Diabetes mellitus bei Hund und Katze

Enormer Durst, häufiges Wasserlassen, Heißhungerattacken, Abnehmen trotz großem Appetit - dies können Anzeichen für die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus sein, einer Hormonstörung mit ernsthaften Folgen, die sich heute jedoch gut nachweisen und behandeln lässt.

Etwa 40 000 Hunde und Katzen in der Bundesrepublik sind zuckerkrank (ca. 1 %). Diabetes mellitus, auch Hyperglykämie genannt, ist damit die häufigste endokrine (hormonell bedingte) Erkrankung bei Hund und Katze. Es erkranken Tiere jeden Alters und Geschlechts.

Diabetes Mellitus Katze
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Allerdings tritt die Erkrankung vornehmlich im mittleren bis fortgeschrittenen Alter auf. Unkastrierte Hündinnen erkranken viermal häufiger als Rüden und vielfach wurde eine Rassedisposition (besonders betroffene Rassen) bei Pudel, Dackel, Terrier sowie Spitz beobachtet. Auch erbliche Faktoren, andere Krankheiten und Umwelteinflüsse (z.B. Stress) spielen bei der Entstehung von Diabetes mellitus eine Rolle.

Was bedeutet "zuckerkrank"?

Die tägliche Nahrung von Hunden, Katzen wie auch bei Menschen wird im Darm erst in ihre Einzelbestandteile zerlegt, bevor sie im Körper verwertet werden kann. Kohlenhydrate werden vorwiegend zu Glucose (kleine Zuckerbausteine) abgebaut, die dann aus dem Darm resorbiert wird, d.h. sie gelangt ins Blut. Glucose ist der Hauptenergielieferant für die einzelnen Zellen und damit für den gesamten Organismus.Um diese Energie in die Zelle zu bekommen, wird ein Hormon benötigt: das Insulin. Ist kein oder zu wenig Insulin vorhanden, kann Glucose nicht in die Zellen aufgenommen werden und reichert sich im Blut an.
Zuviel Glucose im Blut bedingt dann die Zuckerkrankheit, Diabetes mellitus.

Ursache hierfür ist in den meisten Fällen eine erkrankte Bauchspeicheldrüse, die als Produktionsort des Insulins nicht genügend Insulin herstellt und ausschüttet. Beim Menschen, seltener jedoch bei unseren Haustieren, gibt es auch den sogenannten "Typ 2" - Diabetes, bei dem zwar genug Insulin vorhanden ist, die Zellen aber nicht darauf ansprechen. Der Effekt ist der gleiche: Nach der Mahlzeit flutet Zucker im Blut an, kann jedoch nicht in den Zellen verbrannt werden, und es entsteht ein Energiedefizit.

Die Tiere haben dadurch ein ständiges Hungergefühl, fressen mehr (Polyphagie), nehmen trotzdem ab und ihr Allgemeinzustand verschlechtert sich zusehens, da der Körper nicht in der Lage ist, die zugeführte Energie zu verarbeiten. Der Blutzuckerspiegel steigt weit über den Normalwert von 100 mg/dl (7 mmol/l) an. Sobald die Glucoseschwelle der Niere überschritten wird erfolgt eine Ausscheidung mit dem Urin (Glucosurie). Mit der überschüssigen Glucose wird vermehrt Wasser mit dem Urin ausgeschieden (Polyurie), so daß eine Dehydratation (Austrocknung) einsetzt, die durch vermehrte Wasseraufnahme wettgemacht wird (Polydypsie). Das Durstgefühl wird durch die erhöhte Blutviskosität noch verstärkt, da der Körper versucht, sein eingedicktes Blut zu verdünnen. Der überschüssige Zucker im Urin hat der Krankheit auch ihren Namen gegeben: mellitus (lateinisch) = mit Honig versüßt, Diabetes (griechisch) = Durchfluss. Nicht nur der Kohlenhydratstoffwechsel, sondern auch der Fett- und Eiweißstoffwechsel sind bei der Zuckerkrankheit durch den Insulinmangel beeinträchtigt.

So können durch eine Entgleisung des Fettstoffwechsels saure Reste, sogenannte Ketonkörper entstehen, die sich im Blut ansammeln und zu schweren, lebensbedrohlichen Vergiftungserscheinungen (Ketoazidosen) führen können. Massive Verschiebungen im Elektrolythaushalt, Erbrechen, Durchfall, Maulschleimhautulzera, Harnwegsinfektionen, Dehydratation, erhöhte Thromboseneigung, trockenes, stumpfes Fell, Linsentrübung (diabetischer Katarakt beim Hund), Lebervergrößerung und -verfettung, Ikterus, allgemeine Schwäche, Lethargie, erhöhte Infektanfälligkeit und Lähmungserscheinungen der Hintergliedmaßen ("bärentatziger" Gang) und des Schwanzes sind weitere Folgen eines krankhaft erhöhten Blutzuckerspiegels.
Die klinischen Symptome können bis hin zum diabetischen Koma und frühzeitigen Tod des Tieres führen.
Falls ihnen deutliche Veränderungen, wie oben beschrieben, über mehrere Tage hin auffallen, sollten sie umgehend ihren Tierarzt aufsuchen.

Durch entsprechende Blut- und Urinuntersuchungen kann er feststellen, ob ihr Tier an Diabetes erkrankt ist oder ob eventuell andere Krankheiten hinter den Symptomen stecken, und gezielt therapieren.

Diagnose, Therapie und wichtige Verhaltensregeln

Die Aussichten für einen zuckerkranken Hund bzw. eine zuckerkranke Katze sind von vielen Faktoren abhängig, vor allem aber von der Ursache des Insulinmangels, von der frühzeitigen Erkennung und von der kontinuierlichen Behandlung (wie beim Mensch muss täglich Insulin gespritzt werden, die Insulinsubstitution über Tabletten hat sich leider nicht bewährt).
Je nach Gesundheitszustand ihres Tiers wird der Tierarzt erst einmal stabilisierend vorgehen, d. h.  Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Azidoseausgleich durch gezielte Medikamente und Infusionen.

Diabetes Mellitus Hund
Diabetes mellitus - für Dackeldame "Brazil" kein Grund zum Durchhängen!

Im 2. Schritt schließt sich die Einstellung auf die pro Tag benötigte Insulinmenge an. Dafür erstellt der Tierarzt ein Glucosetagesprofil: Blutentnahme morgens für den Nüchternglucosewert. Dann folgen Insulininjektion und Fütterung. Anschließend wird alle 2 - 3 Stunden wiederholt der Blutzuckerspiegel bestimmt. Anhand all dieser Werte kann die für ihr Tier optimale Insulinmenge ermittelt werden. Ab diesem Punkt sind sie gefordert.

Sie müssen nun lernen ihr Tier selbst zu spritzen. Keine Angst, die Technik der subkutanen Injektion, also unter die Haut, ist gut zu erlernen und den kleinen Pieks der ganz feinen Nadel wird ihr Tier, wenn überhaupt, kaum spüren. Außerdem gibt es den Insulinpiekser ja in Verbindung mit dem Futter, so dass sich die Tiere gern kooperativ zeigen. Auch stehen der Tiermedizin mittlerweile gute Depot-Insuline zur Verfügung, die eine einmalige Insulingabe am Tag ausreichend machen.

Sobald ihr Vierbeiner auf seine täglich benötigte Insulinmenge eingestellt ist, werden sie die ersten Anzeichen der Besserung sehr schnell erkennen: Die Wasseraufnahme und -ausscheidung normalisiert sich, das Tier wird wieder lebhafter und das Fell bekommt seinen Glanz zurück. Kontrollen der Harn- und Blutzuckerwerte werden, wenn auch nicht mehr ganz so oft, weiterhin nötig sein (bei stabilen Patienten zweimal im Jahr), denn der Bedarf an Insulin unterliegt Schwankungen und ist damit Anpassungen unterworfen. Das Leben für ihren vierbeinigen Freund wird sich zu diesem Zeitpunkt aber bereits weitgehend normalisiert haben.

Eine entscheidende Rolle für den Behandlungserfolg spielt ein disziplinierter und regelmäßiger Lebensstil, d.h. gleichbleibende Fütterungszeiten (in der Regel morgens zu einer bestimmten Uhrzeit und 7,5 - 8 Stunden später am Nachmittag , Extramahlzeiten und Leckerchen zwischendurch sind zum Wohle ihres Tieres tabu!), konstante Qualität und Quantität des Futtermittels, regelmäßige und vor allem gleichbleibende körperliche Belastung (Bewegung senkt den Insulinbedarf) und möglichst wenig Stress (Stress und Krankheiten verschlimmern den Diabetes und erhöhen den Insulinbedarf).

Die Verabreichung des Insulins erfolgt morgens während oder direkt nach der Fütterung. Gerade bei Katzen und den schlechten Fressern unter den Hunden ist es ratsam, erst den Appetit zu beobachten und davon die Insulindosis abhängig zu machen. Frisst der Patient nur die Hälfte seiner Futterration, sollte nämlich auch die Insulindosis auf 50 % reduziert werden, verweigert er die Futteraufnahme gänzlich, unterbleibt die Insulininjektion.

Sollten sie trotzdem einmal zuviel Insulin gespritzt haben und ihr Vierbeiner mit einer Hypoglykämie, also Unterzuckerung, reagieren, sind sofort Notfallmaßnahmen nötig. Bei zu niedrigen Blutzuckerwerten erhält das Gehirn nicht genug Energie, als Folge davon drohen Schock und Koma. Bieten sie ihrem Tier deshalb bei den ersten Anzeichen wie Unruhe, Zittern, Bewegungsstörungen, Schwäche, Orientierungslosigkeit oder erhöhter Herzfrequenz Futter an. Bei Futterverweigerung ist so schnell wie möglich Zucker-, Traubenzucker- oder Glucoselösung einzugeben. Hat sich der Patient erholt, erhält er für den Rest des Tages mehrmals kleinere Futtermengen bis die Insulinwirkung nachlässt. Darüber hinaus sollten sie ihren Tierarzt zu Rate ziehen. Auch im Krankheitsfall, vor allem bei Erbrechen oder Durchfall muss die Insulinbehandlung mit dem Tierarzt abgesprochen werden. Meistens braucht ein zuckerkrankes Tier zeitlebens seine tägliche Insulininjektion.

Anders verhält es sich, wenn eine andere Grundkrankheit oder eine Störung der Sexualhormone Auslöser des Diabetes ist. So können z. B. Unregelmäßigkeiten im Brunstzyklus und hormonelle Läufigkeitsunterdrückung durch langanhaltenden Progesteroneinfluß die Zuckerkrankheit verursachen. Aus diesem Grund spielen ältere, unkastrierte Hündinnen eine relativ große Patientengruppe. Im frühen Stadium ist solch ein Diabetes reversibel, später wird die Störung permanent. Der Tierarzt wird die Hündin stabilisieren, auf Insulin einstellen und dann kastrieren. Nach dem operativen Eingriff wird regelmäßig eine Blutzuckerkontrolle durchgeführt.
Ist der Diabetes rechtzeitig erkannt worden, kommt die Hündin eventuell bereits nach wenigen Wochen wieder ohne Insulin aus.

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