Erste Hilfe bei Hund und Katze

Neben dem „Einmaleins der 1. Hilfe“ ist es auch wichtig

zu wissen, was man in den verschiedenen Notfallsituationen

konkret tun muss, um seinem Tier zu helfen. Die „nur“ 20-30

Minuten, die es dauern kann, bis tierärztliche Hilfe da ist,

können über Leben und Tod entscheiden bzw. für Folgeschäden

verantwortlich sein. Zögern Sie daher nicht zu handeln!





TEIL 3 – Sofortmaßnahmen in konkreten Notfallsituationen

Hitzschlag und Sonnenstich

Hitzschlag und Sonnenstich sind lebensgefährliche Notfälle!!!
Vorsicht! - Der Mensch kommt durch seine Fähigkeit zu schwitzen mit höheren Temperaturen deutlich besser zurecht als sein Hund oder auch andere Haustiere (Katze, Kaninchen, Meerschweinchen) – dies kann zu lebensbedrohenden Fehleinschätzungen führen!
Während beim Sonnenstich das Gehirn durch direkte Sonneneinstrahlung überhitzt (z.B. Anbinden des Hundes in der Sonne, kein Sonnenschutz am Strand), handelt es sich beim Hitzschlag um eine starke Überwärmung des gesamten Organismus durch die Umgebungstemperatur (z.B. übertriebenes Spielen oder Sport bei heißen Temperaturen, Verbleiben des Tiers bei sommerlichen Temperaturen im parkenden Auto). In beiden Fällen droht dem Tier ein Hitzekollaps, der durch Komplikationen wie Hirnödem und Hirnblutung tödlich enden kann. 

Symptome:

  • starkes Hecheln mit schneller, flacher Atmung
  • beschleunigter Pulsschlag
  • tiefrote Zunge, rot-verwaschene, später blasse Schleimhäute
  • glasiger Blick
  • erhöhte Körpertemperatur (beim Sonnenstich meist normale Körpertemperatur)   
  • Erbrechen
  • taumelnder Gang, Gleichgewichtsstörungen bis hin zu Bewusstseinsstörungen und Bewusstlosigkeit, Krämpfe 

Sofortmaßnahmen: 

  • das Tier umgehend an einen schattigen, gut klimatisierten Ort bringen 
  • Wasser zum Trinken anbieten – nicht eiskalt, immer wieder in kleinen Portionen
  • zur Abkühlung den Patient in nasse, kalte Tücher (z. B. Betttuch, Handtuch) wickeln (Tücher regelmäßig wieder kühlen), oder vorsichtig und langsam - an den Pfoten beginnend - mit kühlem Wasser abduschen
  • bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage, Zunge vorlagern und für freie Atemwege sorgen 
  • danach umgehender Transport unter nassen Tüchern zur Tierarztpraxis
Bildunterschrift

Bei Hitzschlag oder Sonnenstich muss man damit

rechnen, dass sich der Zustand des Tieres ganz plötzlich

verschlechtert – eine ständige Überwachung der

Vitalfunktionen ist daher lebensnotwendig!

Verbrennungen

Typische Gefahrenquellen für Verbrennungen:
Heißes Bratfett, kochendes Wasser, Kontakt mit heißer Herdplatte, Ofenrohr oder Kamin, Grill, offenes Feuer, Kerzen usw. - oder sogar Wohnungsbrand 

Symptome:

  • Rötung der Haut
  • Blasenbildung
  • Fellverlust, Verkohlung

Sofortmaßnahmen: 

  • intensive Kühlung der Verbrennung mit fließendem Wasser
  • Brandwunden mit steriler Wundauflage und Verband schützen, mit Kühlakkus weiter Kühlen während des Transports zum Tierarzt - größere Verbrennungen für den Transport zum Tierarzt mit kalten, feuchten Tüchern abdecken
  • je nach Schwere der Verbrennungen kann es zum Schockzustand kommen – daher unbedingt auf die Vitalfunktionen achten! 

Unterkühlung und Erfrierungen

Ist ein Haustier längere Zeit ohne Schutz Kälte, Frost oder eiskaltem Wasser ausgesetzt, kann es schnell zur Unterkühlung und zu Erfrierungen kommen – z.B. beim Einbrechen auf einem vermeintlich zugefrorenen See.

Symptome:

  • starkes Zittern
  • flache Atmung, schwacher Puls
  • die Pfoten fühlen sich kalt an
  • wenn das Tier insgesamt zu viel Temperatur verloren hat, können Schocksymptome bis hin zur Bewusstlosigkeit auftreten

Erfrierungen - besonders schnell betroffen sind hier Pfoten, Nase, Ohren, Schwanzspitze und auch die Hoden - diese Stellen können rot oder blau verfärbt und angeschwollen sein  

Sofortmaßnahmen:

  • das Tier sofort in eine warme Umgebung bringen
  • nasse Tiere gut abtrocknen
  • auf eine trockene, warme Unterlage legen und mit einer warmen Decken gut zudecken – warm reiben, evtl. zusätzlich eine Wärmflasche (nicht heiß!) mit einem Handtuch umwickeln und mit unter die Decke legen
  • angewärmtes Wasser (Körpertemperatur) zum Trinken anbieten
  • bei Schocksymptomatik schnellstmöglich zum Tierarzt!        

Anzeichen eines Schocks:

  • Blutdruckabfall – der Puls wird sehr schwach
  • erhöhte Herzfrequenz
  • beschleunigte Atmung
  • Untertemperatur - kühle Haut
  • blasse Schleimhäute

 Bei Schock zu beachten:

  • Tier auf die rechte Seite legen, um Herz zu entlasten, Hinterteil erhöht
  • für freie Atemwege sorgen
  • Tier in eine Decke wickeln und warm halten
  • sofort zum Tierarzt!!!  

Insektenstich

In der Regel ist der Stich von Biene, Wespe, Hummel oder selbst der Hornisse harmlos - wenn der Stich aber in den Rachenbereich erfolgt ist, kann es durch Zuschwellen der Atemwege schnell lebensgefährlich werden.

Symptome:

  • Schwellung an der Einstichstelle, später kommt Juckreiz hinzu
  • bei Stich im Rachenraum: plötzliches Würgen, Anschwellen der Schleimhäute, Röcheln bis hin zur massiven Atemnot, Erstickungsanfall
  • bei Allergie auf Insektengift besteht Schockgefahr (anaphylaktischer Schock!)

Sofortmaßnahmen:
bei äußerlichem Stich:

  • falls es sich um einen Bienenstich handelt, Stachel mit einer Pinzette entfernen (beim Stich der Biene bleibt der Stechapparat des Insekt als ganzes mit Stachel, Giftblase und Pumpmuskel zurück und pumpt weiter Gift in sein Opfer - den Stechapparat deshalb möglichst schnell entfernen) 
  • Schwellung intensiv kühlen, z.B. mit fließendem Wasser, Kühlpats oder Eiswürfelbeutel
  • bei harmlosen, äußerlichen Stichen haben sich auch Hausmittel wie z.B. eine frisch aufgeschnittene Zwiebel oder Essig bewährt. Dabei wird die Zwiebelscheibe einfach auf die Stichstelle gelegt bzw. Zwiebelsaft oder Essig darauf geträufelt Wichtig: Beim Kühlen mit Kühlakkus, Kühlpats oder Eiswürfeln immer Küchentuch o.ä. Unterlegen, um Erfrierungen zu vermeiden!

bei Stich in den Rachenraum: 

  • wenn nötig, Insekt aus dem Rachenraum entfernen, bei Bienenstich möglichst auch den Stechapparat
  • wenn erreichbar, Stichstelle mit Eiswürfel kühlen – oder Tier Speiseeis zu fressen geben
  • bei Atemnot oder Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks möglichst schnell zum Tierarzt!!! 

Anzeichen eines Schocks:  

  • Blutdruckabfall – der Puls wird sehr schwach
  • erhöhte Herzfrequenz 
  • beschleunigte Atmung
  • Untertemperatur - kühle Haut
  • blasse Schleimhäut

Bei Schock zu beachten:

  • Tier auf die rechte Seite legen, um Herz zu entlasten, Hinterteil erhöht
  • für freie Atemwege sorgen 
  • Tier in eine Decke wickeln und warm halten
  • sofort zum Tierarzt!!!

Präventionsmaßnahmen bei Allergie gegen Insektengifte:

Allergische Reaktionen nach einem Insektenstich können sich von Mal zu Mal verschlimmern und immer lebensbedrohlicher werden. Als Halter eines betroffenen Tieres sollte man deshalb immer ein entsprechendes Notfallpräparat vorrätig haben, um im Bedarfsfall ganz schnell reagieren zu können.

Lesen Sie in der nächsten Folge „Erste Hilfe bei Hund und Katze“ weitere wichtige Sofortmaßnahmen bei Notfällen wie Fremdkörper, Stromschlag, Augenverletzungen, Vergiftung oder Magendrehung.

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