiologisch nennt man solche Systeme „Helfer-am-Nest“-Systeme. Voraussetzung hierfür ist, daß die Wölfinnen zur Milchbildung fähig sind, ohne geworfen zu haben, und auch ihr Mutterinstinkt geweckt ist. Ausgelöst wird dieses Phänomen durch den Anstieg des Hormons Prolaktin in der Phase der Nachbrunst. Dieser Hormonanstieg bewirkt 4 - 8 Wochen nach der Läufigkeit die sogenannte Pseudogravidität – Scheinträchtigkeit. Ein scheinträchtiges Tier zeigt jetzt den gleichen Hormonstatus wie ein wirklich trächtiges Tier am Ende der Tragzeit. Wölfe sind saisonal monoöstrisch, d.h. sie haben einen ausgeprägt saisonabhängigen Sexualzyklus, wodurch die Gleichzeitigkeit des Werfens der Welpen und des Angebots an Ammen für die Jungen gewährleistet ist.

Auch wenn dieses Verhalten bei unseren Haushunden nicht mehr benötigt wird, kann es bei allen Hündinnen aufgrund des veränderten Hormonspiegels 1 - 3 Monate nach der Läufigkeit zu einer Scheinträchtigkeit kommen. Kleinere Hunderassen sind häufiger betroffen als große, prinzipiell kann aber jede Hündin scheinträchtig werden.

Symptome:

Scheinträchtige Hündinnen leiden körperlich und seelisch. Eine scheinträchtige Hündin fühlt sich als „werdende Mutter“ und zeigt typische emotionale und körperliche Veränderungen. So tragen betroffene Hündinnen in der 8. - 9. Woche nach der Läufigkeit – also zu dem Zeitpunkt, zu dem eine gedeckte Hündin ihre Welpen werfen würde - alle möglichen Gegenstände (Spielsachen, Stofftiere, Schuhe usw.) als Ersatzwelpen zusammen, zeigen Nestbauverhalten, bemuttern, bewachen und beschützen besonderes Spielzeug als seien es Junge. Die Hündin neigt zu Unruhe, zu vermehrter Anhänglichkeit oder aber auch zu Aggressivität. Sie will sich nicht von „ihrem Nest“ weg bewegen und spazierengehen, einige Tiere verweigern das Futter. Neben diesen psychischen Veränderungen stellen sich auch körperliche Veränderungen ein: die Milchdrüsen schwellen an und oft tropft auch Milch aus den Zitzen, die häufig geleckt werden. Manchmal nimmt sogar der Bauchumfang zu. Bei starker Milchproduktion besteht die Gefahr eines Milchstaus mit daraus resultierender Gesäugeentzündung. Das Gesäuge ist dann stark geschwollen, warm und sehr schmerzhaft.

Im Durchschnitt dauert die Scheinträchtigkeit 2 - 3 Wochen

Diagnose:

Die typischen Symptome und das zeitliche Auftreten nach der Läufigkeit sichern die Diagnose.

Therapie:

Bis zu einem gewissen Grad kann die Scheinträchtigkeit als „normal“ bezeichnet werden. Doch manche Hündinnen steigern sich derart in ihre „Mutterrolle“ hinein, dass daraus eine wirkliche Last für sie selbst und schließlich auch für Frauchen und Herrchen entsteht. Die beste Hilfe für ihr Tier ist Ablenkung: beispielsweise häufiges Spazierengehen, Wegräumen von Spielsachen, viel Zuwendung. Bitte nicht bemitleiden oder verhätscheln, da dadurch die Muttergefühle noch verstärkt werden. Verhindern Sie auch, dass die Hündin ihr Gesäuge leckt, was die Milchproduktion noch zusätzlich anregt. Meist ist dann nach einigen Tagen das Problem beseitigt. Wenn die Scheinträchtigkeit jedoch mit ausgeprägter Aggressivität, Apathie oder übermäßiger Milchbildung einhergeht, ist eine medikamentöse Behandlung notwendig. Eine solche Scheinträchtigkeit darf nicht unterschätzt werden und gehört in die Hand eines Tierarztes. Er kann die Scheinträchtigkeit ursächlich behandeln, indem er der Hündin einen sogenannten Prolaktin-Hemmer verordnet. Dieses Medikament hemmt die Ausschüttung des Hormons Prolaktin, welches ja für die beschriebenen Muttergefühle und die Milchproduktion verantwortlich ist.

Prophylaxe:

Bei Hündinnen, die bereits nach der 1. Läufigkeit mit den Problemen der Scheinträchtigkeit zu kämpfen haben, bzw. bei Tieren, die immer wieder scheinträchtig werden, ist die sinnvollste Abhilfe die Kastration. Scheinträchtige Hündinnen leiden körperlich und seelisch – und das muß nicht sein!

Außerdem steigt durch die Scheinträchtigkeit das Risiko nach der Läufigkeit eine Gebärmuttervereiterung zu entwickeln.

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