häufige skelletentwicklungsstörungen beim junghund

Wachstumsstörungen des Skelettes kommen beim Junghund leider relativ häufig vor. Besonders problematisch sind sie, wenn Knochen betroffen sind, deren Form und Funktion von einem ausgewogenen Längenwachstum abhängig ist. Beim Hund ist die Längenzunahme der Knochen zwischen dem 4.-6. Lebensmonat am größten. Aus diesem Grund treten Skelettentwicklungsstörungen in diesem Zeitraum auch gehäuft auf. Mit sieben Monaten haben die meisten Hunde 90% ihrer endgültigen Körpergröße erreicht. Mit dem 9.-10. Monat ist das Längenwachstum dann beendet. Hunde kleinwüchsiger Rassen sind zeitiger ausgewachsen als Hunde großwüchsiger Rassen. Als Ursache solcher Entwicklungsstörungen kommen eine Vielzahl von Möglichkeiten in Betracht. So unterscheidet man genetisch bedingte Entwicklungsstörungen, stoffwechselbedingte und multifaktorielle Ursachen (z.B. hormonelle Imbalancen, ernährungsbedingte Fehlsteuerungen, Störungen in der Vitaminversorgung, Haltungsfehler) und erworbene, traumatisch bedingte Wachstumsstörungen. 

Isolierter Processus anconaeus

Die Wachstumsfuge des Proc. anconaeus (= bestimmter Knochenbereich am Unterarmknochen Elle) sollte im Alter von 16-20 Wochen geschlossen sein. Ist dies nicht der Fall, liegt das Krankheitsbild des isolierten Proc. anconaeus vor. Ursache hierfür ist ein verzögertes Längenwachstum der Ulna (=Elle), das die Wachstumsfuge des Proc. anconaeus derart irritiert, dass ein Fugenschluss verhindert wird. Man spricht vom sogenannten Short-Ulna-Syndrom. Betroffen sind schnellwachsende Hunde der großwüchsigen Rassen, insbesondere der Deutsche Schäferhund. Nicht selten besteht die Erkrankung beidseits. Die Symptome der Erkrankung zeigen sich in Lahmheit, Schwellung des Ellenbogengelenks und charakteristischer Gliedmaßenstellung (das Ellenbogengelenk wird einwärts gedreht, Pfote und Unterarm nach außen gestellt). Zur Sicherung bei Verdachtsdiagnose dient die Röntgenuntersuchung. Bestätigt sich der Befund, sollte das Tier möglichst bald (vor dem 7. Lebensmonat) operiert werden, um die Funktion des Gelenks zu erhalten und Arthrosen zu vermeiden bzw. wenigstens ihr Fortschreiten zu stoppen.

Fragmentierter Processus coronoideus medialis ulnae

So goldig, aber leider für einige Wachstumsstörungen prädisponiert ist dieser Retrieverwelpe!


Ursache der Koronoidfraktur ist ein verzögertes Wachstum des Radius (=Speiche, man spricht vom Short-Radius-Syndrom) und/oder eine ellipsoide Deformation des Ellenbogengelenks, wodurch der Proc. coronoideus medialis ulnae (= bestimmter Knochenbereich an der Elle) übermäßig stark belastet wird und frakturiert. Betroffen sind schnellwachsende Hunde der großwüchsigen Rassen, insbesondere Berner Sennenhund, Großer Schweizer Sennenhund, Rottweiler und Retriever. Nicht selten besteht die Erkrankung beidseits. Symptome sind Lahmheit, vermehrte Füllung des Ellenbogengelenks und die Gliedmaße wird ab dem Ellenbogengelenk auswärts gestellt. Wegen einer sich rasch entwickelnden sekundären Arthrose ist es wichtig, die Diagnose frühestmöglich durch entsprechende klinische und röntgenologische Untersuchungen zu stellen. Das Fragment sollte sofort operativ entfernt werden, bevor es weitere arthrotischen Veränderungen hervorruft. 

Osteochondrosis dissecans (OCD)   

Die OCD ist eine häufige Skelettentwicklungsstörung rasch wachsender Hunde mittelgroßer und großer Rassen im Alter von 5-12 Monaten. Es handelt sich bei der OCD um eine Erkrankung des Gelenkknorpels. Ursache hierfür ist eine Knorpelwachstumsstörung, bei der es zur Ablösung eines Knorpelstücks samt darunterliegendem Knochengewebe kommt. Die so entstandene Knorpelschuppe, auch „Gelenkmaus“ genannt, kann den normalen Bewegungsablauf des betroffenen Gelenks stören, Schmerzen verursachen und Entzündungen hervorrufen. Lahmheit und vermehrte Gelenkfüllung sind die Folge. Die OCD gilt als eine multifaktorielle Erkrankung, in der Vererbung und Ernährung, vor allem übermäßige Energie- und Kalziumzufuhr, eine bedeutende Rolle spielen. Auch hormonelle Imbalancen und Traumata kommen als Ursache in Frage. Bevorzugt betroffen sind die konvexen Gelenkflächen des Schultergelenks (vor allem beim Boxer, Deutsch Drahthaar, Deutsch Kurzhaar, Dogge, Riesenschnauzer, Rhodesian Ridgeback), des Ellenbogengelenks (vor allem beim Labrador und Golden Retriever), des Sprunggelenks (vor allem beim Rottweiler, Labrador Retriever und verschiedenen Terrierarten – Staffordshire, Bull und Pit Bull Terrier) und des Kniegelenks (vor allem beim Hovawart, Bernhardiner, Leonberger, Retriever, Rottweiler). Zur Diagnosesicherung dienen Röntgenbefunde. Es ist ratsam, die losgelöste Knorpelschuppe operativ zu entfernen. Eventuell muss die Fütterung geändert werden.

Hüftgelenksdysplasie (HD)

Die Hüftgelenksdysplasie ist die häufigste Skelettentwicklungsstörung beim Hund. Betroffen sind Hunde aller Rassen, allerdings sind die mittelgroßen und großen Rassen deutlich häufiger betroffen. Die HD ist eine multifaktorielle Erkrankung, bei der sowohl das Erbgut, als auch Umwelteinflüsse, wie z.B. Ernährung und Haltung, zu der fehlerhaften Skelettentwicklung führen. Trotz großer zuchthygienischer Bemühungen konnte die Erkrankung bisher nicht wesentlich eingeschränkt werden. Das Hüftgelenk wird gebildet durch den kugeligen Oberschenkelkopf und die Gelenkpfanne des Beckenknochens, wobei Kugel und Pfanne im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos ineinander passen müssen. Eine zu flache oder ungenügend ausgebildete Pfanne oder ein deformierter oder falsch gewinkelter Oberschenkelkopf führen jedoch dazu, dass sich die Kugel nicht in einer sie fest umschließenden Schale bewegt, sondern in einer viel zu großen Mulde mit viel zu viel Bewegungsspielraum umherrutscht. Diese Fehlentwicklung des Hüftgelenks führt nun dazu, dass der Oberschenkelkopf im Wachstumsalter subluxiert oder luxiert. Durch die Fehlbelastung kommt es zu degenerative Veränderungen am Gelenkknorpel. Außerdem können Kapselentzündungen und Knochenwucherungen entstehen, so dass sich das Leiden zunehmend verstärkt. Tiere im Alter von 5-10 Monaten zeigen plötzlich ein- oder beidseitige Beschwerden und Bewegungsunlust. Sie haben Schwierigkeiten beim Aufstehen und gehen immer wieder lahm, besonders nach Bewegung. Bei älteren Hunden ist das Krankheitsbild  vor allem durch die schmerzhafte, fortschreitende Sekundärarthrose (sogenannte Coxarthrose) geprägt. Eine deutliche Atrophie der Becken- und Oberschenkelmuskulatur wird feststellbar. Zur Diagnosesicherung dient die Röntgenuntersuchung, die in Narkose durchgeführt werden sollte. Die Therapie ist abhängig vom Alter des Tieres, den Beschwerden und den röntgenologisch nachgewiesenen Veränderungen. Konservative (moderne schmerz- und entzündungshemmende Mittel, Physiotherapie, Akupunktur) und verschiedene operative Verfahren (Pektinektomie, Femurkopfresektion, gelenkerhaltende Korrekturosteotomien, künstliches Hüftgelenk) können angewandt werden. Der chirurgische Eingriff empfiehlt sich bei Patienten, bei denen die Schmerzen durch konservative Maßnahmen nicht dauerhaft oder nicht befriedigend behoben werden können. 

Panostitis (Enostose)

Die Panostitis ist eine sehr schmerzhafte Erkrankung, die vor allem die langen Röhrenknochen von Vorder- und Hintergliedmaßen befällt. Ursache der Knochenveränderungen ist eine ernährungsbedingte Kalziumüberversorgung, die zu einer mangelhaften, nicht für alle Belastungen ausreichende Durchblutung des Knochens infolge verengter Öffnungen der sogenannten Foramina nutricia führt (Foramina nutricia = Knochenöffnungen, über die die Blutgefäß- und damit Nährstoffversorgung des Knochens erfolgen). Meist werden diese Tiere hochkalorienreich und mit zusätzlichen Kalziumgaben gefüttert oder sie nehmen zu große Mengen Futter und dadurch zuviel Kalzium zu sich. Sie wachsen schnell und sind sehr lebhaft, was vom Besitzer durch übermäßiges Herumtoben oder zu frühe sportliche Aktivität noch gefördert wird. Dabei werden Energiebedarf und Blutzirkulation im Knochen erhöht. Durch die zu engen Öffnungen der Foramina nutricia werden die Blutgefäße des Knochenmarkraums aber gestaut, es kommt zur Ödembildung im Markraum und unter der Knochenhaut. Länger anhaltende Ödeme führen schließlich zu Knochenablagerungen und funktionellen Veränderungen im Markraum und an der Knochenhaut. Die Veränderungen sind auf dem Röntgenbild gut darstellbar. Aufgrund der hohen Schmerzhaftigkeit der Erkrankung zeigen die Hunde meist eine hochgradige Lahmheit, sie sind bewegungsunwillig und appetitlos, können Fieber haben und reagieren bei Berührung der betroffenen Knochen schmerzempfindlich. Die Erkrankung tritt gehäuft beim Deutschen Schäferhund, aber auch bei anderen schnellwachsenden Hunden großwüchsiger Rassen auf, insbesondere im ersten Lebensjahr. Gegen die Schmerzen werden die Tiere mit modernen schmerz- und entzündungshemmenden Mitteln behandelt.

Die Fütterung muss kontrolliert und entsprechend optimiert werden und mit einer konsequenten und maximalen Bewegungseinschränkung wird ein vermehrter Blutfluss durch die Foramina nutricia verhindert. Um dies zu gewährleisten, haben die Tiere über 1-3 Monate Leinenzwang, ausgeführt wird nur über kurze Strecken (dreimal täglich 5-10 Minuten) und auch in der Wohnung sollte sich der Patient so wenig wie möglich bewegen. Die Krankheit heilt häufig innerhalb von 2-3 Monaten spontan aus. Vereinzelt können allerdings Lahmheitsschübe bis zum Alter von 18 Monaten oder später auftreten.   Da falsche Ernährung bei Wachstumsstörungen des Skelettes oft eine Rolle spielt, sollten Sie Ihren Welpen und Junghund in der so sensiblen Wachstumsphase unbedingt mit einem für ihn optimalen und ausgewogenen Futter großziehen. Pfennigfuchserei  und falsche Ratschläge können leider schlimme Folgen haben. Lassen Sie sich deshalb von Ihrem Tierarzt beraten, was Sie speziell bei Ihrem Hund, Ihrer Hunderasse z.B. in Hinblick auf Ernährung, Ergänzungsfuttermittel (um die gesunde Entwicklung des Bewegungsapparates zu unterstützen - siehe Canosan), Bewegung und Haltung vorsorglich tun können und auf welche Gefahren Sie achten müssen.

Ein gesunder Vierbeiner wird es Ihnen ein Leben lang danken!              

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