carpus valgus, radius curvus, Short-ulna-Syndrom 

(Krankheitsbild: Verbiegung der Unterarme, Pfotenstellung nach außen)

Typisch für das Krankheitsbild Carpus valgus ist die auffällige Auswärtsdrehung der unteren Vordergliedmaße.
Typisch für das Krankheitsbild Carpus valgus ist die auffällige Auswärtsdrehung der unteren Vordergliedmaße.


Röhrenknochen bestehen aus einem Mittelstück, dem Knochenschaft (Diaphyse), und den Gelenkenden (Epiphyse). Zwischen Mittelstück und Gelenkende liegt die sogenannte Wachstumszone, die Epiphysenfuge. Diese bei Jungtieren knorpelige Wachstumszone ist durch die Bildung von Knochengewebe für das Längenwachstums des Knochens verantwortlich, ferner wird hier auch der Gelenkknorpel gebildet. Im Normalfall schließt sich diese Wachstumszone mit fortschreitendem Alter des Tiers und verknöchert, so dass Epiphyse und Diaphyse miteinander verschmelzen – das Knochenwachstum ist beendet. Leider kann es aber auch zum vorzeitigen Epiphysenverschluß mit den entsprechenden Wachstumsstörungen und ihren Folgen kommen.

 Durch den vorzeitigen Verschluß der unteren Wachstumsfuge der Ulna (= Elle, bildet zusammen mit der Speiche den „Unterarm“) entsteht das Krankheitsbild Carpus valgus, Radius curvus bzw. Short-Ulna-Syndrom.


Vorkommen

Die Erkrankung tritt gehäuft bei großen, schnell wachsenden Rassen wie der Deutschen Dogge oder dem Irischen Wolfshund auf. In Verbindung mit einer Subluxation des Ellenbogens findet man sie ab dem 5. Lebensmonat vermehrt beim Basset.

Krankheitsbild

Durch ein verzögertes oder unzureichendes Wachstum der unteren Wachstumsfuge der Elle, die für ca. 85% des Längenwachstums dieses Knochens verantwortlich ist, verkürzt sich die Elle. Da die danebenliegende Speiche (Radius) aber normal weiterwächst, wird sie zunächst wie eine Bogensehne gebogen (Radius curvus). Schließlich verbiegt sich der gesamte Unterarm und es kommt zur Pfotenstellung nach außen (Carpus valgus). Bei starker Ausprägung der Erkrankung ist der Druck der Speiche auf den Oberarmknochen dabei so groß, dass es zur Subluxation des Ellenbogengelenks kommt. Durch die entstehende Inkongruenz der Gelenkflächen haben die Tiere Schmerzen und gehen lahm.

Ursachen der Erkrankung

Meistens ist die herabgesetzte Wachstumsintensität der Ulna traumatisch durch Wachstumsfugenstauchung oder chronische Überlastung bedingt. Genetische Ursachen sind hingegen seltener. Begünstigend wirken sich Überfütterung und unkontrollierte, übermäßige Aktivität in der sensiblen Wachstumsphase auf den vorzeitigen Epiphysenverschluß aus. 

Diagnostik

Die betroffenen Tiere zeigen eine auffällige Auswärtsdrehung des unteren Gliedmaßenbereichs, lahmen auf der betroffenen Gliedmaße und sind schmerzhaft im Ellenbogenbereich. Gesichert wird die Diagnose dann durch entsprechende Röntgenbilder.

Therapie

Als Therapie, möglichst noch in der Wachstumsphase, steht die chirurgische Längen- und Achsenkorrektur an. Welche der unterschiedlichen, aufwendigen Operationstechniken dabei angewandt wird, richtet sich vor allem danach, ob sich der Patient noch im Wachstum befindet, ob die Wachstumsfuge noch offen oder bereits geschlossen ist und in welcher Stärke die Gliedmaßenverkürzung vorliegt. 

Prognose

Die Prognose ist nach erfolgter chirurgischer Korrektur gut, sofern es im Ellenbogen- und Karpalgelenk (= Vorderfußwurzelgelenk, „Handgelenk“) noch nicht zur Arthrosebildung gekommen ist. Ohne Korrektur ist die Prognose hingegen durch die fortschreitende Schädigung der betroffenen Gelenke vorsichtig zu stellen. 

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