Ernährung von Saugwelpen - Aufzucht von "Flaschenkindern"

Neugeborene Hundewelpen haben wenig Energiereserven, da sie noch keine Fettdepots besitzen. Aus diesem Grund können sie auch ihre Körpertemperatur noch nicht selbst regulieren. Deshalb ist es lebensnotwendig, dass sie zum einen so schnell wie möglich anfangen zu saugen, um über die Muttermilch die nötige Energie zu erhalten, und zum anderen entsprechend warm gehalten werden (Wärmebett/Wurfkiste mit Auspolsterung, unmittelbare Umgebungstemperatur anfangs 28-32 °C)! Ohne ausreichende Energiezufuhr kommt es bei den Kleinen sehr schnell zum Absinken des Blutzuckerspiegels, was ein gefährliches Sinken der Körpertemperatur mit sich bringt. Ohne Hilfe würden die Welpen sterben.

Körpertemperatur von Welpen
Die normale Körpertemperatur liegt beim Hund zwischen 38,0 und 39,0 °C und damit etwas höher als bei uns Menschen - bei Welpen beträgt sie sogar bis zu 39,5 °C. Sinkt die Körpertemperatur unter 38,0 °C liegt eine Untertemperatur bzw. Hypothermie vor.

Überprüfen der Energieversorgung
Eine Kontrolle der Energieversorgung der Saugwelpen ist durch Beobachtung des Verhaltens des Muttertiers und ihrer Welpen gut möglich. Fällt z.B. auf, dass die Hündin ihre Welpen viel allein lässt, ihr Gesäuge stark gerötet und vermehrt warm ist, sie die Kleinen am Trinken hindert oder die Welpen sehr unruhig sind, viel winseln, orientierungslos in der Wurfbox umherirren und der typisch „volle Bauch“ fehlt, ist vermutlich etwas nicht in Ordnung.

Kontrollwiegen und Dokumentation
Regelmäßiges Wiegen der Welpen, insbesondere innerhalb der ersten Lebenstage, sowie eine gründliche Dokumentation der Gewichtszunahme eines jeden Welpen ist für die rechtzeitige Erkennung von Störungen ganz wichtig. Spätestens 12 Stunden nach der Geburt sollten die Welpen anfangen zuzunehmen und bis zum 10. Lebenstag soll sich ihr Geburtsgewicht verdoppelt haben.

Nichts geht über Muttermilch!

Ursachen für Mangelversorgung
Eine fehlende oder mangelnde Aufnahme von Muttermilch führt schnell zum Absinken des Blutzuckerspiegels und somit zur mangelhaften Energieversorgung. Und ohne die nötige Energie fällt die Körpertemperatur schnell auf ein bedrohliches Niveau. Mögliche Ursachen hierfür sind:
- geschwächte Welpen nach Frühgeburt, schwerer Geburt oder Kaiserschnitt
- ungenügende Milchaufnahme bei Missbildungen wie z.B. einer Gaumenspalte
- ungenügende (zu großer Wurf, Infektionen des Gesäuges, Stoffwechselerkrankungen) oder fehlende (Agalaktie) Milchproduktion des Muttertiers
- Ablehnung der Welpen durch die Hundemutter, ungenügende Brutpflege
- ungeeignete Umgebungstemperatur

Glucoselösung als schnelle Energiequelle
Bei notfallmäßig eingelieferten Welpen, die bereits eine Untertemperatur aufweisen, muss sofort Energie in Form einer Glucoselösung verabreicht werden. Können die Welpen noch Saugen und selbständig Schlucken, kann dies oral erfolgen, ansonsten muß eine Magensonde gelegt oder die Glucoselösung injiziert werden. Zusätzlich werden die Welpen langsam mittels Wärmelampe oder Wärmebett erwärmt.

Keine Kuhmilch für "Flaschenkinder"
Bei einer ungenügenden Milchaufnahme oder Milchproduktion der Hündin müssen die Welpen mit Milchersatz als „Flaschenkinder“ aufgezogen werden. Kuhmilch ist dazu nicht geeignet! Sie enthält auf der einen Seite zuwenig Fett und Energie, auf der anderen Seite aber zuviel Milchzucker, was zu Durchfällen führt. Bei Ihrem Tierarzt erhalten Sie hingegen spezielle, hochverdauliche Milchersatzpräparate in Form von Milchpulvern, die in ihrer Zusammensetzung genau dem Nährstoffprofil der Muttermilch der Hündin entsprechen.

Technik der Flaschenfütterung
Bei der Fütterung sind die Welpen waagrecht zu halten, damit sie keine Milch in die Luftröhre bekommen können. Aus dem gleichen Grund darf die Milch auch nie unter Zwang eingeflößt werden. Zu Beginn sind kleinste Mengen zu verabreichen, um einem Verschlucken und einer Magenüberladung vorzubeugen. Zur Fütterung verwendet man eine Saugflasche mit langgezogenem Sauger. Zum Ausüben des Milchtritts ist es ratsam, den Welpen eine gefütterte Stoffrolle anzubieten. Sind die Welpen zu schwach, um aktiv zu saugen, muss mittels Pipettenfütterung oder Magensonde ernährt werden. Anfänglich sollte tagsüber alle 2 Stunden warm (37°C) gefüttert werden, ab dem 10. Tag kann man den Abstand auf 3 Stunden vergrößern. Nachts kann das Fütterungsintervall auf anfangs 4-6 Stunden, später auf 6-8 Stunden gestreckt werden. Bei kleineren Rassen oder stark geschwächten Tieren muss bis zu 12mal gefüttert werden - auch nachts! Bei guter Gewichtsentwicklung werden die Fütterungsintervalle ab der 3. Lebenswoche allmählich auf 4 Stunden verlängert. Ab der 3.-4. Lebenswoche kann in der Regel auf die Nachtfütterung verzichtet werden.

Bauchmassage
Nach der Fütterung muss durch Massage der Bauch- und Analgegend mit der flachen Hand oder einem weichen, warmen und feuchten Tuch bzw. um den After mit einem feuchten Wattestäbchen der Kot- und Urinabsatz angeregt werden. Dies ist besonders bis in die 3. Lebenswoche hinein ganz wichtig, danach funktioniert die Verdauung dann meist selbständig.

Tägliche Zunahme
Mit der Flasche aufgezogene Welpen nehmen täglich um etwa 5-6% zu und verdoppeln ihr Geburtsgewicht durchschnittlich nach ca. 14 Tagen (Welpen, die von der Mutter gesäugt werden, verdoppeln ihr Gewicht in der Regel bereits nach 7-10 Tagen). Die pro Tag vorzusehende Milchmenge beträgt in der 1. Lebenswoche ca. 40%, in der 2. Woche ca. 50% des Welpengewichtes.

Zufüttern von fester Nahrung
Nach 3-4 Wochen wird die Milch zunehmend durch feste Nahrung ersetzt. Hochwertige Welpenfertignahrung wird mit der Ersatzmilch zu einem Brei angerührt und in einem Napf angeboten. Man ersetzt vorerst eine, dann zwei und schließlich drei der täglichen Milchmahlzeiten durch diese Breie. Mit der 6. Lebenswoche sollen die Welpen gänzlich auf Normalkost für Hundewelpen umgestellt und nur noch 3mal täglich gefüttert werden.

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