mammatumore bei der hündin

Bei älteren Hündinnen (ca. ab dem 6. Lebensjahr) kann es passieren, daß man beim Streicheln oder der Fellpflege plötzlich Knoten im Bereich des Gesäuges (Mamma, Milchleiste) tastet. Besonders häufig treten diese Knoten im hinteren Bereich des Gesäuges auf. In den meisten Fällen handelt es sich bei diesen Knoten um bös- oder gutartige Tumore der Milchdrüse.

Kurz nach der großen Tumor-OP ist die 13-jährige Huskyhündin "Effi" noch sehr müde, aber es wird nicht lange dauern, bis sie ihr wohlverdientes Rentnerdasein wieder unbeschwert genießen kann.

Sollten sie irgendwelche Knötchen oder gar größere Knoten fühlen, ist es ratsam, die Hündin möglichst bald beim Tierarzt vorzustellen.

Die Therapie der Wahl ist die chirurgische Entfernung des Tumors, möglichst in einem noch sehr kleinen Wachstumsstadium. In der Regel wird der Tierarzt die gesamte betroffene Milchleiste operativ entfernen, da der Tumor bei der Entfernung nur eines Drüsenkomplexes sehr häufig innerhalb kurzer Zeit in einem benachbarten Komplex erneut auftritt. Eine pathologische Untersuchung des Tumors ist immer empfehlenswert, da diese Aufschluß über die Tumorart gibt und wichtig für die weitere Prognose des Krankheitsverlaufs und der weiterführenden Therapie ist (z.B. zusätzlich Chemotherapie oder Bestrahlung). Vor der Operation sollte, vor allem bei alten Hündinnen, der gesundheitliche Status mittels eines Blutbildes überprüft werden. Auch eine Röntgenaufnahme zur Kontrolle der Lunge ist wichtig, da viele Tumorarten zur Metastasierung (Streuung des Tumorgewebes in andere Organe) neigen. Im Fall einer nachweisbaren Streuung in die Lunge oder andere Organe wäre der Erfolg einer Operation leider sehr fragwürdig.

Nicht unterschätzen darf man auch den negativen Einfluß eines Gesäugetumors auf das Allgemeinbefinden der Hündin. Bei Tumoren, die kokosnussgroß sind, kann man sich leicht vorstellen, daß die Lebensqualität der Hündin stark abnimmt, doch selbst kleine Tumoren scheinen das Allgemeinbefinden zu stören. So erlebt man es in der Praxis immer wieder, daß Tierbesitzer ihrer Hündin ob ihres Alters (10 Jahre und älter), des eventuell schlechteren Allgemeinbefindens (z. B. Herzpatient) oder ob des nur kleinen Tumors diesen großen Eingriff ersparen wollen. Ändern sie aber ihre Meinung oder machen Komplikationen wie schnelles Wachstum oder Ulzerieren (Aufbrechen und Fisteln) des Tumors den Eingriff unumgänglich, berichten sie im Anschluß, die Hündin sei plötzlich wieder lebhaft, wie schon lange nicht mehr. So kann in der Regel immer zu einer frühzeitigen, radikalen (komplette Gesäugeleiste) OP geraten werden kann

Tumorprophyllaxe

Man weiß, dass das Gesäuge während des normalen Sexualzyklus der Hündin durch ein komplexes Mosaik von verschiedenen Hormonen beeinflußt wird. Die gleichen Mechanismen sind auch bei der Entstehung von Tumoren wirksam. Im Drüsengewebe sind sehr viele Rezeptoren für diese Geschlechtshormone vorhanden. Besonders die hinteren Gesäugekomplexe werden während des Zyklus der Hündin Umbauprozessen unterworfen, daher vermutet man, daß ihre höhere Tumoranfälligkeit gegenüber den vorderen auf der Wirkung dieser Hormone basiert. Weiterhin weiß man, daß für die Entstehung eines Mammatumors multifaktorielle Gründe wie z. B. die Ernährung, Umwelteinflüsse, immunologische Faktoren oder genetische Prädisposition verantwortlich sind.

Einflußfaktoren auf die Gesäugetumorentstehung

Kastration

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, daß der Zeitpunkt der Kastration Einfluß auf die Entstehung von Mammatumoren hat. Eine Hündin, die vor dem 1. Östrus (Läufigkeit) kastriert wird, hat eine Inzidenzrate (Tumorrisiko) von nur ca. 0,5 %. Wird nach der 1. Hitze kastriert, steigt die Inzidenz auf 8 %, kastriert man erst nach der 2. Hitze steigt das Tumorrisiko auf 26 %. Wird die Hündin erst im Alter von 2,5 Jahren oder später kastriert, hat die Kastration keinen schützenden Einfluß mehr auf die Bildung von Mammatumoren. Auch bei bereits bestehenden Tumoren kann die Kastration das Tumorwachstum nicht mehr beeinflussen. Untersuchungsergebnisse zeigen, daß bei unkastrierten Hündinnen Mammatumoren 2,5 bis 4 mal häufiger auftreten als bei kastrierten.

Läufigkeitsunterdrückungen

Die hormonelle Läufigkeitsunterdrückung mit Progeste-ronpräparaten kann in Abhängigkeit vom Wirkstoff und der Behandlungsdauer Mammatumoren induzieren. Vor- und Nachteil einer solchen Läufigkeitsunterdrückung sind deshalb gut abzuwägen.

Zyklusprobleme & Scheinträchtigkeit

Hündinnen mit Läufigkeitsunregelmäßigkeiten oder der Neigung zur Scheinträchtigkeit zeigen kein häufigeres Auftreten von Mammatumoren als Hündinnen mit einem regelmäßigen, unproblematischen Zyklus. Allerdings wird ein Zusammenhang von Erkrankungen des Geschlechtsapparates, wie z. B. Eierstockszysten, persistierende Gelbkörper, Hyperplasie (Wucherung) der Gebärmutterschleimhaut, und der Entstehung von Mammatumoren gesehen. Neuste Studien haben gezeigt, dass 27 % der Hündinnen mit Gesäugetumoren auch an pathologischen Veränderungen des Geschlechtsapparates leiden. Möglicherweise ist der Prozentsatz in der Praxis sogar noch höher, da nicht automatisch alle Hündinnen mit Mammatumoren auch kastriert und somit überprüft werden.

Trächtigkeit

Eine Trächtigkeit scheint das Risiko von Gesäugetumoren im Alter minimal zu reduzieren

Hormontherapien bei Mammatumoren

Aus der Humanmedizin ist bekannt, dass durch den Einsatz von sogenannten Anti-Hormonen, wie dem Tamoxifen, Mammatumore zurückgedrängt werden können. Bei der Frau treten Mammatumoren aber in der Regel solitär (einzeln) auf und zeigen eine gleichmäßige Verteilung von Östrogen- und Progesteronrezeptoren. Bei der Hündin treten die Tumoren dagegen multipel (mehrfach) auf und die Rezeptorverteilung innerhalb der Tumoren variiert sehr stark Der Erfolg einer solchen Anti-Hormontherapie ist deshalb bei der Hündin fraglich, da bei angemessener Dosierung des Medikamentes nicht alle Tumorgebiete gleichermaßen erreicht werden.

Die sicherste Vorbeugung von Mammatumoren im Alter ist sicherlich die frühe Kastration der Hündin. Gleichzeitig beugt man hiermit ungewollten Trächtigkeiten und einer möglichen Gebärmuttervereiterung, für die die Hündin leider recht anfällig ist, vor. Sollte ihre Hündin nicht kastriert sein, lassen sie sich von ihrem Tierarzt zeigen, wie sie selbst das Gesäuge ihrer Hündin regelmäßig untersuchen können. Die routinemäßige Gesäugekontrolle durch den Tierarzt beim jährlichen Impfbesuch kann je nach Tumorart nämlich zu wenig sein.

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