Narkose für den hund trotz alter?

Jede Narkose birgt Risiken, daher ist eine gute Narkosevorbereitung gerade beim älteren Tier so wichtig!

Außer uns Menschen werden auch unsere Vierbeiner immer älter und die medizinischen Möglichkeiten immer größer. Aber können Narkosen auch im Alter sicher und schonend sein? Narkose im Alter – davor haben viele besorgte Tierbesitzer Angst.

Alter ist zwar keine Krankheit, dennoch verändert sich mit zunehmendem Alter im Körper einiges, was bei einer Narkose unbedingt beachtet und eingeplant werden sollte. Altersbedingte Organveränderungen oder sogar -funktionsstörungen führen zu einer anderen Pharmakokinetik, d.h. die Aufnahme eines Arzneistoffes, seine Verteilung im Körper, der biochemische Um- und Abbau sowie die Ausscheidung verändern sich. Das Gleiche gilt für diePharmakodynamik, d.h. die Arzneimittelwirkung, worunter neben der erwünschten Wirkung auch die unerwünschten Nebenwirkungen und toxischen Effekte fallen.

Die Geriatrie befasst sich mit den Krankheiten des alternden Tieres, der Altersmedizin. Aber wann ist ein Patient geriatrisch? Als Richtlinie gilt, dass ein Hund mit Erreichen von 75 – 80% seiner durchschnittlichen, rassespezifischen Lebenserwartung als geriatrisch einzustufen ist. Je nach Rasse werden unsere Hunde also mit ca.. 8-10 Jahren zu geriatrischen Patienten, die bei Narkosen besondere Aufmerksamkeit brauchen.


Häufige Organveränderungen im Alter und ihre Folgen:

Herz/Kreislauf: Beim älteren Tier kommt es häufig zu Insuffizienzen der Herzklappen oder zu Herzmuskelerkrankungen, wodurch Herzarbeit und Sauerstoffverbrauch erhöht werden. Das Herz wird dadurch anfälliger für Sauerstoffmangelsituationen und Herzrhythmusstörungen. Zusammen mit niedrigem Blutdruck und reduziertem Blutvolumen kommt es zu einer verlängerten Kreislaufzeit, d.h. die Organdurchblutung verringert sich, wodurch sich die Aufnahme der Narkosemittel im Körper, ihr Abbau und ihre Ausscheidung verlängern. Dies macht eine Reduzierung der Narkosemitteldosis und die Gewährleistung einer ausreichenden Sauerstoffversorgung unbedingt notwendig.

Lunge: Im Alter nimmt die Elastizität der Lunge ab und es verbleibt dadurch nach dem Ausatmen mehr Restluft in der Lunge. Als Folge sinkt die Sauerstoffkonzentration im Blut, während der Kohlenstoffdioxidgehalt im Blut steigt. Schnell kann es dadurch zu einem lebensbedrohlichen Sauerstoffdefizit kommen. Vorsicht heißt es hier mit Narkosemitteln die zusätzlich atemdepressiv wirken. Das Defizit der Lunge muss durch Sauerstoffgabe während der Narkose ausgeglichen werden

Leber/Nieren: Auch die Funktion von Leber und Nieren lässt mit dem Alter nach. So haben 15-25 % der geriatrischen Tiere eine Niereninsuffizienz, wodurch die Ausscheidung von Arzneistoffen und sonstigen Abbauprodukten über die Nieren reduziert wird und es zur Anreicherung im Blut kommen kann. Auch das Nachlassen der Leberfunktion als Abbauort von Arzneistoffen verzögert die Ausscheidung der Narkosemittel aus dem Körper. Auch hier gilt daher, Reduktion der Narkosemitteldosis und gegebenenfalls Auswahl leberschonender Anästhetika, um Narkosezwischenfälle und verlängerte Aufwachphasen zu vermeiden.

Anästhesie-Vorsorgeuntersuchung:

Eine gründliche Vorsorgeuntersuchung ist vor jeder Narkose ganz wichtig – beim älteren Tier aber unabdingbar! Ihr Tierarzt wird hierzu Ihren Vierbeiner gründlich untersuchen und einen ausführlichen Vorbericht (Anamnese) erstellen. Im Vorbericht werden eventuell bestehende Gesundheitsprobleme, die aktuelle Medikamentengabe, Freß- und Trinkverhalten, Leistungsminderung bzw.. Konditionsschwäche und sonstige Veränderungen oder Auffälligkeiten erfasst. Darüber hinaus sollte eine präanästhetische Blutuntersuchung erfolgen und bei Bedarf weiterführende klinische Untersuchungen (z.B.. Röntgen, Ultraschall) gemacht werden.

Narkosevorbereitung:

Beim älteren Patienten müssen Eingriffe in Narkose besonders gut geplant und vorbereitet werden, um die Narkosedauer für das Tier so kurz wie möglich zu halten.
Bei der Auswahl der Narkosemittel müssen neben dem Alter auch die Ergebnisse der Blutuntersuchung (v.a. Leber- und Nierenwerte), die Verträglichkeit mit verabreichten Medikamenten (z.B.. Herzpräparate) und individuelle Besonderheiten berücksichtigt werden.

Vorsichtsmaßnahmen:

Dosisreduktion: Beim geriatrischen Patienten gilt Dosisreduktion der Narkosemittel um ein Drittel bis zur Hälfte. Zusätzlich müssen natürlich für ältere Tiere oder Risikopatienten geeignete Präparate eingesetzt werden.

Intubation und Sauerstoffgabe: Zur Sicherheit sollte ein Tubus gelegt werden, um jederzeit künstlich beatmen zu können. Außerdem ist so die Versorgung mit reinem Sauerstoff während der Narkose möglich, was das Narkoserisiko deutlich senkt.

Inhalationsnarkose: Eine Inhalationsnarkose zur Narkoseerhaltung ist v. a. beim älteren Tier der Injektionsnarkose immer vorzuziehen, da Narkosetiefe und -dauer hier am sichersten gesteuert werden können.

Infusion: Kontrollierte Infusionstherapie hilft den Kreislauf zu stabilisieren und die Nierenfunktion optimal zu unterstützen.

Intra- und postoperative Überwachung: Mangelhafte Narkoseüberwachung ist die häufigste Ursache tödlicher Narkosezwischenfälle – besonders beim Risikopatienten sollte diese daher äußerst gründlich und am besten maschinell erfolgen. Moderne Überwachungsgeräte ermitteln hierbei permanent die Kohlendioxidkonzentration in der Ausatemluft, die Sauerstoffsättigung im Blut und die Pulsfrequenz. Gegebenenfalls kann auch die Überwachung mittels EKG und Blutdruckmessung sinnvoll sein. Eine sorgfältige Überwachung muss auch in der Aufwachphase gewährleistet sein. Das Aufwachen in einer sogenannten Sauerstoffbox hilft bei Bedarf einen Sauerstoffmangel zu vermeiden bzw.. ihn auszugleichen und die Aufwachphase zu verkürzen.

Entlassung: Narkosepatienten sollten in tierärztlicher Obhut aufwachen und in der Tierstation gründlich ausschlafen und regenerieren können. Nur vollständig erwachte und stabile Tiere dürfen entlassen werden.

Bei jeder Narkose besteht ein Narkoserisiko – das gilt auch für junge Vierbeiner. Aber Dank moderner Medizin ist es heutzutage möglich, das Narkoserisiko besser einzuschätzen und zu minimieren. Bei den meisten geriatrischen Patienten sind so schonende und sichere Narkosen möglich. Ihr Tierarzt berät Sie gerne!

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