Der tierheimhund

Verhalten und Erziehung

Die Tierheime sind voll von süßen, hübschen, niedlichen, mitleiderregenden, schönen, tollen oder einfach nur traurig schauenden Hunden. Alles Dinge, um uns ganz schnell sagen zu lassen: "Der muss es sein!".

Wer sich einen Hund aus dem Tierheim holt, tut auf jeden Fall eine gute Tat. Denn er will sich in Zukunft um ein Wesen kümmern, das keiner mehr haben wollte, das man im Stich gelassen, vielleicht sogar misshandelt hat. Aber selbst, wenn dem Tier nichts Schreckliches passiert ist, wenn es "nur" allein gelassen und abgeschoben wurde, es versteht auf jeden Fall die Welt nicht mehr und ist völlig verunsichert.

Und leider können Hunde ja nicht reden, um uns mitzuteilen, was sie hinter sich haben, welche Ängste und Sorgen sie belasten und welche Art Herrchen oder Frauchen sie sich wünschen. Treffen sie die Entscheidung für den "Richtigen" deshalb nicht leichtfertig und nur nach dem ersten, äußeren Eindruck. Gehen sie stattdessen immer wieder mit ihrem Favoriten spazieren, "testen" sie ihn in allen möglichen Alltagssituationen, lernen sie ihn in aller Ruhe kennen und versuchen sie, sein Vertrauen zu gewinnen.

Natürlich kann man so nicht völlige Sicherheit erlangen, aber man kann das Risiko in den meisten Fällen zumindest einschätzen. Seien sie sich auch darüber im Klaren, dass ein Tierheimhund noch mehr Liebe, Verständnis, Einfühlungsvermögen und Geduld braucht als ein "normaler" Hund, dass es immer wieder Situationen geben wird, in denen er ganz unerwartet reagiert, sie ihn nicht verstehen und hilflos sind, vielleicht sogar professionelle Hilfe brauchen.

Wenn sie Glück haben, haben sie mit ein bisschen Mühe bald schon den "besten Hund der Welt", aber es kann auch ein gutes Stück Arbeit bedeuten. Und bedenken sie die Verantwortung, die es bedeutet, ein Tier aus dem Tierheim zu holen. Denn wenn es nach ein paar Wochen doch nicht ihren Vorstellungen und Erwartungen entspricht und sie es zurückgeben, wird sein psychischer Schaden nur noch größer und die Chance auf eine erfolgreiche Vermittlung noch kleiner sein.

Im Anschluss aber eine "Tierheimstory mit Happy End" - um ihnen zu zeigen, dass sich Liebe und Konsequenz bezahlt machen können:

Der Tierheimhund
Aus welchen Gründen "Strolch" zum unberechenbaren Angstbeißer wurde, konnte er seinem Frauchen leider nicht erzählen.Gemeinsam mit seiner neuen Besitzerin bekam er das Problem jedoch in den Griff. Nachdem der Rüde mit dem betörenden Blick wieder Vertrauen zu Menschen gefasst hat, gibt es keinen Grund zum Zuschnappen mehr. 

Zwei Jahre war ich ohne vierbeinigen Freund, bis der Wunsch, einem Tier ein Zuhause zu geben, immer größer wurde. Also ging ich in ein Tierheim und entschied mich für den zweijährigen Schnauzer-Terrier-Mischling "Strolch". "Er bleibt nicht allein" wurde mir gesagt, aber sonst hatte er sich im Tierheim als lieber Hund ohne Probleme präsentiert. Den Hund allein zu lassen, kann ich üben, dachte ich mir. Immerhin war er mein insgesamt vierter Hund und ich fühlte mich nicht als Anfänger. Ich sollte eines Besseren belehrt werden. 

Mein "ganz lieber Hund" entpuppte sich sehr schnell als ziemlich kämpferisch. Nach allem und jedem biss er und außer den Familienmitgliedern durfte keiner in seine Nähe. Vor lauter Angst griff er sofort alles Fremde an. Ich war sehr unglücklich und stand vor der Entscheidung, "Strolch" wieder ins Tierheim zu geben. Jeder Spaziergang war alles andere als Freude, ständig musste ich aufpassen, dass mein Hund niemanden biss. Und es gab leider mehrere Opfer - zwei- und vierbeinige. Trotzdem viel mir die Trennung schwer: dieser herzerweichende Blick, mir tat er ja auch nichts, obgleich er mir sein Herz noch nicht geschenkt hatte. Statt Zuneigung und Vertrauen beherrschten "Strolch" Angst, Argwohn und Misstrauen. Er tat mir leid und ich entschied mich für dieses verstörte und vielleicht sogar gestörte Wesen. Wir gingen gemeinsam in die Hundeschule und mussten sehr viel lernen - vor allem ich!

Ich kann meinen Hund jetzt besser einschätzen und verstehen. Und er hat gelernt, andere Lebewesen, ob Mensch oder Tier, zu akzeptieren. Er hat mittlerweile sogar vierbeinige Freunde, mit denen er spielt, nur bei anderen Rüden muss ich noch sehr aufpassen. Ich muss überhaupt immer sehr auf der Hut sein, vorausschauend denken und sehr konsequent und streng mit meinem "Strolch" umgehen, auch wenn es manchmal schwer fällt. Aber er hat mir dafür das größte Geschenk gemacht - er hat mir seine Liebe und Anhänglichkeit, sein Herz geschenkt!

Sie verlassen jetzt unsere Website

Bitte beachten Sie, dass dieser Link eine Website öffnet, für deren Inhalt die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH nicht verantwortlich ist und auf die unsere Datenschutzbestimmungen keine Anwendung finden. weiter