Myiasis – Fliegenmadenbefall beim Haustier

Fliegenmadenbefall beim Haustier – kein schönes Thema, aber da leider jedes Jahr wieder geliebte
Vierbeiner Opfer der heimtükischen Erkrankung „Myiasis“ werden, sollten Tierbesitzer die Augen vor dieser Gefahr nicht verschließen, sondern die wichtigsten Fakten und Vorbeugungsmaßnahmen zu dem Thema kennen.


Als Myiasis oder Fliegenmadenkrankheit bezeichnet man den Befall mit den Larven (Maden) von Fliegen. Die Maden wandern dabei zerstörerisch ins Körpergewebe des Wirtes ein und ernähren sich davon. Beim Menschen kommt die Erkrankung normalerweise nur in Mittel- und Südamerika sowie in Regionen mit tropischem oder subtropischem Klima vor. In der Tiermedizin hingegen tritt sie auch häufiger bei uns in Europa auf, besonders in den warmen Sommermonaten. Betroffen sind vor allem stark geschwächte oder erkrankte Tiere, die nicht in der Lage sind sich selbst zu putzen. Unzureichende hygienische Bedingungen begünstigen einen Madenbefall.
Einen derartigen Madenbefall können zwei Fliegenarten auslösen – die Schmeißfliegen und die Fleischfliegen.
Schmeißfliegen haben einen kompakten Körper, der meist metallisch blau oder grün bis goldgrün glänzend schillert. Die Größe der Tiere variiert stark und kann bis zu 1,8 cm betragen.
Fleischfliegen hingegen sind grau oder schwarz und haben häufig schachbrettartige Zeichnungen auf dem Hinterleib, während der Brustbereich eine dunkle Längsstreifung zeigt. Sie können Körpergrößen von bis zu 1,5 cm erreichen.

Ursachen für Madenbefall

Besonders gefährdet sind unsere kleinen Haustiere wie Kaninchen und Meerschweinchen, da sie sich nicht so gut bemerkbar machen können und wir sie auch nicht so intensiv beobachten bzw. meist nicht so eng mit ihnen zusammenleben wie mit unseren Hunden und Katzen.

Angelockt werden die Fliegen durch verschmutzte Käfigeinstreu, Biotonnen, Komposthaufen und verunreinigte Tiere selbst. Die Fliegen legen ihre Eier bevorzugt in kleine Verletzungen, offene Wunden, aber auch auf kotverschmierte oder durch Urin feuchte Hautbezirke ihrer Opfer ab. Je nach Temperatur schlüpfen aus den reiskornähnlichen Eiern bereits nach wenigen Stunden (!!!) die knapp 1cm großen Maden, die aktiv in die Haut des Tieres eindringen. Besonders häufig betroffen sind verwahrloste, in durchnässter Einstreu gehaltene oder verletzte Kaninchen oder auch Meerschweinchen. Aber auch Tiere, die an Durchfall oder Harnwegsinfektionen leiden oder aus sonstigen Gründen einen verschmutzten Pobereich haben, werden leicht Opfer von Fliegenmaden. Anfällig sind auch fettleibige Tiere, Tiere mit Zahnfehlstellungen oder Tiere mit Wirbelsäulenerkrankungen bzw. Arthrosen oder Lähmungserscheinungen, da sie dadurch bei der Fellpflege gehandicapt und oft nicht in der Lage sind, vor allem die Analregion sauber zu halten und sich gegen die Fliegen zu wehren.

Klinisches Bild

Die geschlüpften Larven ernähren sich während ihrer Weiterentwicklung vom Wirtsgewebe und verursachen dabei die Myiasis – es kommt zur Zerstörung des Gewebes (Nekrosen) und zu schweren bakteriellen Sekundärinfektionen. Im weiteren Verlauf weicht das Gewebe immer mehr auf, Fisteln und Geschwüre bilden sich und ein fauler Geruch ist typisch. Die große Anzahl der Maden frisst sich immer weiter in Haut- und Muskelgewebe rein und kann so je nach Lokalisation sogar in Brust-, Bauch- oder Beckenhöhle eindringen. Bakterielle Giftstoffe können zusätzlich zur Toxämie (Blutvergiftung) mit entsprechend gestörtem Allgemeinbefinden führen. Apathie und Nahrungsverweigerung sind hier typische Symptome. Letztendlich kann unbehandelter Madenbefall in kurzer Zeit den Tod des Tieres verursachen.

Diagnose

Das Auffinden von Larven ist eindeutig.

Therapie

Zuerst werden die betroffenen Stellen großflächig geschoren und alle Maden müssen entfernt werden. Im nächsten Schritt werden die Wunden sorgfältig gespült und desinfiziert. Bei mildem Verlauf reicht es normalerweise, die infizierten Bezirke nach der täglichen Wundtoilette mit einer lokalen Wundbehandlung (antibiotische und wundheilungsfördernde Salben oder Gels) zu versorgen. Bei schlimmer Myiasis ist dagegen meist auch die Gabe eines Antibiotikums in Form von Spritzen oder Tabletten notwendig, evtl. sogar die chirurgische Wundversorgung. Ist zusätzlich das Allgemeinbefinden gestört, muss auch entsprechend der Symptome behandelt werden.
Je nach Schweregrad der vorhandenen Zerstörung und den Allgemeinsymptomen - besonders wenn die Maden bereits tief in die Muskulatur oder sogar Bauch- oder Brusthöhle eingedrungen sind - bleibt oft nur, das arme Tier von seinen Leiden zu erlösen.

Prophylaxe

Wichtig!!! - Wenn Sie ohne Ihren Vierbeiner in Urlaub fahren, muss auch Ihr Tiersitter unbedingt über die tägliche Kontrolle Bescheid wissen!

Besonders in den warmen Sommermonaten sollte bei unseren Haustieren sorgfältig auf Wunden und Verletzungen geachtet werden. Dies gilt auch für z.B. OP-Wunden, die unter einem Verband liegen. Auch die nötige Körperhygiene ist wichtig, damit beispielsweise kotverschmutztes Fell (passiert bei Durchfall oder wolligen Langhaarrassen leicht), feuchte Ekzeme (z.B. an Lefzen oder in Hautfalten) oder auch entsprechende Analbeutelprobleme keine Fliegen anlocken können. Vor allem bei Tieren, die im Freien bzw. Zwinger oder im Außenkäfig gehalten werden, ist die tägliche Kontrolle ein Muss!!! Bei Kaninchen, Meerschweinchen u.ä. kontrolliert man am besten zweimal täglich, denn sie sind besonders gefährdet. Tiere unbedingt genauestens anschauen, besonderes Augenmerk ist der Poregion und tiefen Hautfalten zu widmen. Auch langhaarige Tierrassen müssen besonders sorgfältig kontrolliert werden, denn in dem dichten Fell können die heimtückischen Parasiten leichter unbemerkt ihr Unheil anrichten. Darüber hinaus sollten die Ställe der Tiere bei Hitze häufiger als normal sauber gemacht werden – verschmutzte Einstreu ist täglich zu entfernen. Gegebenenfalls ist ein Fliegenschutz in Form von Fliegengittern, Fliegenstrips oder Spot-on-Präparaten sinnvoll.
Madenbefall ist grausam und durch die Schnelle des Verlaufs besonders heimtückisch - schützen Sie deshalb Ihr Tier konsequent und sorgsam, damit ihm dieses Elend erspart bleibt!

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