Erste Hilfe bei Hund und Katze

Schnelle Hilfe ist in Notfallsituationen ganz entscheidend! Aber es muss auch die richtige Hilfe sein, denn durch Übereifer oder die falschen Maßnahmen kann man auch schnell etwas verschlimmern. Deshalb ist es so wichtig, sich schon im Vorfeld zu informieren und vorzubereiten, damit man im Notfall schnell und richtig handeln kann.

TEIL 4 – Sofortmaßnahmen in konkreten Notfallsituationen

Fremdkörper im Schlund

Wenn ein Tier etwas verschluckt, das seine Atemwege blockiert, droht ohne lebensrettende Sofortmaßnahmen der Erstickungstod – hier muss ganz rasch gehandelt werden!

Symptome:

  • würgen, Speicheln, leeres Schlucken
  • das Tier versucht zu erbrechen
  • laute Atemgeräusche, Atemnot 

Sofortmaßnahmen: 


  • wenn der Fremdkörper noch im Rachenraum steckt:
    • zur eigenen Sicherheit evtl. ein Holzstück zwischen Ober- und Unterkiefer platzieren, dann
      Fremdkörper manuell entfernen
  • wenn der Fremdkörper bereits tiefer steckt:
    • mit dem flachen Handballen fünfmal kräftig zwischen die Schulterblätter des Tieres
      schlagen, um den Fremdkörper zu lockern, dann
  • bei kleinen Hunden bzw. Katzen:
    • das Tier an den Hinterfüßen packen und vorsichtig nach unten schütteln
  • bei großen Hunden:
    • den Hund hinter dem Brustkorb hochheben und vorsichtig den Oberkörper nach unten
      schütteln
    • sofort prüfen, ob der Fremdkörper sichtbar wird, und wenn ja, unverzüglich entfernen,
      damit das Tier ihn nicht nochmals verschluckt
  • Wenn der Fremdkörper die Atemwege komplett verlegt hat:
    • das Tier kann nicht mehr atmen, bekommt keinerlei Luft mehr 
    • kann nicht einmal mehr husten
    • droht zu sterben – akute Erstickungsgefahr 
    • dann müssen die Atemwege mit dem Heimlich-Griff sofort freigemacht werden!
    • Der Heimlich-Griff wurde als Sofortmaßnahme in der Humanmedizin entwickelt und wird bei akut drohender Erstickung durch einen Fremdkörper eingesetzt:
      - das Tier auf seine rechten Seite legen
      - mit dem flachen Handballen fünfmal kräftig zwischen die Schulterblätter des Tieres schlagen, um den Fremdkörper zu lockern
      - Ziel ist nun, durch eine Kompression des Bauchraums eine Druckerhöhung in der Lunge zu erzielen, die den Fremdkörper mit der entweichenden Luft aus der Luftröhre befördert. Legen Sie dazu Ihre Hand mit dem Handballen hinter das Brustbeines bzw. hinter dem
      Rippenbogen auf den Bauch des Tieres und lösen Sie durch einen stoßartigen Druck Richtung Zwerchfell eine Schubbewegung nach vorne aus. Bei großen, kräftigen Hunden kann auch die zweite Hand mit auf die erste Hand drücken. Den Griff evtl. mehrmals wiederholen (max. 5mal, der Brustkorb selbst soll dabei nicht zusammengedrückt werden)
      - nach jeder Durchführung sollte überprüft werden, ob der Fremdkörper sich schon gelöst hat.
      - sollte der Fremdkörper sich zwar gelöst haben, aber noch nicht vollständig herauskommen, nimmt man kleine Tiere - wie oben schon beschrieben - vorsichtig an den Hinterfüßen und schüttelt sie vorsichtig nach unten. Große Hunde hebt man hinter dem Brustkorb hoch und schüttelt den Oberkörper vorsichtig nach unten.
      - auch wenn der Fremdkörper draußen ist, muss der Patient umgehend zum Tierarzt, denn durch die ruckartigen Stöße beim Heimlich-Griff kann es zu inneren Verletzungen kommen – dies muss unbedingt kontrolliert und gegebenenfalls behandelt werden!!!
      Ein solches Risiko wird jedoch aufgrund der akuten Lebensgefahr durch Ersticken in Kauf genommen. 
    • WICHTIG!!!
      Der Heimlich-Handgriff arbeitet mit Luftdruck und darf und kann nur angewendet werden, wenn die Luftröhre wirklich vollständig blockiert ist. Wenn die Luftröhre noch teilweise offen ist, das Tier noch etwas atmen kann und vielleicht sogar hustet, sollte man ihm die Chance lassen den Fremdkörper auf natürlich Weise auszuhusten - Husten ist hier die natürlichste und beste Notfallmaßnahme! Lassen Sie das Tier aber auf keinen Fall aus den Augen und halten Sie sich auf jeden Fall für die Heimlich-Methode bereit, falls sich sein Zustand verschlechtert und die Luftröhre plötzlich blockiert ist.
      Andere Bezeichnungen für den Heimlich-Griff sind Heimlich-Rettungsgriff, Heimlich-Manöver, Heimliche-Methode oder Heimlich-Handgriff.

Stromschlag

Ein Stromschlag kann bei unseren Tieren je nach Stärke sehr unterschiedliche Symptome hervorrufen. Verlaufen Berührungen eines elektrischen Weidezauns in der Regel selbst für Welpen harmlos, kann es bei stärkeren Stromquellen jedoch schnell auch zu schweren Verbrennungen bis hin zum lebensgefährlichen Schockzustand kommen. Auch wenn man äußerlich nach dem Stromschlag nicht viel sehen kann, tiefer im Körper kann der Strom Schlimmeres angerichtet haben. Dies gilt besonders, wenn der Strom durch das Herz geleitet wurde. Dann können lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen auftreten – z.B. Kammerflimmern, die häufigste Ursache für Todesfälle nach Stromunfällen. Da Herzrhythmusstörungen auch noch Stunden nach dem Stromschlag auftreten können, sollte man das Tier unbedingt beim Tierarzt kontrollieren und kardiologisch überwachen lassen.

Typische Gefahrenquellen für Stromschläge sind:

  • Biss in ein Stromkabel
  • Herumnagen an Elektrogeräten
  • Aufbeißen oder Aufkratzen von Steckdosen
  • Berührung mit elektrischen Weidezäunen

Symptome:

  • Verbrennungen
  • Zittern, Krämpfe
  • Schock
  • schlimmstenfalls Herzstillstand

Sofortmaßnahmen:

WICHTIG!!! Falls nötig zuerst den Stromkreis unterbrechen - also Stecker ziehen, Gerät ausschalten oder Sicherung herausnehmen, denn sonst besteht die Gefahr, dass auch der Helfer einen Schlag bekommt.
Kann der Stromfluss nicht unterbrochen werden, dann muss das Tier mit einem Holzstiel oder einem anderen nicht-leitenden Gegenstand von der Stromquelle weg in Sicherheit gezogen werden. Vorsicht auch bei Hochspannungskabeln: hier kann der Strom auch noch aus einigen Metern Entfernung auf den Menschen überspringen!

  • bei Verbrennungen: intensives Kühlen der verbrannten Stellen
  • bei Schocksymptomatik schnellstmöglich zum Tierarzt!!!

Anzeichen eines Schocks:

  • Blutdruckabfall – der Puls wird sehr schwach
  • erhöhte Herzfrequenz
  • beschleunigte Atmung
  • Untertemperatur - kühle Haut
  • blasse Schleimhäute

Bei Schock zu beachten:

  • Tier auf die rechte Seite legen, um Herz zu entlasten, Hinterteil erhöht
  • für freie Atemwege sorgen
  • Tier in eine Decke wickeln und warm halten
  • sofort zum Tierarzt!!!
  • bei Herzstillstand sofort Herzdruckmassage:

Das Tier auf seine rechte Seite legen und Herz lokalisieren - das Herz befindet sich bei angewinkeltem linken Ellenbogen genau unter dem Ellenbogen.
Stoßartig Druck auf den Brustkorb ausüben - bei kleinen Tieren (Welpen, Katzen) je nach Größe 1-3 Finger verwenden, bei mittelgroßen eine Hand und bei großen 2 Hände, die man überkreuzt. Wenn bei größeren Tieren der Druck der Handfläche nicht ausreicht, Handballen verwenden. Auf jeden Druck folgt eine Entlastung im gleichen Rhythmus.
Frequenz: 30 Druckstöße in 20 Sekunden
So oft wiederholen, bis das Herz wieder von alleine schlägt bzw. bis professionelle Hilfe eingetroffen ist.

Augenverletzung

Bei allen Augenverletzungen ist darauf zu achten, dass das Tier das verletzte Auge durch Reiben, Scheuern oder Kratzen nicht noch mehr schädigen kann. Der Patient ist direkt in der Tierarztpraxis vorzustellen! Besonders beim Augapfelvorfall spielt der Zeitfaktor eine wichtige Rolle, weil der Sehnerv sonst irreparabel geschädigt werden kann.

Symptome:

Je nach Verletzungsursache können die Symptome sehr unterschiedlich sein und mehr oder weniger stark ausgeprägt auftreten:

  • ständiges Blinzeln, Zukneifen des Auges, Lichtscheue
  • das Tier versucht am Auge zu kratzen, reibt mit der entsprechenden Gesichtsseite über den Boden o.ä.
  • das betroffene Auge ist zugeschwollen, tränt oder blutet
  • Lidverletzungen sind äußerlich erkennbar
  • im Auge steckt ein sichtbarer Fremdkörper
  • ein Augapfel ist vorgefallen (z.B. nach Beißerei, besonders gefährdet sind die kurzköpfigen Rassen wie Mops, Pekinese, franz. Bulldoge, Shih Tzu)

Sofortmaßnahmen:

  • Fremdkörper
    • Fremdkörper, die in die Hornhaut eingedrungen sind, bitte nicht selbst herausziehen, um nicht noch größere Verletzungen zu verursachen. Sofort zum Tierarzt!
  • Verätzungen
    • Bei Verätzungen ist das Auge gründlich und minutenlang mit körperwarmem Leitungswasser zu spülen. Die verursachende Substanz ist dem Tierarzt mitzubringen, um gezielt behandeln zu können.
  • Vorfall des Augapfels
    • Bei Vorfall des Augapfels sollte das Auge unbedingt abgedeckt und gekühlt werden. Ein mit kaltem Wasser getränktes, sauberes Tuch (z. B. Geschirrtuch, Stofftaschentuch) erfüllt hier seinen Zweck. Dann auf dem schnellsten Weg zum Tierarzt!
  • Starke Blutungen   
    • Wenn Lidverletzungen allein auftreten ohne weitere Schäden am Auge (z.B. nach Beißereien), kann vorsichtig ein leichter Druckverband angebracht werden, um die Blutung zu stillen.  

Vergiftung

Das Tier ist so schnell wie möglich zum Tierarzt zu bringen, da durch den Tierhalter in der Regel keine speziellen Notfallmaßnahmen möglich sind. Um möglichst gezielt und effektiv behandeln zu können, ist es wichtig das Gift zu kennen. Bringen Sie daher alle verfügbaren gifthaltigen Substanzen, wie z.B. Restmaterial, Verpackung, Köder, Erbrochenes des Patienten o.ä. zum Giftnachweis mit!

Symptome:

Vergiftungssymptome können je nach Gift und Konzentration vielfältig und im Einzelfall sehr unterschiedlich stark aufteten:

  • Unruhe, Speicheln, Hecheln
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Bewusstseinsveränderungen, Taumeln, Krämpfe
  • Lähmungserscheinungen, Muskelzittern
  • blasse Schleimhäute (weißes Zahnfleisch)
  • Atemnot
  • Husten
  • ungewöhnliche Pupillengröße, entweder stark verengt oder auch erweitert
  • Blut im Urin
  • Blut im Kot
  • Apathie
  • Bewusstlosigkeit
  • Schocksymptome

Sofortmaßnahmen:

  • bei Kontakt zu ätzenden Substanzen:
    • äußerlich - sofort mit viel klarem Wasser spülen
    • innerlich – Maulhöhle ausspülen, schluckweise Wasser eingeben

WICHTIG!!! Niemals Erbrechen auslösen, wenn das Gift nicht bekannt ist und bei ätzenden Substanzen!

  • wenn möglich, Giftreste, Verpackung o.ä. sichern und mit zum Tierarzt nehmen!
  • sofort zum Tierarzt!!!

Für den Tierarzt sind folgende Daten ganz wichtig:

  • Welches Gift wurde aufgenommen?
  • Wann wurde das Gift aufgenommen?
  • Wieviel Gift wurde aufgenommen?
  • Existiert eine Probe des Giftes?
  • Welche Symptome zeigt das Tier?

Magendrehung

Eine Magendrehung verläuft hochakut und führt ohne Behandlung nach wenigen Stunden zum Tod des Tieres. Das Tier muss sofort operiert werden! Fahren sie unverzüglich zum Tierarzt, kündigen sie sich unbedingt vorher an, v.a. nachts, damit er alles vorbereiten und gegebenenfalls bereits ein OP-Team mobilisieren kann.

Symptome:

  • Unruhe, Hecheln, Speicheln
  • Würgen, erfolglose Versuche zu Erbrechen
  • zunehmende Aufblähung des Bauches, v.a. der rechten Bauchseite, Bauchdecke wird bretthart, gespannt und schmerzhaft (sog. „Trommelbauch“)
  • es kommt zur Abschnürung lebenswichtiger Blutgefäße – Schock droht!

Sofortmaßnahmen:

Fahren Sie sofort zum Tierarzt – auch bei Verdacht – jede Minute zählt!!!
Das Tier muss umgehend operiert werden!

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