Angst vorm Tierarztbesuch - das muss nicht sein!

Wer geht schon gerne zum Arzt? Da unterscheiden sich unsere Vierbeiner nicht von ihren zweibeinigen Besitzern. Aber - dass der Besuch beim Tierarzt mit Angst und Schrecken verbunden ist, ist in der Regel wirklich nicht nötig.

Der Tierarztbesuch sollte daher gut geplant und vorbereitet sein.

Der 1. Schritt für einen entspannten Tierarztbesuch ist das Trainieren von Anfassen und Untersuchen in gewohnter häuslicher Umgebung. Ein Tier, das gewohnt ist, sich von verschiedenen Personen überall anfassen zu lassen, wird auch von der tierärztlichen Untersuchung nicht in Panik geraten. Sinnvoll ist es, das Tier auch zu Hause auf einem Tisch zu untersuchen bzw. auch zu kämmen oder zu pflegen, so dass auch dies ganz selbstverständlich wird. Auch kurzes Festhalten sollte, besonders bei Katzen, regelmäßig geübt werden. Ganz wichtig dabei: ganz viel Lob und Leckerchen, damit es zu einer positiven Rückkopplung kommt.

Schritt 2 ist das frühzeitige Gewöhnen an die Transportbox und das Autofahren. Beides sollte nicht nur für die Fahrt zum Tierarzt benutzt werden, damit gar nicht erst eine negative Verknüpfung entstehen kann. Lassen Sie daher das Transportbehältnis offen in der Wohnung stehen oder beziehen Sie es noch besser als Liegeplatz oder „Höhle“ mit ein. Loben und belohnen Sie Ihr Tier, wenn es sich dort aufhält und tragen Sie es ruhig einmal mit der Transportbox in der Wohnung herum oder nehmen Sie Ihren Vierbeiner auf kurzen Autofahrten mit. Hunde kennen das Autofahren meist gut und freuen sich, wenn sie mit dürfen, aber für andere Tiere kann es etwas Ungewohntes und dadurch Angsteinflößendes sein. Starten Sie die Konditionierung mit kurzen Fahrten und viel Lob und Belohnung und steigern Sie langsam die Distanzen, damit sich Ihr Tier gut eingewöhnen kann. Auch eventuelle Übelkeit beim Autofahren wird so meist vermieden. Manchmal kann es hilfreich sein, den Vierbeiner nicht nur mit Leckerchen nach der Autofahrt zu belohnen, sondern ruhig zwischendurch auch einfach mal den Futternapf ins Auto zu stellen und dort zu füttern, damit das Auto mit Freude und Wohlbehagen verbunden wird.

Angst vorm Tierarztbesuch – das muss nicht sein!
Freudiges Warten auf das wohlverdiente Leckerchen nach dem Tierarztbesuch!

Schritt 3: Besuche in der Tierarztpraxis ohne medizinische Notwendigkeit. Nehmen Sie Ihr Tier ruhig auch dann mit, wenn Sie nur eine Entwurmung, ein Floh- und Zeckenmittel o.ä. brauchen, und lassen Sie Ihrem Tier bei dieser Gelegenheit Zeit, sich in Ruhe in der Praxis umzuschauen. Auch der Kontakt zu Tierarzthelferin und Tierarzt kann hierbei trainiert und mit einem positiven Erlebnis verbunden werden – für Streicheleinheiten und Leckerli sind doch die meisten Vierbeiner immer zu haben. Starten Sie mit diesen Übungseinheiten so früh es geht, denn alle Erfahrungen in der Präge- und Sozialisierungsphase (Hunde bis zur 16. Lebenswoche, Katzen bis zur 12. Lebenswoche) werden intensiv und langanhaltend verknüpft. D.h. Welpen sollten bereits positive Erfahrungen in der Tierarztpraxis gemacht haben, bevor es eventuell zur ersten Spritze geht. Viel Zeit und Ruhe und eine spielerische „Probeuntersuchung“ sollten hierbei eingeplant sein. Ihr Praxisteam wird Sie hierbei gerne unterstützen, denn es freut sich auch auf entspannte, schwanzwedelnde oder schnurrende Patienten in der Zukunft.

Schritt 4 richtet sich nun an den Tierbesitzer, denn ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Stressentstehung beim Tierarzt ist die Stimmungsübertragung vom Tierbesitzer auf sein Tier – hier heißt es lernen, die eigene Nervosität zu steuern. Herrchen oder Frauchen übertragen nämlich häufig durch nervöses Streicheln und tröstende Worte enorme Unsicherheit auf ihre Tiere.

Zudem wird durch Trösten dem ängstlichen Verhalten Aufmerksamkeit geschenkt und dies positiv bestätigt, wodurch die Angst weiter verstärkt und unterstützt wird. Das Gleiche gilt für Übersprungshandlungen, wie z.B. Lecken, Winseln, Maunzen, Speicheln, Hecheln, Zittern oder Bellen. Reagiert der Tierbesitzer darauf in jeglicher Art – Ansprechen, Anfassen, Anschauen – wird das gerade gezeigte Verhalten bestärkt und dadurch gefördert. Die Vierbeiner lernen, dass sich solch negatives Verhalten lohnt, so dass sich das Verhalten in Zukunft noch intensiviert und noch schneller bzw. häufiger gezeigt wird. Tröstende Worte oder sonstige Aufmerksamkeit führen somit zur Verschlechterung der Situation. Nicht selten resultieren hieraus starkes Fluchtverhalten oder Panik bis hin zur Aggressivität. Wünschenswert, da zielgerichtet, wäre hier vielmehr das Ignorieren von negativem bzw. ängstlichem Verhalten und ein Belohnen positiver Verhaltensweisen wir z.B. ruhiges Sitzen oder Liegen, entspanntes Kopfablegen oder ruhiges Atmen. Ferner sollte ein zur Beruhigung eingesetztes Streicheln auch wirklich der Beruhigung des Tieres dienen und kein Überspielen der eigenen Nervosität und Unsicherheit sein. Hilfreicher ist es, dem Tier durch eine gewisse Ignoranz – z.B. durch Lesen oder Unterhalten mit anderen Tierbesitzern - zu signalisieren, dass alles in bester Ordnung ist. Souveränität des Besitzers vermittelt dem Vierbeiner Sicherheit!

Der letzte Punkt, Schritt 5, ist nun ein einfühlsames Praxisteam. Ruhe, Zeit und ein möglichst schnelles, routiniertes Handel ohne Hektik beruhigen die Situation enorm. Bei ängstlichen Patienten sollten lange Wartezeiten durch einen festen Termin oder das Warten im Auto vermieden werden. Eine gute Absprache zwischen Besitzer und Tierarzt ermöglicht darüber hinaus in der Regel eine zügige Behandlung mit möglichst wenig Manipulationen oder Zwangsmaßnahmen. Katzen oder Heimtieren wird die Untersuchung oft erleichtert, wenn sie ihren Kopf z.B. unter einem Handtuch oder dem Arm des Besitzers verstecken können. Geben Sie Ihrem Tier auch ruhig während der Behandlung schon ein Leckerli, wenn es etwas gut gemacht hat, schön ruhig hielt oder klaglos eine eventuell unangenehme oder gar schmerzhafte Behandlung ertragen hat. So wird mit der unangenehmen Situation sofort etwas Angenehmes verknüpft und eine positive Konditionierung erfolgt. Da nicht die Person, sondern die Situation mit der Belohnung und einer angenehmen Emotion verbunden werden soll, ist es unwichtig, wer hierbei die Belohnung an das Tier verteilt. Trotzdem ist auch das Leckerchen am Ende der Behandlung durch den Tierarzt wichtig, um eine persönliche positive Erinnerung zu hinterlassen.

Sie sehen, mit vereinten Kräften und dem nötigen Training ist es durchaus möglich, dass zwischen Patient und Tierarzt bzw. Tierarztpraxis ein gutes Verhältnis entsteht – und nicht selten entstehen wahre Freundschaften!

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