Erkrankungen des Bewegungsapparates - teil 2

Häufige Krankheitsbilder

Verstauchung, zerrung, prellung

Durch starke, äußere Krafteinwirkung auf ein Gelenk verschieben sich die dazugehörigen Knochen und die Gelenkkapsel oder Teile des Bandapparats des Gelenks werden überdehnt, können sogar reißen. 

Bänderriss

Die häufigste Bandruptur beim Hund ist der Riss des vorderen Kreuzbandes im Kniegelenk. Hunde großwüchsiger Rassen erleiden den Kreuzbandriss eher in jüngeren Jahren (bis zum 5. Lebensjahr), Hunde kleinwüchsiger Rassen eher im Alter (ab dem 9. Lebensjahr). Neben degenerativen Veränderungen am Kreuzband spielen hierbei vor allem Traumata eine große Rolle. Nicht selten kommt es durch den Kreuzbandriss zusätzlich zum Meniskusschaden.

Luxation

4 lange Wochen muss Border Colliehündin „Lessy“ ihre Gipsschiene tragen, denn der  Tierarzt hat absolute Ruhe für ihr operiertes „Hand“-Gelenk verordnet. Aber vom Laufen zu träumen, hat er ja nicht verboten. Gute Besserung!


Die kurzfristige Verlagerung korrespondierender Gelenkflächen wird als Distorsion (Verstauchung) bezeichnet. Es kann dabei zu Dehnungen und partiellen Zerreißungen der Gelenkkapsel, zu Bänderriss und Blutergüssen kommen. Bleibt im Anschluss an diese Verlagerung eine neue Stellung der Gelenkflächen zueinander bestehen, liegt eine Luxation vor. Neben enormer Krafteinwirkung auf ein Gelenk (Autounfall) können auch angeborene Gelenkschwächen hierbei eine Rolle spielen. Luxieren durch ein Trauma können besonders das Ellenbogengelenk, das Vorderfußwurzel- und Sprunggelenk, das Schulterblatt und das Hüftgelenk (50% aller Luxationen beim Hund betreffen die Hüfte). Bei der Luxation der Kniescheibe (Patellaluxation) herrschen jedoch angeborene Ursachen (Fehlstellung von Ober- und Unterschenkel, mangelhafte Ausbildung der Kniescheibenrinne) als Auslöser vor. Besonders häufig sind hiervon Hunde der kleinwüchsigen Rassen, wie Pudel, Yorkshire Terrier und Rehpinscher betroffen.

Fraktur

Sind die einwirkenden Kräfte eines Traumas größer als die Widerstandsfähigkeit des Knochens in Bezug auf Biegung, Drehung, Stauchung, Zug und Druck, kommt es zum Knochenbruch, zur Knochenfraktur. Mehrere Frakturen ein und desselben Knochens bezeichnet man als Trümmerbruch.

Sehnen- und Sehnenscheidenentzündung

Ursachen für Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen eines Gelenks sind vor allem mechanische Irritationen der Sehne durch freie Knorpelschuppen bei OCD, Überbeanspruchung (z.B. Arbeitshunde, Sporthunde), sowie arthrotische Veränderungen im entsprechenden Gelenk. Häufig betrifft die Erkrankung das Schultergelenk.

Osteochondrosis dissecans (OCD) - “Gelenkmaus“

Die OCD ist eine Erkrankung des Gelenkknorpels im Rahmen einer Knorpelwachstumsstörung, bei der es zur Ablösung eines Knorpelstücks samt darunterliegendem Knochengewebe kommt. Die so entstandene Knorpelschuppe, auch „Gelenkmaus“ genannt, kann den normale Bewegungsablauf des betroffenen Gelenks stören, Schmerzen verursachen und Entzündungen hervorrufen. Lahmheit ist die Folge. Hauptsächlich erkranken schnellwachsende Hunde der großwüchsigenden Rassen. Betroffen können verschiedene Gelenke sein: Schultergelenk (besonders betroffen: Boxer, Deutsch Drahthaar, Deutsch Kurzhaar, Dogge, Riesenschnauzer, Rhodesian Ridgeback), Ellenbogengelenk (besonders betroffen: Labrador und Golden Retriever), Kniegelenk (besonders betroffen: Hovawart, Bernhardiner, Leonberger, Retriever, Rottweiler).

Anatomische Fehlentwicklung – Dysplasie

Dysplasien können prinzipiell in jedem Gelenk auftreten, am häufigsten ist jedoch die Hüftgelenksdysplasie (HD). Das Hüftgelenk wird gebildet durch den kugeligen Oberschenkelkopf und die Gelenkpfanne des Beckenknochens, wobei Kugel und Pfanne im wahrsten Sinne des Wortes reibungslos ineinander passen müssen. Eine zu flache oder ungenügend ausgebildete Pfanne, ein deformierter oder falsch gewinkelter Oberschenkelkopf führen jedoch dazu, dass sich die Kugel nicht in einer sie fest umschließenden Schale bewegt, sondern in einer übergroßen, flachen Mulde mit viel zu viel Bewegungsfreiheit umherrutscht. Durch die Fehlbelastung in dem ungenügenden Gelenk entstehen degenerative Veränderungen am Gelenkknorpel, der dabei vollständig aufgerieben werden kann, entstehen Kapselentzündungen, aber auch Knochenwucherungen, so dass sich das Leiden zunehmend verstärkt. Immer wieder tritt ein akuter Schub mit meist einseitigem Lahmen auf, besonders nach übermäßiger Belastung. Von der Hüftgelenksdysplasie betroffen sind besonders die großen Hunderassen.

Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps) – Diskopathie

Diskopathie bedeutet Bandscheibenschaden und ist ein Sammelbegriff für Veränderungen in der Bandscheibe, die vor allem durch Gewebealterung zustande kommen und zu Bandschei-benvorfällen führen können. Bandscheibenvorfälle treten hauptsächlich im Bereich der Halswirbelsäule und am Übergang der Brust- zur Lendenwirbelsäule auf. Da Dackel für diese Er-krankung prädisponiert sind, bezeichnet man sie auch als „Dackellähme“. Weitere gefährdete Rassen sind z.B. der Pekinese, der Cocker Spaniel, der Beagle, der Deutsche Schäferhund und der Dobermann. Die vorgefallene Bandscheibe drückt auf das Rückenmark, starke Schmerzen, Lähmungserscheinungen der Vorder- und Hintergliedmaße bis hin zur vollständigen Lähmung sind die Folge. Je nachdem, welche Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden, ist auch der Harnabsatz durch eine Blasenlähmung gestört.

Gelenkentzündung - ARTHRITIS

Als Arthritis bezeichnet man durch bakterielle Infektionen (z.B. Borreliose) oder immunologische Vorgänge (z.B. rheumatoide Arthritis) verursachte entzündliche Gelenkerkrankungen. Klinisch zeigt sich ein vermehrt warmes, geschwollenes und extrem schmerzhaftes Gelenk. Erkranken gleichzeitig mehrere Gelenke spricht man von einer Polyarthritis. Nicht selten ist auch das Allgemeinbefinden des Tiers empfindlich gestört (Fieber, Appetitlosigkeit, Lahmheit und Bewegungseinschränkung). Selbst wenn die Infektion abgeklungen ist, kann der Schmerz aufgrund ausgedehnter Zerstörung der Gelenkflächen andauern.

Chronische bzw. degenerative Gelenkerkrankungen – Arthrosen

Sie beginnen mit einer Verletzungen im Gelenkknorpelbereich. Ursache solcher Knorpelschäden können z.B. traumatische Verletzungen (Zerrung, Verstauchung), Wachstumsstörungen (OCD), die Folgen anatomischer Fehlstellungen (HD), übermäßiger Verschleiß bei alten oder übergewichtigen Tieren oder die Folge bakterieller Infektionen sein. In jedem Fall kommt es zu einer Reihe von Veränderungen: Der geschädigte Knorpel provoziert eine Entzündung der Synovialmembran, die Membran schwillt stark an und sezerniert vermehrt Synovia (Reizerguss). Dies und eine gleichzeitige Entzündung der Gelenkkapsel führen zur Schwellung und verstärkten Durchblutung des Gelenks. Die Entzündungssymptome Rötung, Schwellung, Schmerz und Funktionsstörung des Gelenks (Lahmheit) werden sichtbar.

Im Anschluss daran kommt es zu einer fasrigen Verdickung der Gelenkkapsel, zur Ausbildung sogenannter „Osteophyten“ (Zubildungen am Knochen) und zur irreversiblen Gelenkknorpeldegeneration. Eine chronische Gelenkerkrankung - die Arthrose – ist entstanden. 

Erhalten Sie in Teil 1 alle wichtigen Basisinformationen zum Thema Erkrankungen des Bewegungsappartes beim Hund!

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