kastration des rüden

Im Alter von ungefähr 9 Monaten beginnen Rüden geschlechtsreif zu werden. Man erkennt das "Erwachsenwerden" gut daran, dass die Tiere anfangen beim Harnabsatz das Bein zu heben und immer häufiger zu markieren. Aber nur wenige Rüden werden zur Zucht verwendet. Den anderen wird wie selbstverständlich ein Leben in Keuschheit abverlangt. Besonders in Gegenden mit vielen Hündinnen, die abwechselnd läufig werden, wird der Geschlechtstrieb der Rüden stark stimuliert, was nicht selten triebbedingte Frustration zur Folge hat. Viele, vor allem junge Rüden, versuchen ihren Trieb mit Deckversuchen an Personen und Gegenständen zu befriedigen, die Tiere werden von Unruhe und Nervosität geplagt, streunen, entwickeln Zerstörungswut und legen vermehrte Aggressivität an den Tag. Nicht selten verweigern die Rüden vor Unruhe das Futter und lecken sich vermehrt, bis schlimme Leckekzeme an den Pfoten oder den Hoden entstehen.

Kastration Rüde
Zuchtrüde "Balto" hat Glück! Dem Samojedenrüden bereiten "heiße" Hundedamen keine schlaflosen Nächte.

Streuner, die völlig kopflos hinter dem "Duft der Hündinnen" her sind, laufen Gefahr unter einem Auto zu enden, denn in diesem Zustand zählt keine Vorsicht mehr, sondern nur noch das "heiße" Weibchen. Für diesen Trieb wird bei verschlossener Haustür sogar aus dem Fenster gesprungen, "heulend" die Nacht verbracht und bei jedem Wetter stundenlang vor dem Haus der Angebeteten verharrt. Einige Rüden leiden so sehr unter ihrer Hypersexualität, dass es zur schmerzhaften Prostataentzündung oder sogar zu hormonell bedingten epileptischen Anfällen kommt. Um solch quälerischen Triebstau zu vermeiden, empfiehlt sich die Kastration.

Viele Vorurteile werden dagegen geäußert, weil dieser Eingriff "vermenschlicht" gesehen wird. Dagegen steht die positive Meinung namhafter Hundepsychologen und Mediziner. Dem Rüden entstehen durch die Kastration keine gesundheitlichen Nachteile. Ganz im Gegenteil, Hodentumore können nicht entstehen, das Risiko von Prostatatumoren im Alter sinkt deutlich, bestehende Prostatavergrößerungen, die zu Harnabsatz- und vor allem zu Kotabsatzproblemen führen, bilden sich zurück, die Neubildung wird verhindert, und auch die Gefahr, daß Perinaldrüsentumoren entstehen oder nachwachsen sinkt. Vergrößert sich die Prostata so stark, daß kaum oder sogar kein Kot mehr abgesetzt werden kann, können Kotanschoppung und ständiges Pressen zur Perianalhernie (Dammbruch) und zu Rektumdivertikeln (Enddarmaussackung) führen. 

Ist auch die Harnblase betroffen, begünstigen ständige Miktionsbeschwerden Blasenentzündungen. Manche Rüden leiden unter massivem Haarausfall, der durch ein Ungleichgewicht der Geschlechtshormone verursacht wird, auch hier hilft die Kastration. In seltenen Fällen kommt es nach dem Kastrieren zum Auftreten von feinem, glanzlosem Welpenhaar seitlich am Rumpf und außen an den Beinen. Wenn gewünscht kann dieser Schönheitsfehler (betroffen sind vor allem langhaarige, rote Rassen, wie z. B. Cocker Spaniel oder Irish Setter) aber gut durch entsprechende Hormonspritzen behoben werden. 

Kastrieren macht nicht dick! Allerdings kann die Futterverwertung besser werden. Bei richtiger Fütterung, z. B. mit einem kalorienreduzierten Futter, bleibt ihr Hund auch kastriert schlank und wird nicht faul, sondern oft spielfreudiger, da ihm seine "Jugend" erhalten bleibt. Die Lern- und Arbeitsfähigkeit steigt in der Regel, da Kastraten weniger abgelenkt und somit konzentrierter sind. Auch psychische Probleme entstehen nicht, denn der fehlende Geschlechtstrieb wird nicht als solcher realisiert. Um übermäßig aggressives Verhalten anderen Rüden gegenüber zu vermindern, empfiehlt sich die Kastration vor dem 2. (bis 3.) Lebensjahr, später ist das Territorialverhalten zu sehr im Wesen verankert und nicht mehr allein hormonell gesteuert. 

Gegen den gesteigerten Geschlechtstrieb helfen auch Hormonspritzen. Sogenannte Depotgestagene dämmen die Hypersexualität für 2 - 3 Monate ein, haben aber keinen dauerhaften Einfluß auf die erwähnten geschlechtsspezifischen Erkrankungen des Rüden. Sicherlich stellen sie jedoch eine gute Alternative für kurzfristige, akute Beschwerden dar. 

Sollten auch ihrem Rüden demnächst die "Frühlingsgefühle" zu schaffen machen oder er sogar bereits hormonell bedingt gesundheitliche Probleme haben, lassen sie sich von ihrem Tierarzt beraten, wie dem armen Kerl zu helfen ist.

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