Op-methoden bei hüftgelenksdysplasie beim Hund

Das Hüftgelenk wird gebildet durch den kugeligen Oberschenkelkopf und die Gelenkpfanne des Beckenknochens, wobei Kugel und Pfanne im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos ineinander passen müssen. Eine zu flache oder ungenügend ausgebildete Pfanne oder ein deformierter oder falsch gewinkelter Oberschenkelkopf führen jedoch dazu, dass sich die Kugel nicht in einer sie fest umschließenden Schale bewegt, sondern in einer viel zu großen Mulde mit viel zu viel Bewegungsspielraum umherrutscht. Diese Fehlentwicklung des Hüftgelenks (Dysplasie) führt nun dazu, dass der Oberschenkelkopf subluxiert oder luxiert. Durch die Fehlbelastung kommt es zu degenerative Veränderungen am Gelenkknorpel. Außerdem können Kapselentzündungen und Knochenwucherungen entstehen, so dass sich das Leiden zunehmend verstärkt. Als Folge des fortschreitenden, starken Verschleißes des Gelenks entsteht eine schmerzhafte Arthrose im Hüftgelenk, die Coxarthrose. Immer wieder tritt ein akuter Schub mit Lahmheit auf, besonders nach übermäßiger Belastung. Ebenfalls typische Symptome für eine Hüftgelenksdysplasie (HD) sind Bewegungsunlust, Schwierigkeiten beim Aufstehen und bei länger bestehenden Beschwerden Abbau der Becken- und Oberschenkelmuskulatur (Muskelatrophie). Von der Hüftgelenksdysplasie sind vor allem die großen Hunderassen betroffen.Falls eine Operation notwendig wird, stehen verschiedene OP-Methoden zur Verfügung, die je nach Befund, persönlicher Daten des Tiers und individueller Situation gezielt ausgewählt werden sollten.

Ziel ist dabei immer, dem Patienten ein möglichst schmerz- und lahmheitsfreies Hundeleben zu ermöglichen!

Pectinektomie - Muskeldurchtrennung des Musculus pectineus:

Der Musculus pectineus sitzt an der Innenseite des Oberschenkels und gehört zu den Muskeln, die den Oberschenkel nach innen heranziehen. Durchtrennt man diesen Muskel bzw. entnimmt ihn ganz, wird die Zugkraft der übrigen innen sitzenden Muskeln kleiner. Die Muskeln an der Außenseite können dadurch den Oberschenkel leichter und stärker nach außen ziehen. Durch diese Kräfteverschiebung wird der Oberschenkelkopf tiefer in die Gelenkpfanne gedrückt, kann nicht mehr so leicht aus der Pfanne rutschen und das Hüftgelenk somit stabilisiert. Diese Operationstechnik eignet sich sowohl bei jungen als auch bei älteren Tieren mit HD unterschiedlichen Grades.

Denervation – Nervendurchtrennung:

Die gesamte Gelenkkapsel, die das Hüftgelenk umgibt, ist von feinen Nervenästen durchzogen, die die Schmerzempfindung zu den großen Nervenbahnen weiterleiten. Bei der Denervation werden diese kleinen Nerven chirurgisch durchtrennt, so daß der Patient weniger Schmerzen im Hüftgelenk verspürt. Der Nachteil dieser OP-Methode ist, daß sich im Laufe der Zeit neue Nervenäste ausbilden können, die den Schmerz wieder weiterleiten. So kann das Schmerzempfinden nach mehreren Jahren wiederkommen. Großer Vorteil dieser wenig invasiven Methode ist hingegen, daß das Risko möglicher Komplikationen und die OP-Kosten deutlich geringer sind als bei anderen OP-Techniken. Auch diese OP-Methode kann bei Hunden unterschiedlichen Alters und HD-Stärke durchgeführt werden. Sie wird nicht selten mit der Pectinektomie kombiniert (PIN-OP).

Kapselraffung:

Hierbei wird die Gelenkkapsel des Hüftgelenks chirurgisch gestrafft, wodurch die Subluxation des Oberschenkelkopfes und damit ein Fortschreiten der Erkrankung verhindert wird. Die Operation ist nur bei jungen Tieren sinnvoll, wenn noch keine deutlichen Abnutzungserscheinungen aufgetreten sind.

Beckenspanplastik:

Ziel dieser OP ist es, das Pfannendach zu „verlängern“, so dass ein Herausrutschen des Oberschenkelkopfs aus der Gelenkpfanne verhindert wird. Dafür entnimmt man aus dem Becken ein Knochenstück und befestigt es seitlich am Hüftgelenk.

Zugstabilisierungsoperation:

Bei der Zugstabilisierungs-OP verhindert man das Herausrutschen des Oberschenkelkopfes durch das Einsetzen von Kunststoffbänder, die am Becken und am Oberschenkel fixiert werden. Der Oberschenkelkopf wird dadurch in seiner Lage stabilisiert und der Verschleiß des Hüftgelenks stark reduziert. Diese OP-Methode kommt vor allem bei Hunden zum Einsatz, deren Hüftgelenke nicht mehr gut genug sind, um eine TPO durchzuführen, aber noch zu gut, um sich für die Femurkopfresektion zu entscheiden.

Femurkopfresektion - Entfernung des Oberschenkelkopfes:

Bei diesem Eingriff werden der Gelenkkopf des Oberschenkelknochens samt seinem Hals abgesägt, so daß durch die Fehlfunktion des kranken Gelenks keine Schmerzen mehr verursacht werden können. Innerhalb von 6-8 Wochen füllt der Körper diese Lücke durch ein bindegewebiges „Ersatzgelenk“, mit dem die Tiere wieder normal beansprucht werden können. Damit dieses straffe Bindegewebe möglichst schnell gebildet wird und so ein funktionierendes Ersatzgelenk entstehen kann, ist Bewegung als stimulierender Reiz notwendig. Je schneller der Patient nach der OP wieder aktiv wird und je mehr er sich bewegt, desto besser. Bewährt hat sich daher gezielte Physiotherapie in der Anfangsphase.

TPO (Triple Pelvic Osteotomie) – Pfannendachschwenkung:

Diese sehr aufwendige Operationsmethode setzt voraus, daß noch keine arthrotischen Veränderungen in den Hüftgelenken vorliegen. Sie wird daher bei entsprechenden Voraussetzungen nur bei Jungtieren innerhalb des ersten Lebensjahres durchgeführt. Bei der TPO wird das Becken vorsichtig an 3 Stellen (Darmbein, Sitzbein, Schambein) durchsägt. Dadurch kann die Hüftpfanne so gedreht werden, daß das Pfannendach den Oberschenkelkopf nun genügend überdacht und ihm so den nötigen Halt gibt. Die durchsägten Stellen werden mit speziell dafür entwickelten Stahlplatten überbrückt, deren Form und Winkelung die bessere Überdachung des Oberschenkelkopfes gewährleistet. Die Pfannendachschwenkung ist zwar die aufwendigste OP-Technik zur Stabilisierung eines lockeren Hüftgelenks, aber auch die biomechanisch beste Methode – einem fortschreitenden Verschleiß des Hüftgelenks wird damit weitgehend vorgebeugt.

Künstliches Hüftgelenk:

Bei einer arthrotisch bereits stark veränderten Hüfte mit entsprechenden Schmerzen, bleibt wie bei uns Menschen oft nur das künstliche Hüftgelenk. Beim Einsatz künstlicher Hüftgelenke werden die veränderten und schmerzenden Hüftgelenksanteile entfernt und durch entsprechende Prothesen ersetzt. Der Oberschenkelkopf wird hierzu abgesägt und gegen einen Titanschaft mit Kopf ausgetauscht, die Hüftpfanne ausgefräst und dafür eine künstliche Pfanne eingesetzt. Man unterscheidet hierbei zwei unterschiedliche Verfahren, um die künstlichen Hüftgelenke zu befestigen: die zementlose Hüfte (hier werden die Prothesen mit Druck eingesetzt bzw. mit Schrauben fixiert) und die zementierte Hüfte (hier erfolgt die Fixierung der neuen Gelenkteile mit Knochenzement). Zwar ist das künstliche Hüftgelenk die teuerste OP-Methode, stellt aber gleichzeitig auch die perfekteste Versorgung einer bereits arthrotisch veränderten Hüfte dar.

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