die zecke

Überträger ernstzunehmender Krankheiten bei Mensch und Tier

Entwicklungszyklus und Lebensraum, Erkrankungen durch die Zecke selbst

Als Waldbesucher und Tierhalter war fast jeder von uns schon mal mit diesen kleinen Krabbeltieren konfrontiert, und seit Jahren wird auf die zunehmende Gefährdung von Mensch und Tier aufmerksam gemacht.

Der Entwicklungszyklus der Zecke

Die Entwicklung der Zecke vollzieht sich nach dem Schlupf aus dem Ei über Larve und Nymphe (Jugendform) zum adulten Weibchen oder Männchen. Die Weibchen legen je nach Art bis zu 3000 Eier auf dem Erdboden ab. Aus diesen Eiern schlüpfen die etwa 1 mm großen sechsbeinigen Larven, die an Grashalmen und Buschwerk emporsteigen, um dort auf vorbeistreifende Wirte zu warten. Man findet Larven bevorzugt auf kleineren Tieren, die in engem Bodenkontakt leben. Hierzu gehören v.a. Mäuse, aber auch Eidechsen und kleine Vögel. Nach der Anheftung an einen solchen Wirt saugen sie sich mit Blut voll und häuten sich anschließend am Boden zur Nymphe. Die Nymphen suchen sich jetzt neben Mäusen auch größere Wirte wie Igel, Eichhörnchen, größere Vögel, sie können aber auch bereits auf Wildtieren, Haustieren und dem Mensch vorkommen. Die vollgesogene Nymphe verläßt wiederum den Wirt, häutet sich zur erwachsenen Zecke, die nun vor allem Großsäuger aufsucht. Die Jugendformen der Zecke saugen in der Regel 2 - 5 Tage, danach fallen sie ab, erwachsene Zecken können sogar bis zu 11 Tagen saugen.

Lebensraum und biologische Aktivität der Zecke

Wer sein Tier unbeschwert durch Wald und Wiesen toben lassen will, sollte es vor gefährlichen Plagegeistern wie Zecken schützen.

Zecken findet man vorwiegend in wenig kultivierten Flächen von Busch oder Heide, in Laub-, Misch- und Auwäldern und in Feuchtgebieten mit gut entwickelter Bodenvegetation. In Mitteleuropa sind solche Bedingungen besonders in waldreichen Gegenden mit reichlich Unterholz verwirklicht. Selbst Parks und Gärten stellen gute Biotope für Zecken dar. In Nadelwäldern halten sie sich jedoch kaum auf.
Die biologische Aktivität der Zecken hängt eng mit der Jahreszeit zusammen. Sie steigt im Frühjahr jeweils rasch an, erreicht etwa im Juni ihren Höhepunkt und fällt in den folgenden Monaten wieder deutlich ab. Im Herbst läßt sich ein zweiter, jedoch kleinerer Aktivitätsschub beobachten. Dies hängt damit zusammen, dass die Zecken die Kombination von Wärme und hoher Luftfeuchtigkeit besonders bevorzugen. Eine hohe Ortslage und Lufttemperaturen unter 5 - 7° C begrenzen die Aktivität der Zecke.
Fast 20 Zeckenarten kommen in Deutschland vor. Man unterscheidet z. B. die Taubenzecke, den Holzbock, die Schafzecke und die braune Hundezecke.

Erkrankungen durch die Zecke selbst

Allen gemeinsam ist, dass der Zeckenspeichel zu lokalen Reizungen, Juckreiz und Hautentzündungen führen kann, es können sich Granulome (chronische, umschriebene Entzündungsprozesse) entwickeln, v.a. wenn die mit Blut voll gesaugten Körper abgerissen werden und der Kopf in der Haut des Tieres zurückbleibt. Massiver Zeckenbefall kann gerade bei kleinen Tieren oder Jungtieren bis hin zur Anämie und allgemeinen Schwäche führen. Weibliche Zecken können ein Nervengift produzieren, das durch Blockade der Azetylcholinwirkung (ein Botenstoff des Nervensystems und Überträgerstoff der Nervenimpulse auf den Muskel) eine mit unkoordinierten Bewegungen beginnende, aufsteigende Lähmung der Nachhand bewirkt, vereinzelt tritt sogar vollständige Lähmung ein. Man spricht hierbei von der Zeckentoxikose bzw. Zeckenparalyse.


Durch Zecken übertragene Erkrankungen und sinnvolle Schutzmaßnahmen

Erkrankungen

Da man sich gefährliche "Zeckenkrankheiten" auch in heimischen Gefilden einfangen kann, gehört ein effektiver Zeckenschutz nicht nur in die Reiseapotheke.

In Deutschland interessieren besonders zwei Krankheiten, die durch Zecken übertragen werden können:

Es sind dies zum einen die Frühsommermeningoencephalitis (FSME), die durch ein Virus verursacht wird, und zum anderen die Borreliose, eine bakterielle Erkrankung, die leider immer häufiger vorkommt. Bereits jeder 4. Holzbock (Ixodes ricinus = häufigste Zecke Deutschlands), der Hauptüberträger der Borreliose, ist infiziert und somit in der Lage Borrelien während des Saugakts auf Mensch und Tier zu übertragen, wobei das Infektionsrisiko um so größer ist, je länger die Zecke saugt. Ausführliche Informationen zu diesen beiden Erkrankungen finden Sie in den Artikel "FSME" und "Borreliose" im Canosan-Tierratgeber Hund. 

Vor allem bei Reisen in südliche Länder besteht zudem das Risiko, dass durch Zecken Erkrankungen wie die Babesiose, die Erlichiose und die Hepatozoonose übertragen werden können - Erkrankungen, die vor allem unbehandelt schwere Symptome verursachen und häufig sogar tödlich verlaufen. Das tragische ist, dass diese bislang als Reisekrankheiten bezeichneten Erkrankungen auch in unseren Gefilden immer mehr auf dem Vormarsch sind.

Die Babesiose oder Piroplasmose ist eine Malaria ähnliche Infektionskrankheit, die durch die Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und durch die braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen wird. Die Erreger dieser Erkrankung, die Babesien, sind kleine Einzeller (Protozoen), die im Blut parasitieren und dort die roten Blutkörperchen zerstören. Anämie und Gelbsucht sind die Folge. Als typische sichtbare Symptome treten Mattigkeit, Schwäche, hohes Fieber, blasse bis gelbliche Schleimhäute und rot- bis grünbrauner Harn auf. Unbehandelt kann der Hund letztendlich an Blutarmut sterben. Für eine erfolgreiche Therapie ist vor allem eine frühzeitige Diagnosestellung wichtig. Besonders in Frankreich und Spanien ist die Babesiose weit verbreitet. Kleinere Herde kommen in Italien, der Schweiz, Österreich und auch in Deutschland vor. Neben Hunden werden von dem Erreger auch Schafe, Ziegen, Kühe, Rotwild und Pferde befallen. Und seit einigen Jahren wird die Babesiose in Europa sporadisch auch beim Menschen diagnostiziert, mit den meisten Fällen in Frankreich.

Die Erlichiose wird ebenfalls durch die braune Hundezecke, aber auch durch den Holzbock, übertragen. Ihre Erreger sind Bakterien, die sich in den weißen Blutkörperchen vermehren und von dort die inneren Organe und das Knochenmark befallen. Klinische Symptome sind vor allem erhöhte Blutungsneigung, Anämie, Fieberschübe bis 41°C, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust, Schwäche und Schwellungen der Lymphknoten. Frühzeitig erkannt, lässt sich die Erlichiose relativ gut und effektiv therapieren. Eine späte Diagnose zieht jedoch schwere Gesundheitsschäden nach sich oder endet sogar tödlich. In den letzten Jahren häufen sich europaweit die Erlichiosefälle bei Hunden, sowie Menschen. Galt die Erlichiose früher als reine Erkrankung der südlichen Länder, die vor allem Rinder und Schafe betraf, zieht sich ihr Vorkommen immer mehr auch in den Norden. Selbst in Schweden gab es bereits vereinzelt Erlichiosefälle. Man befürchtet, dass sich die Erlichiose in Deutschland ähnlich schnell verbreiten wird wie die Borreliose.

Auch die Hepatozoonose ist eine Protozoenkrankheit, die durch die braune Hundezecke übertragen wird. Die Übertragung der Erreger erfolgt allerdings nicht durch den Zeckenbiss selbst, sondern wenn der Hund die Zecke beim Entfernen frisst. Das typische Erscheinungsbild dieser Krankheit äußert sich in starker Abmagerung, Apathie, Fieber und starken Schmerzen in der Muskulatur und den Knochen. Noch vor 10 Jahren galt die Hepatozoonose in Europa als eine seltene Erkrankung bei Hunden - und war für Deutschland unbekannt. Heute stellt diese Erkrankung ein großes Problem im europäisch-mediterranen Raum dar - und auch in Deutschland wurde der Erreger mittlerweile nachgewiesen. Die Prognose für erkrankte Hunde ist ungewiss und wenig erforscht, da sich einige Hunde spontan erholen, andere aber sterben. Für eine Therapie stehen derzeit keine spezifisch wirksamen Medikamente zur Verfügung.

Schutzmaßnahmen

Zur wirksamen Verhinderung der Übertragung dieser gefährlichen Erkrankungen durch Zecken sind Präventionsmittel mit einer Zweifachwirkung sinnvoll. Zum einen sollten sie eine starke abschreckende (repellente) Wirkung aufweisen, damit die Zecke sich gar nicht erst festbeißen und beim Saugakt die Krankheitserreger übertragen kann, zum anderen über eine gute abtötende (insektizide/akarizide) Wirkung verfügen, damit doch einmal festgesetzte Zecken abgetötet werden, bevor es zur Ansteckung gekommen ist. Auf dem Markt gibt es zurzeit verschiedene Präparate wie Sprays, Spot on's und Halsbänder. Ihr Tierarzt berät Sie gern, wie Sie Ihren Hund effektiv schützen können. Hat sich eine Zecke trotzdem einmal in der Haut festgesaugt, sollte der Parasit möglichst schnell und ohne "Stress" für die Zecke entfernt werden. Dazu eignen sich am besten spezielle Zeckenzangen. Das Beträufeln der Zecke mit Öl, Klebstoff oder Lösungsmitteln sollte unbedingt unterbleiben, da die Zecke im Todeskampf sonst noch mehr speichelt oder sogar erbricht, wodurch sich die Gefahr einer Erregerübertragung stark erhöht.

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