Diabetes mellitus - wenn Hund und Katze zuckerkrank sind

Teil 2: Therapie, Home Monitoring, wichtige Verhaltensregeln + Notfallmaßnahmen

Therapie – Einstellung auf Insulin
Die Aussichten für einen zuckerkranken Hund bzw. eine zuckerkranke Katze sind von vielen
Faktoren abhängig, vor allem aber von der Ursache des Insulinmangels, von der frühzeitigen
Erkennung und von der frühzeitigen und kontinuierlichen Behandlung: Es muss täglich
Insulin gespritzt werden - die Insulinsubstitution über Tabletten hat sich leider bisher beim Tier nicht bewährt.
Je nach Gesundheitszustand ihres Tiers wird der Tierarzt erst einmal stabilisierend vorgehen,
d.h. Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Azidoseausgleich durch gezielte Medikamente und
Infusionen.
Im 2. Schritt schließt sich die Einstellung auf die pro Tag benötigte Insulinmenge an. Dafür
erstellt der Tierarzt ein Glukosetagesprofil: Blutentnahme morgens für den
Nüchternglukosewert, dann folgen Fütterung und Insulininjektion, anschließend wird ca. alle 2
Stunden wiederholt der Blutzuckerspiegel bestimmt. Anhand all dieser Werte des Tagesverlaufes kann anschließend die für ihr Tier optimale Insulinmenge ermittelt werden.
Ab diesem Punkt sind sie gefordert. Sie müssen nun lernen, ihr Tier selbst zu spritzen. Keine
Angst, die Technik der subcutanen Injektion, also unter die Haut, ist gut zu erlernen und den
kleinen Pieks der ganz feinen Nadel wird ihr Tier, wenn überhaupt, kaum spüren. Außerdem
gibt es den Insulinpiekser ja in Verbindung mit dem Futter, so dass sich die Tiere gern
kooperativ zeigen.
Auch stehen der Tiermedizin mittlerweile gute Depot-Insuline (Zink-Insuline oder Verzögerungsinsuline) zur Verfügung, die zumindest bei den meisten Hunden eine einmalige Insulingabe am Tag ausreichend machen. Katzen benötigen hingegen fast immer eine zweimalige Gabe. Es gibt zur Zeit in der Tiermedizin zwei für die Anwendung bei unseren Vierbeinern zugelassene Insulinpräparate:
Ein porcines Insulin, das aus der Bauchspeicheldrüse des Schweins gewonnen wird – ein sogenanntes Lente-Zink-Insulin und ein künstlich synthetisiertes Insulin - ein sogenanntes Protamin-Zink-Insulin. Beide Insulin-Präparate sind für unsere Hunde und Katzen zugelassen. Letzteres zeichnet sich zusätzlich dadurch aus, dass es den speziellen Bedürfnissen bei der Diabetesbehandlung der Katze besonders nahe kommt.

70-80% der diabetischen Katzen sind übergewichtig! Eine gute Prophylaxe gegen die Erkrankung ist daher, bei unseren Samtpfoten auf viel Bewegung und eine gute Figur zu achten.

Kontrolluntersuchungen – Home-Monitoring
Sobald ihr Vierbeiner auf seine täglich benötigte Insulinmenge eingestellt ist, werden sie die
ersten Anzeichen der Besserung sehr schnell erkennen: Die Wasseraufnahme und -ausscheidung normalisiert sich, das Tier wird wieder lebhafter und das Fell bekommt seinen Glanz zurück.
Kontrollen der Harn- und Blutzuckerwerte in der Tierarztpraxis werden, wenn auch nicht
mehr ganz so oft, weiterhin nötig sein - bei stabilen Patienten zweimal im Jahr - denn der
Bedarf an Insulin unterliegt Schwankungen und ist damit Anpassungen unterworfen.
Perfekt ist, wenn beim sogenannten Home-Monitoring die Blutzuckerwerte auch regelmäßig
zu Hause überprüft werden. Hierbei wird von einem Blutstropfen, den man durch einen
winzigen Pieks ins Ohr gewinnen kann, mit einem Blutzuckermessgerät (Glukometer) der
Blutzuckerwert bestimmt. Das Home-Monitoring hat den Vorteil, dass die Insulinbehandlung
besser auf den individuellen Alltag abgestimmt werden kann und eine drohende
Unterzuckerung frühzeitig erkannt wird. Das Verfahren ist einfach und eigentlich von jedem
Tierbesitzer gut zu erlernen. Sollte es trotzdem Schwierigkeiten geben oder Ihr Vierbeiner
nicht kooperativ sein, so ist es ratsam, zumindest den Harnglukosespiegel mittels eines Harn-
Teststreifens (Urin-Schnelltest) zwischendurch zu Hause zu kontrollieren. Ist das Tier gut
eingestellt, wird sich der Teststreifen bei Zugabe des Urins nicht verfärben.

Therapieerfolg – Ist eine Heilung möglich?
Meistens braucht ein zuckerkrankes Tier zeitlebens seine tägliche Insulininjektion. Anders
verhält es sich, wenn eine andere Grundkrankheit oder eine Störung der Sexualhormone
Auslöser des Diabetes ist. So können z.B. Unregelmäßigkeiten im Brunstzyklus und
hormonelle Läufigkeitsunterdrückung durch langanhaltenden Progesteroneinfluss die
Zuckerkrankheit verursachen. Aus diesem Grund stellen ältere, unkastrierte Hündinnen eine
relativ große Patientengruppe dar. Im frühen Stadium ist solch ein Diabetes reversibel, wenn
die Grundkrankheit erfolgreich behandelt wird, später wird die Störung permanent. Der
Tierarzt wird die Hündin stabilisieren, auf Insulin einstellen und dann kastrieren. Nach dem
operativen Eingriff wird regelmäßig eine Blutzuckerkontrolle durchgeführt. Ist der Diabetes
rechtzeitig erkannt worden, kommt die Hündin eventuell bereits nach wenigen Wochen
wieder ohne Insulin aus.
Bei Katzen sieht die Situation etwas anders aus: bei 30-50% der Katzen kann sich der
Diabetes innerhalb der ersten 12 Monate nach Therapiebeginn wieder zurückbilden, wenn die
Erkrankung frühzeitig diagnostiziert und erfolgreich behandelt wurde. Bei diesen Katzen
erholt sich die körpereigene Insulinproduktion wieder bzw. der Körper spricht wieder
ausreichend auf Insulin an – man spricht von einer sogenannten Remission. Die
Remissionswahrscheinlichkeit liegt umso höher, je früher die Katze auf Insulin eingestellt
wurde. Umgekehrt gibt es Katzen, die sich trotz bester Therapieversuche nicht gut einstellen
lassen. Dass sich die Gabe von bestimmten in der Humanmedizin zugelassenen Insulin-Präparaten (mit den Wirkstoffen Glargin und Detemir) vorteilhaft auf die Remissionswahrscheinlichkeit ausübt, konnte in aktuellen Studien nicht gezeigt werden, so dass es keinen medizinischen Grund mehr gibt, diese bei Katzen zu verwenden. 

Wichtige Verhaltensregeln bei Diabetes mellitus 

Fütterung 

Beim Hund sind zwei Mahlzeiten am Tag ratsam: In der Regel morgens zu einer bestimmten Uhrzeit und 7,5-8 Stunden später am Nachmittag, mit Extramahlzeiten und Leckerchen zwischendurch sollte man hier zum Wohle ihres Tieres äußerst sparsam sein – am besten ganz darauf verzichten. Bei Katzen, die es meist gewohnt sind, mehrere kleinere Mahlzeiten am Tag einzunehmen, wird dies schon schwierig – trotzdem sollte man versuchen, auch hier eine gewisse Kontinuität einzuhalten. Wichtig neben dem Zeitpunkt der Fütterung sind auch eine konstante Qualität und Quantität des Futtermittels. Je besser gleiche Fütterungszeiten und Mengen eingehalten werden, desto besser und stabiler lässt sich der Blutzuckerspiegel des Patienten einstellen. Zur zusätzlichen Unterstützung gibt es von verschiedenen Futtermittelfirmen auch speziell für diabetische Hunde und Katzen entwickelte Futtersorten. Bei Bedarf berät Ihr Tierarzt Sie hierüber sehr gerne. 

Insulingabe
Die Verabreichung des Insulins erfolgt morgens während oder direkt nach der Fütterung.
Gerade bei Katzen und den schlechten Fressern unter den Hunden ist es ratsam, erst den
Appetit zu beobachten und davon die Insulindosis abhängig zu machen. Frisst der Patient nur
die Hälfte seiner Futterration, sollte nämlich auch die Insulindosis auf 50% reduziert werden,
verweigert er die Futteraufnahme gänzlich, unterbleibt die Insulininjektion. Benötigt Ihr Tier
zwei Insulingaben am Tag, wird bei der 2. Fütterung mit der Insulindosis genauso verfahren.

Komplikationen bei der Insulingabe - Notfallmaßnahmen
Generell sind Nebenwirkungen selten, da Insulin eine körpereigene Substanz ist. Große
Vorsicht ist jedoch bei einer zu hohen Insulingabe geboten, da dies zur gefährlichen
Hypoglykämie, also Unterzuckerung, führen kann!
Sollten sie einmal zu viel Insulin gespritzt haben und ihr Vierbeiner mit einer Hypoglykämie
reagieren, sind sofort Notfallmaßnahmen nötig. Bei zu niedrigen Blutzuckerwerten erhält das
Gehirn nicht genug Energie, als Folge davon drohen Schock und Koma. Bieten sie ihrem Tier
deshalb bei den ersten Anzeichen wie Unruhe, Zittern, Bewegungsstörungen, Schwäche,
Orientierungslosigkeit, Krämpfen oder erhöhter Herzfrequenz Futter an. Bei
Futterverweigerung ist so schnell wie möglich Honig, Zucker-, Traubenzucker- oder
Glukoselösung einzugeben - Honig dabei direkt aufs Zahnfleisch streichen, die verschiedenen
Zuckerlösungen in einer Spritze aufziehen und in kleinen Portionen ins Maul geben. Hat sich
der Patient erholt, erhält er für den Rest des Tages mehrmals kleinere Futtermengen bis die
Insulinwirkung nachlässt. Darüber hinaus sollten sie ihren Tierarzt zu Rate ziehen. Auch im
Krankheitsfall, vor allem bei Erbrechen oder Durchfall muss die Insulinbehandlung mit dem
Tierarzt abgesprochen werden.

Bewegung
Ein Mangel an Bewegung ist eine der Hauptursachen für einen Typ-2-Diabetes. Entsprechend
wichtig ist es vor allem für Patienten mit diesem Diabetestyp, sich ausreichend zu bewegen.
Körperliche Aktivität senkt nicht nur akut den Blutzuckerspiegel, sie verbessert auch die
Insulinempfindlichkeit der Zellen. Da dieser Effekt aber wieder nachlässt, ist regelmäßiges
Bewegen wichtig. Regelmäßige und vor allem gleichbleibende körperliche Belastung senkt
den Insulinbedarf und fördert natürlich zusätzlich den Gewichtsverlust, was bei einem
übergewichtigen Tier den Diabetes zusätzlich bessern kann. Wichtig ist auch hier, jeden Tag
möglichst die gleichen Bewegungszeiten und das gleiche Bewegungspensum einzuhalten, um
größere Schwankungen des Blutzuckerspiegels zu vermeiden.

Stress + Krankheiten
Bitte beachten Sie, dass Stress und Krankheiten den Diabetes verschlimmern und den
Insulinbedarf erhöhen. Stress für das erkrankte Tier sollte man daher unbedingt vermeiden
und bei Krankheitsanzeichen sofort einen Tierarzt zu Rate ziehen.


Denken Sie immer daran: Die Diabetes-Therapie ist eine lebensrettende Maßnahme! Und Ihre
Mühe wird sich lohnen, denn gut eingestellt, kann Ihr vierbeiniger Freund ein fast normales
Leben führen und noch viele schöne, gemeinsame Jahre mit Ihnen genießen!

Sie verlassen jetzt unsere Website

Bitte beachten Sie, dass dieser Link eine Website öffnet, für deren Inhalt die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH nicht verantwortlich ist und auf die unsere Datenschutzbestimmungen keine Anwendung finden. weiter