psychogene hauterkrankungen beim hund 

leckermatits (Haarlose Bezirke und Hautentzündungen)

Emotionaler Stress ist der Auslöser für verstärktes Lecken und Bekauen bestimmter Körperstellen. Haarlose Bezirke und Hautentzündungen sind die Folge - man spricht von der psychogenen Alopezie und Dermatitis. Ursachen, die einen solchen Stress hervorrufen, können beispielsweise sein:

  • ein neues Haustier (Konkurrenz, Bedrohung, Eifersucht)
  • der Tod des vierbeinigen Partners
  • Änderungen in der Familienstruktur (Scheidung, Baby etc.)
  • veränderter Tagesablauf (Frauchen geht wieder arbeiten o. ä.)
  • Umzug, neue Umgebung
  • zuviel Unruhe und Lärm
  • Langeweile, fehlende Bewegung und Beschäftigung, Zwingeraufenthalt

Das massive Lecken ist dann eine Ersatzhandlung und Ausdruck von Nervosität, Unsicherheit oder Unwohlsein. Die Haut reagiert mit juckenden Hautveränderungen, wodurch das Lecken noch intensiviert wird. Auch werden durch das Lecken sogenannte Endorphine („Wohlfühlhormone“) freigesetzt, die eine positive Wirkung auf den seelischen Zustand des Tieres haben - es entsteht eine regelrechte „Sucht nach diesem schönen, beruhigenden Gefühl“. Der Leckdrang wird immer heftiger und schließlich krankhaft.

Symptome

Meistens konzentriert sich der Leckdrang auf eine Körperstelle. Bevorzugt werden an der Vordergliedmaße Pfoten und Vorderfußwurzelgelenk bearbeitet. Aber auch die Hinterpfoten, der Afterbereich und die Kniefalte können betroffen sein. Durch das intensive Bearbeiten der Stelle kommt es zu Rötungen, haarlosen Stellen und wundgeleckter Haut. Es entstehen Geschwüre, die Haut ist stark verdickt und das Fell durch den Speichel rot-braun verfärbt. Sekundäre Infektionen der Haut verschlimmern das Krankheitsbild. Schließlich kommt es durch chronische Läsionen zu festen, verdickten Plaques mit erodierter Oberfläche. Als Folge der chronischen Leckdermatitis können sogar Veränderungen am darunter liegenden Knochen auftreten.

Rassedisposition

Psychogene Hauterkrankungen werden gehäuft beim Deutschen Schäferhund, dem Labrador Retriever, der Dänischen Dogge, dem Dobermann und Kleinrassen (v. a. Pudel) beobachtet. Prinzipiell kann aber jeder Hund in jedem Alter betroffen sein.

Diagnose

Meist sind das klinische Erscheinungsbild und der Vorbericht typisch. Trotzdem müssen andere Ursachen für das Lecken wie z. B. alte Wunden oder Verletzungen, Fremdkörper, Ektoparasiten, tumoröse Zubildungen (u. a. Histiozytom), Pilzerkrankung (Dermatomykose) oder Muskel- und Nervenkrankheiten ausgeschlossen werden.

Therapie

Ausreichend Bewegung und artgerechte Beschäftigung sind mit das beste Mittel gegen die psychogene Leckdermatitis

Am wichtigsten ist es, die Stressursache herauszufinden und zu beseitigen. Eventuell kann hierzu die Einbeziehung eines Hundepsychologen erforderlich werden.

Lokal kommen unterschiedliche kortisonhaltige Salben, Gele oder Lotionen zum Einsatz, eventuell ist das Injizieren eines Depot-Glukokortikoids erforderlich. Je nach Schwere der vorliegenden Hautentzündung ist auch der Einsatz eines hautspezifischen Antibiotikums sinnvoll. Wichtigstes zusätzliches Hilfsmittel ist das Tragen eines Halskragen, der ständig, oft über Wochen bis Monate getragen werden muss, um den Teufelskreis Lecken-Juckreiz-Lecken-Wohlfühlen-Lecken... zu durchbrechen. 

Um die Regeneration von Haut und Haarkleid zu unterstützen und zu beschleunigen, können Nahrungsergänzungsmittel, die hochdosiert ungesättigte Fettsäuren im therapeutisch richtigen Verhältnis enthalten, zum Einsatz kommen (z. B. Viacutan®).
Ist der Stressauslöser nicht herauszubekommen, reagiert der Patient therapieresistent und bringen Ablenkung, Beschäftigung, Umgebungswechsel etc. nicht den gewünschten Erfolg, kann es sogar nötig sein, die Psychose medikamentös mit geeigneten Antidepressiva zu kontrollieren. In schweren Fällen muss die Psychotherapie oft über einen längeren Zeitraum, eventuell sogar lebenslänglich beibehalten werden.

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