Hundemantel – Mode-Gag oder sinnvoller Gesundheitsfaktor?

Die ersten Frosttemperaturen, vielleicht sogar der erste Schnee und schon sieht man wieder überall besorgte Hundebesitzer, die ihren vierbeinigen Freund beim Spaziergang einen Hundemantel oder Hundepulli überziehen. Oftmals werden sie dafür belächelt – aber ist diese Schutzkleidung wirklich zum Lachen oder vielleicht sogar sinnvoll?
Die meisten Hunde brauchen sicherlich keine Kleidung, um auch bei Kälte nicht zu frieren, wenn sie mit uns in Wald und Feld unterwegs sind. Dafür sorgt ihr wärmendes und funktionelles Winterfell. Aber abhängig von Rasse, Körpergröße, Alter, Gesundheitszustand und Aktivität kann es durchaus sinnvoll sein, unseren Vierbeinern zusätzlichen Schutz zu bieten.

Dichtes Winterfell und Bewegung – einen besseren Schutz gegen die Kälte gibt es nicht!

Rasse
Normalerweise besteht das Fell eines Hundes aus Deckhaar und Unterwolle. Während das grobe Deckhaar, bestehend aus dicken, härteren Grannenhaaren, als grobe Schutzschicht gegen Schmutz und Nässe dient, bildet die deutlich weichere Unterwolle mit ihren feinen, krausen Wollhaaren eine perfekte Isolationsschicht, die dem Verlust der Körperwärme entgegenwirkt.
Es gibt aber auch zahlreiche Hunderassen, die nur wenig oder gar keine Unterwolle besitzen. Ob ein Hund Unterwolle hat oder nicht, hat dabei nichts mit Kurzhaar- oder Langhaarrasse zu tun! Auch ein Labrador, Malinois, Rottweiler, Mops oder die Kurzhaar-Collies haben ein kurzes Fell – allerdings mit einer schön dicken Unterwolle.
Kurzhaarhunde ohne nennenswerte Unterwolle sind hingegen z.B. Boxer, Dobermann, Doggen, Vizsla, englische und französische Bulldogge, Kurzhaardackel, Dalmatiner und die Windhundrassen Saluki, Podenco, Galgo, Whippet und Greyhound.
Zwar langes Fell aber dennoch kaum Unterwolle haben z.B. Pudel, Wasserhunde, Yorkshire Terrier, Malteser, Havaneser, Bologneser und Langhaar-Chihuahua.
Umgekehrt haben manche Langhaarrassen sowohl langes Fell als auch ordentlich Unterwolle, wie z.B. Schäferhunde, die nordischen Rassen wie beispielsweise Alaskan Malamute, Husky, Samojede, Akita- und Shiba Inu, desweiteren Chow Chows und sämtliche Hütehunde.
Ganz klar: Bei Hunderassen ohne Unterwolle sollte überprüft werden, ob sie bei kaltem Wetter nicht einen Kälteschutz brauchen! Diese Hunderassen kann man auch nicht an die Kälte gewöhnen, denn ihnen fehlt einfach die Fähigkeit, wärmende Unterwolle zu produzieren.

Körpergröße
Je kleiner ein Tier desto größer ist im Verhältnis seine Körperoberfläche - und je größer die Körperoberfläche desto schneller und stärker ist der Wärmeverlust über die Haut. D.h. kleine Hunde frieren prinzipiell schneller als große Hunde. Dies gilt besonders für längere Aufenthalte im Freien. Bei den kleinen und kurzbeinigen Hunderassen kommt noch hinzu, dass sie durch ihre Anatomie viel näher am Boden sind und dadurch viel direkter mit Nässe, Matsch und Schnee in Kontakt kommen, was unweigerlich zu schnellerem Frieren führt.
Wer jetzt allerdings glaubt, Doggen wären wegen ihrer Größe nicht kälteempfindlich, der irrt – hier macht sich die fehlende Unterwolle bemerkbar, so dass sich auch manch ein großer Hund über eine wärmende Decke freuen wird.

Senioren mögen es gerne kuschelig warm...

Alter
Das Immunsystem von Welpen muss sich erst entwickeln und ist anfangs noch nicht ausgereift genug, um stärkeren Temperaturschwankungen standzuhalten. Das Gleiche gilt für die Thermoregulation, die sich ebenfalls erst entwickeln und stabilisieren muss. Auch haben Welpen meist wenig Fettreserven, so dass sie schneller unterkühlen. Und dann kommt noch hinzu, dass Welpen wie kleine Hunderassen auch aufgrund der Relation von Körpergröße zu Körperoberfläche einen ohnehin größeren Wärmeverlust haben.
Bei Welpen gilt daher immer, sie vor Kälte zu schützen!
Auch bei den Senioren unter unseren Hunden sollte auf Kälteschutz geachtet werden, denn oft haben ältere Tiere orthopädische Beschwerden, wodurch sie sich nicht mehr so viel bewegen. Weniger Aktivität führt aber sofort dazu, dass man schneller friert. Durch die verringerte Aktivität im Alter baut sich auch die Muskulatur langsam, aber stetig ab, so dass im nächsten Schritt auch weniger Wärme produziert werden kann, wodurch sich die Senioren erschwert selbst warm halten können.
Während sich beim Junghund das Immunsystem erst entwickeln muss, nimmt die Immunsystemleistung im Alter kontinuierlich ab, wodurch Kälte auch der Gesundheit von älteren Tieren schnell schaden kann.

Gesundheit
Nicht nur fehlende Unterwolle oder das Alter können Hundemantel oder ähnliches notwendig machen, auch manche Gesundheitsprobleme machen das Tier für Kälte oder Nässe empfindlicher. Oder umgekehrt – Kälte ebnet manchen Erkrankungen den Weg.
So lassen Gelenkimplantate aus Metall oder Erkrankungen, wie z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion (das „Kraftwerk“ des Körpers arbeitet nur auf Sparflamme), Hunde empfindlicher auf Kälte reagieren. Umgekehrt verschlimmert Kälte Krankheiten wie beispielsweise Arthrose oder Herzleiden. Arthrose - durch die Kälte zieht sich die Muskulatur zusammen und wird steif, wodurch der Arthroseschmerz noch stärker wird. Beim Herzleiden kommt zum Tragen, dass sich die Blutgefäße bei Kälte zusammenziehen (vor allem an den Extremitäten), um möglichst wenig Wärme über das Blut zu verlieren. Werden die Blutgefäße jedoch enger, muss sich das Herz noch mehr anstrengen, um das Blut durch den Körper zu pumpen. Ein krankes Herz kann auf diese Weise überlastet werden.
Hunde, die frieren, neigen dazu, eine verkrampfte Haltung anzunehmen und den Rücken hochzuziehen. Diese unvorteilhafte Körperhaltung belastet aber und zieht schnell Rückenschmerzen oder sogar einen „Hexenschuss“ oder Bandscheibenprobleme mit sich.
Und viele Viren und Bakterien fühlen sich bei Kälte besonders wohl bzw. finden bei einem kältegeschwächten Organismus beste Vermehrungsbedingungen. So wundert es nicht, dass auch unsere vierbeinigen Freunde in der kalten Jahreszeit anfälliger für z.B. Erkältungen oder Blasenentzündungen sind.

... und sind dann voller Tatendrang!

Aktivitäten – Hundesport
Hundesport, Hundeschule oder ähnliche Aktivitäten, bei denen es zu Pausen kommt (z.B. Jagd, Rettungsdienst), bergen die Gefahr von Auskühlung und sogar Unterkühlung. Solange der Hund sich ausreichend bewegt, braucht er kein Mäntelchen – aber in den Pausen sollte unbedingt für ausreichend Wärme gesorgt werden. Dies gilt auch, wenn Hunde bei kaltem Wetter über längere Zeit im Auto warten müssen.

Woran erkenne ich, dass mein Hund friert?
Sichtbares Muskelzittern ist genau wie bei uns Menschen das deutlichste Anzeichen für Frieren!
Weitere Symptome können auch ein hochgezogener Rücken, ein verkrampfter Gang oder das Einklemmen des Schwanzes unter dem Bauch sein. Keine Sorge - wer sein Tier kennt, wird auch die Zeichen zu deuten wissen, wenn sich sein Vierbeiner nicht wohlfühlt!

Hundemäntelchen – aktiver Gesundheitsschutz
Sie sehen, ein Hundemantel hat nichts mit „Vermenschlichung“ oder dem neusten Mode-Gag zu tun, sondern kann bei Bedarf den Wohlfühlfaktor, vor allem aber den Gesundheitsschutz deutlich erhöhen!
Dabei sollte ein Hundemantel nicht nur schön aussehen, sondern ganz wichtig seinen Zweck erfüllen:
– Schutz vor Kälte und Nässe
– gute Passform, ohne den Hund einzuengen - Bewegungsfreiheit und Körpersprache gewährleisten
– Material: atmungsaktiv (!!!), wasserabweisend und waschbar
– Rücken und Bauch bedeckend (letzteres ist vor allem bei kleinen und kurzbeinigen Hunderassen und Tieren ohne Unterwolle ganz wichtig!)
– einfaches An- und Ausziehen
– Öffnung für Halsband- und Geschirröse
– für Verwendungszweck geeignet: Stadtbereich, Landleben, Aktivität
– bei Bedarf reflektierende Einsätze für die Morgen- und Abendspaziergänge in der Dunkelheit

Lassen Sie sich am besten im Fachgeschäft beraten, worauf Sie beim Kauf eines Hundemantels achten sollten, und welche Hundemäntel am besten für die individuellen Bedürfnisse Ihres Hundes geeignet sind. So steht dem nächsten Winterspaziergang nichts mehr im Wege!

Ob mit oder ohne Mantel: Bleiben Sie und Ihr vierbeinigen Freund gesund – und haben Sie beide immer schön warm!

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