Reisekrankheit (kinetose bei der katze)

Unter Reise-, Flug- oder Seekrankheit, medizinisch „Kinetose“ genannt, versteht man die Reaktion von Mensch und Tier auf ungewohnte, passive Bewegungen, wie man ihnen beispielsweise im Auto, im Flugzeug oder auf dem Schiff ausgesetzt ist. Also immer dann, wenn man sich nicht selbst bewegt, sondern bewegt wird.

Ursachen der Reisekrankheit

Der Reisekrankheit bei der Katze liegen vor allem zwei Ursachen zu Grunde, die sich gegenseitig beeinflussen und unterschiedliche Ausmaße annehmen können:     

  • passive Bewegung  
  • Angst vor dem Transport/enge Transportbox
Reisekrankheit bei der Katze
Um Transportstress zu vermeiden, sollten Katzen bereits frühzeitig an ihren Katzenkäfig und das Autofahren gewöhnt werden – dieser Kater fährt wohl lieber selbst 

Um Bewegungen des Körpers wahrzunehmen und zu verarbeiten steht dem Organismus das Gleichgewichtsorgan im Innenohr zur Verfügung. Ursprünglich ist dieses natürlich angelegt, um die Fortbewegung zu Fuß zu registrieren. Wird der Körper aber stark beschleunigt, ohne dabei selbst aktiv zu sein, kann das Gleichgewichtsorgan dies als eine Art Sinnestäuschung empfinden und entsprechend empfindlich reagieren. Es kommt zur Reizung des vegetativen Nervensystems – die „Bewegungserkrankung“ = Kinetose ist entstanden. Dieser Effekt wird noch verstärkt, wenn ungewohnte Reize einwirken (z.B. erste Autofahrt, Flug- oder Schiffsreise) oder wenn die optischen Reize nicht mit den Reizen übereinstimmen, die auf das Gleichgewichtsorgan einwirken (z.B. Tier in seiner Transportbox kann die Bewegung des Fahrzeuges nicht sehen, aber fühlen).Reiseangst wird hingegen durch mangelnde, fehlende oder gar schlechte Erfahrungen verursacht. Hinzu kommt, dass die fremden Geräusche, Gerüche oder die auftretende Übelkeit das Tier verunsichern und ängstigen. Die erste Autofahrt eines Katzenwelpen führt ihn meist fort von seiner Mutter und den Geschwistern, reißt ihn aus seiner gewohnten, vertrauten Umgebung – kein Wunder, wenn er in Zukunft mit dem Autofahren schlechte oder zumindest beängstigende Erfahrungen verbindet. Da diese Ängste einen direkten Einfluss auf die Kinetosen haben, wird durch die Angst die Reisekrankheit noch verstärkt.

Symptome der Reisekrankheit

Klassisches Bild der Reisekrankheit sind ängstliches Verhalten, Übelkeit und Erbrechen. Gut erkennbar ist diese Problematik an folgenden Symptomen während der Fahrt: 

  • vermehrtem Hecheln, Zittern, Speicheln
  • Fliehen, Verstecken
  • ständiges Miauen
  • Urin-, Kotabsatz

In schweren Fällen können diese Symptome bereits durch den bloßen Anblick der Transportbox, des Autos etc. ausgelöst werden.

Therapie der Reisekrankheit

Am besten gewöhnt man bereits Katzen im Welpenalter ans Autofahren (frühzeitige Gewöhnung). Wenn bereits der Züchter bzw. Vorbesitzer die Kleinen mal durchs Auto toben lässt, evtl. bei laufendem Motor, oder eine kleine Spritztour mit der Katzenmama und Ihren Kleinen unternimmt, haben es die neuen Besitzer mit Sicherheit bei der ersten Autofahrt viel leichter. Kennt der Katzenwelpe beim Besitzerwechsel das Autofahren noch nicht, sollte bei der Fahrt ins neue Zuhause äußerst behutsam umgegangen werden, die Trennung von Mutter und Geschwistern ist schließlich schwer genug.

Liegt erst einmal eine Reisekrankheit vor, muss das Autofahren trainiert werden. Das Prinzip beruht auf einer klassischen Gegenkonditionierung, d.h. das unangenehme Autofahren wird nach und nach mit angenehmen Erfahrungen verknüpft, bis die Katze lernt, dass Autofahren nichts Bedrohliches ist. Da Katzen meist in einer Transportbox transportiert werden, sollten die Tiere als erstes an diese ungewohnte Behausung gewöhnt werden. Die Transportbox sollte dafür gut sichtbar, am besten auch benutzbar (z.B. als Liege- oder Futterplatz), in der Wohnung stehen. Denn wenn die Transportbox nur für den Tierarztbesuch o.ä. hervorgeholt wird, ist es nicht verwunderlich, dass das Tier mit Angst, Protest oder Flucht reagiert. Wird die Box problemlos akzeptiert, kann man auch mal für kurze Zeit die Tür schließen, um der Katze zu signalisieren, dass auch dies nichts Schlimmes bedeutet.

Als nächstes sollte die Katze mit dem Auto vertraut gemacht werden. Auch hier können Leckerchen, Fütterung, Spiel- und Schmusestunden dazu beitragen, den Ort als etwas Positives wahrzunehmen. Ganz wichtig ist bei alledem, das Tier nie zu überfordern, man sollte nie ungeduldig werden, sobald die Katze Unwohlsein oder gar Angst zeigt, wird die Trainingsstunde abgebrochen und am nächsten Tag behutsam weitergemacht. Ist die Atmosphäre im Auto entspannt, lässt man den Motor laufen und beginnt schließlich mit ganz kleinen Fahrten. Alle Punkte sollten langsam gesteigert werden, um Rückfälle zu vermeiden. Durch diese Gegenkonditionierung wird der Katze zum einen die Angst vor dem Autofahren genommen, das langsame Steigern der Fahrtzeiten lässt dem Tier aber auch die nötige Zeit, sich an das passive Bewegtwerden zu gewöhnen. In sehr schwierigen Fällen, vor allem wenn die Katze das Eingesperrtsein  nicht verträgt, kann es hilfreich sein, auf die Transportbox erst einmal zu verzichten, der Katze statt dessen ein kleines Geschirr anzuziehen, um sie sicher durch eine Begleitperson auf dem Beifahrersitz halten zu können.

Besonders anfangs kann auch tierärztliche Hilfe sinnvoll sein. Durch die Gabe eines Antiemetikums (=Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen) wird der Katze das körperliche Unwohlsein genommen. Um das Angstpotential schneller in den Griff zu bekommen, bieten sich Sprays an, die bei der Katze sogenannte Gesichtspheromone = Wohlfühlbotenstoffe enthalten. Gesichtspheromone sind Geruchsbotenstoffe, die von Katzen im unteren Gesichtbereich gebildet werden. Sie wirken emotional stabilisierend und geben den Tieren ein Gefühl der Geborgenheit. Diese Wohlfühlpheromone benutzt man, um der Katze das Eingewöhnen in fremder Umgebung (Einsprühen der Transportbox und des Autos) zu erleichtern und um das verunsicherte Tier in der ungewohnten Situation emotional zu stabilisieren.

Ihr Tierarzt berät Sie gern, wie Sie Ihrem Vierbeiner am besten helfen können.

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