Pedikulose – Läuse und Haarlinge beim Hund

Unter Pedikulose versteht man den Befall mit Läusen oder Haarlingen. Beim Hund wird sie durch die Hundelaus – Linognathus setosus – bzw. den Hundehaarling – Trichodectes canis – hervorgerufen. Sowohl Laus als auch Haarling gehören zu den flügellosen Insekten. Charakteristisch ist ihre platte, ovale Körperform. Sie sind gelblich-braun und haben sechs kurze Beine, an deren Enden kräftige Klauen sitzen, um sich an den Haaren des Wirtstiers sicher festhalten zu können. Hundeläuse sind mit einer Länge von 1,5-2mm etwas größer als Hundehaarlinge (1,6-1,9mm). Der hauptsächliche Unterschied besteht darin, dass die Hundelaus stechend-saugende Mundwerkzeuge hat und sich von Blut ernährt, während der Hundehaarling mit seinen beißend-kauenden Mundwerkzeugen von Hautschuppen, abgelösten Haarbestandteilen und aus Bisswunden austretendem Sekret lebt.

Entwicklungszyklus:

Läuse und Haarlinge leben permanent auf ihrem Wirt. Die Weibchen legen beständig länglich ovale und gedeckelte Eier, die sie mit einer wasserunlöslichen Kittsubstanz an den Haaren des Hundes befestigen – man bezeichnet die Eier auch als Nissen. Nach 5-8 Tagen schlüpfen aus den Eiern Larven, die sich über 3 Entwicklungsstadien, jeweils mit Häutung, zum erwachsenen Parasit entwickeln. Die Larvenstadien sehen bereits ähnlich aus wie adulte Laus bzw. Haarling, sind nur etwas kleiner. Der gesamte Entwicklungszyklus dauert etwa 2-4 Wochen. Die Lebensdauer des erwachsenen Parasiten ist mit 6-12 Wochen recht kurz. Sowohl Laus als auch Haarling sind von ihrem Wirt abhängig und überleben ohne Tier nur wenige Tage, max. 2 Wochen, in der Umgebung.

Ansteckung:

Nackthund „Calvin“ hat Glück – bei ihm fühlen sich Laus und Haarling sicherlich nicht sehr wohl, denn sie bevorzugen dichtes Fell und lange Haare.

Hundelaus und Hundehaarling sind streng wirtsspezifisch, d.h. sie kommen in der Regel nur auf Hunden vor und werden nicht auf andere Tierarten oder gar den Mensch übertragen (jede Art hat ihre eigene Laus bzw. Haarling, z.B. Katzenlaus, Federling beim Vogel oder die Menschenläuse (Kopf-, Filz- und Kleiderlaus). Allerdings wechseln sie leicht von Hund zu Hund. Auch über kontaminierte Kämme und Bürsten können sie übertragen werden. In den letzten Jahren ist die Wahrscheinlichkeit einer Pedikulose beim Hund in Deutschland zum Glück stetig zurückgegangen. Doch in Urlaubsgebieten sind immer noch viele Tiere stark verlaust, so dass die Parasiten oft als Urlaubsmitbringsel auftauchen. Meist tritt der Befall bei vernachlässigten und schlecht gepflegten bzw. schlecht gehaltenen Tieren auf. Auch Jungtiere und geschwächte Tiere sind gefährdet. Verfilztes Fell und lange Haare werden von den Parasiten besonders bevorzugt.

Symptome:

Durch das Beißen der Haarlinge und Blutsaugen der Läuse kommt es zu stark juckenden Hautveränderungen. Auch die Mobilität auf dem Tier löst Juckreiz aus. Zusätzlich kann der Lausspeichel allergische Reaktionen verursachen. Die betroffenen Hunde fallen durch Unruhe, Aufregung und Schlaflosigkeit auf, ihr Fell erscheint oft matt, verfilzt und schmutzig. Durch ständiges Kratzen entstehen als Folge entzündliche Hautverletzungen mit Krustenbildung, Alopezie (Haarausfall) bis hin zu bakteriellen Sekundärinfektionen. Besonders bei kleinen und jungen Tieren kann es bei starkem Läusebefall durch den Blutverlust zur Anämie kommen.

Diagnose:

Läuse, Haarlinge und ihre Nissen sind mit bloßem Auge oder mit Hilfe einer Lupe leicht zu sehen. Mittels Klebestreifen können die Parasiten immobilisiert und mikroskopisch untersucht werden. Unterscheiden kann man Laus und Haarling ganz leicht an ihrer Kopfform: während die Laus einen kleinen dreieckigen Kopf hat, der kleiner als ihr Brustkorb ist, hat der Haarling einen großen rundlichen, breiter als langen Kopf, der breiter als sein Brustkorb ist. Der Hinterleib ist bei beiden breit und oval.

Therapie:

Läuse und Haarlinge können am effektivsten mit einem entsprechenden insektizidhaltigen Bad oder durch Sprühbehandlung bekämpft werden. Auch Puder, Halsbänder oder Spot-on-Präparate stehen zur Verfügung. Wichtig ist, die Behandlung mindestens einmal nach 1-2 Wochen zu wiederholen, da die Eier der Parasiten meist nicht ausreichend abgetötet werden. Die nachschlüpfenden Larven werden dann durch die folgenden Insektizidanwendungen wirkungsvoll beseitigt. Vor allem langhaarige Hunde brauchen eine besonders gründliche Behandlung. Es sollten immer alle Hunde, die im Haushalt leben, behandelt werden. Eine spezielle Umgebungsbehandlung ist normalerweise nicht nötig, da die Parasiten ohne direkten Wirtkontakt nur kurze Zeit überleben. Wichtig ist aber, Körbchen, Schlafdecke, alle Lieblingsplätze, Bürsten und Kämme des Hundes entsprechend zu desinfizieren, um Reinfektionen zu vermeiden.
Zusätzlich kann der Tierarzt ein juckreizstillendes Medikament spritzen und wenn nötig, die bakterielle Sekundärinfektion mit entsprechender Antibiotikumgabe therapieren.
Von "innen" unterstützen kann man die Therapie durch die Gabe essentieller Fettsäuren. Sie kommen hochdosiert in speziellen Nahrungsergänzungsmitteln vor (z. B. Viacutan®) und zeichnen sich durch ihren positiven Einfluss auf die Heilung von Hautproblemen und die Regeneration von Haut und Haarkleid aus.

Prophylaxe:

In der Regel reicht das Fernhalten von verwahrlosten Hunden und regelmäßige Fellpflege beim eigenen Tier als Prophylaxe aus.

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