Canines Herpesvirus beim Hund 

„INFEKTIÖSES WELPENSTERBEN“

Canines Herpesvirus
Mütterliche Antikörper und eine schön warme Welpenbox sind der beste Schutz gegen das „infektiöse Welpensterben“.

Das canine Herpesvirus (CHV-1) ist der bedeutendste Erreger von Fruchtbarkeitsstörungen beim Hund. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt sich die Zuchthündin mit dem Herpesvirus infiziert, variiert das Krankheitsbild: Früh- und Totgeburten bzw. lebensbedrohliche Allgemeininfektionen der jungen Welpen mit hoher Sterblichkeitsrate.

Vorkommen
Erstmals wurde die Erkrankung 1965 im Zusammenhang mit schweren Infektionen von neugeborenen Welpen in den USA entdeckt. In Europa liegt die Infektionsrate mittlerweile bei 40-88%. In Deutschland beträgt sie 22-40%. Zahlen, die zeigen, dass man die Herpesvirusinfektion nicht unterschätzen sollte. Vor allem in Hundezuchten ist das Herpesvirus von Bedeutung und kann eine große Bedrohung für neugeborenen Welpen darstellen. So kommen in infizierten Zuchten Sterblichkeitsraten von bis zu 80 % vor. Aus diesem Grund wird die Erkrankung auch als „infektiöses Welpensterben“ bezeichnet.

Am häufigsten erkranken Welpen im Alter von 1-3 Wochen, da sie in diesem Alter ihre Körpertemperatur noch nicht selbst kontrollieren können und leicht unterkühlen. Dies sind für das Virus die besten Voraussetzung für eine sehr rasche Vermehrung mit entsprechend gravierenden Folgen. Im Labor besitzt das CHV-1 ein Temperaturoptimum von 35-36°C. Bei 38-39°C ist die Virusvermehrung dagegen etwa 100-1000fach herabgesetzt, so dass die Gewährleistung einer Temperatur von 38°C in den Wurfboxen zwar eine Infektion der Welpen nicht verhindert, die Vermehrung des Virus ist dann aber soweit gedrosselt, dass es in der Regel nicht zum Ausbruch der Erkrankung kommt.

Übertragung

Erwachsene Hunde stecken sich durch direkten Kontakt über den Nasen-Rachen-Raum an, seltener ist die Ansteckung beim Deckakt. Meist kommt es dann zu einer latenten Infektion ohne erkennbare klinische Symptome. CHV-1 ist jedoch in der Lage, sich in bestimmten Teilen des Nervensystems so zu verstecken, dass es vom körpereigenen Immunsystem unerkannt bleibt und dadurch auch nicht bekämpft wird.

Stresssituationen wie eine Geburt können das Virus jedoch reaktivieren. Es wird dann über Körpersekrete (Vaginal-, Mund-, Augen- und Nasensekret) ausgeschieden. Die Welpen nicht immuner Hündinnen infizieren sich dann entweder bereits in der Gebärmutter (intrauterin), während der Geburt oder horizontal über andere Welpen. Hat die Hündin Antikörper durch vorausgegangene Infektionen oder Impfungen sinkt das Risiko für die Welpen, an der Herpesvirusinfektion zu erkranken. Antikörper über die Muttermilch können die Welpen schützen.

Symptome

Stecken sich erwachsene Tiere nasal über den Nasen-Rachen-Raum an, zeigen sie in der Regel milde Erkältungssymptome der oberen Atemwege, die allerdings durch das Hinzukommen von anderen Viren und Bakterien verstärkt werden können (CHV-1 gehört zu den Primärerregern des Zwingerhustenkomplexes).
Eine frische Infektion über den Deckakt äußert sich bei der Hündin durch eine vaginale Infektion besonders in Form von Bläschen. Beim Rüden treten lokale Entzündungen am Penis und der Vorhaut auf.

Werden Hündinnen während der Trächtigkeit mit dem Herpesvirus infiziert, überstehen sie selbst die Infektion in der Regel problemlos. Gefährlich ist das Virus aber für die ungeborenen Welpen, denn die Infektion kann zu Früh- und Totgeburten führen. Auch zukünftige Fruchtbarkeitsstörungen der Hündin sind möglich. Häufiger als Aborte ist jedoch die Infektion der jungen Welpen während der Geburt.

Infizierte Welpen zeigen nach einer Inkubationszeit von etwa 7 Tagen Appetitlosigkeit, Erbrechen und gelbgrünen bis blutigen Durchfall als erste Symptome. Kurze Zeit später verweigern die Welpen das Saugen ganz, aufgrund starker Bauchschmerzen wimmern sie und strampeln mit den Beinen. Meist treten auch Atembeschwerden auf und die Kleinen verlieren rasch an Gewicht. Nach etwa 2 Tagen versterben die Welpen dann an einem Multiorganversagen. In Ausnahmefällen können die Welpen auch genesen. Bei diesen Tieren treten als Folgeerscheinungen vereinzelt Taubheit, nervöse Störungen, Blindheit und Augenveränderungen auf.

Therapie

Leider kann man das Herpesvirus nicht direkt bekämpfen. Eine geringe Überlebenschance haben erkrankte Welpen, wenn man die Krankheit rechtzeitig erkennt und sie sofort in eine warme Umgebung (min. 38,5°C) bringt, um ihre Körpertemperatur konstant zu halten. Zusätzlich erfolgt symptomatische Behandlung.

Tiere, die die Herpesvirusinfektion überstehen, bleiben aber lebenslang Träger des Virus (vergleichbar mit der Lippenherpesvirusinfektion des Menschen). Durch Stress (z.B. durch Ausstellungen, Geburt, andere Erkrankungen o.ä.) kann es dann jederzeit zu einer Reaktivierung und Ausscheidung des Erregers kommen und damit verbunden zur Ansteckungsgefahr für andere Hunde. Dies macht diese Virusinfektion so heimtückisch.

Prophylaxe

Mittlerweile gibt es einen sogenannten Muttertierimpfstoff. Die Hündinnen werden damit zweimal geimpft und entwickeln so die schützenden Antikörper, die dann über die Muttermilch auf die Welpen übertragen werden und diese zuverlässig vor einer Erkrankung schützen. Die 1. Impfung kann während der Läufigkeit oder sieben bis zehn Tage nach dem Decktermin erfolgen. Die 2. Impfung ist dann 1-2 Wochen vor dem erwarteten Geburtstermin fällig. Dieses Impfschema muss bei jeder Trächtigkeit wiederholt werden.
Besonders ratsam ist die Muttertierimpfung, wenn die Zuchthündin viel Kontakt zu Fremdhunden hat.

Ein weiterer positiver Effekt der Impfung ist, dass sich bei geimpften Hündinnen die Trächtigkeitsraten und vor allem die Zahl aufgezogener Welpen erhöhen, wie Studien zeigen konnten.

Sie verlassen jetzt unsere Website

Bitte beachten Sie, dass dieser Link eine Website öffnet, für deren Inhalt die Boehringer Ingelheim Vetmedica GmbH nicht verantwortlich ist und auf die unsere Datenschutzbestimmungen keine Anwendung finden. weiter