Erste Hilfe bei Hund und Katze

Natürlich soll Erste Hilfe keinen Fachmann ersetzen, aber schnelles und zielgerichtetes Handeln im Notfall kann Leben retten! Und nicht selten sind unmittelbar nach dem Unfall durchgeführte Maßnahmen entscheidend für den positiven Verlauf der Rettung.

Teil1 - Korrektes Verhalten in Notfallsituationen:

1. Wichtige Telefonnummern:

Speichern Sie sich wichtige Telefonnummern in Ihr Mobiltelefon ein oder notieren Sie sie sich auf einem Notizzettel, den Sie unterwegs immer griffbereit haben (z.B. im Geldbeutel). 

- Telefon Tierarzt......
- Telefon Notdienst.......
- Telefon Tasso.......
- Giftnotzentrale......

2. Der Erste-Hilfe-Koffer – Checkliste:

Wie auch standardmäßig im Auto verfügbar, macht es Sinn ein Erste-Hilfe-Set für Tiere unterwegs dabei oder zumindest im Haus zu haben. Natürlich fällt das Erste-Hilfe-Sets für unterwegs knapper aus (= unterstrichene Bestandteile), soll es doch praktisch sein und in jede Tasche passen, dennoch aber das Wichtigste für den Notfall enthalten. Für den Notfallkoffer zu Hause gibt es noch ein paar Hilfsmittel mehr, die eine umfangreichere Erstversorgung erleichtern:


- Isotonische Kochsalzlösung zur Wundreinigung + 10ml Plastikspritzen
- Mullkompressen, steril oder sauber verpackt zur Wundreinigung und als Wundauflage
- Mullbinden, elastische oder selbstklebende Binden für Verbände
- Polsterwatte
- Pflasterrolle
- Verbandsschere
- Wundsalbe zum Versorgen kleiner Wunden
- Pinzette zum Entfernen von Fremdkörpern (Glassplitter, Dorn, Insektenstachel etc.)
- Einmalhandschuhe
- elastische Mullbinde und/oder weichen Strick als Staubinde bei starken Blutungen
bzw. als Maulschlinge
- Fieberthermometer
- Cold Pack bei Blutergüssen und Schwellungen
- Zeckenzange zusätzlich Decke zum Transport oder bei Unterkühlung

Auch Erste-Hilfe-Sets für Tiere sind kommerziell erhältlich.


3. Kontrolle der Vitalfunktionen:

Für eine erste Einschätzung der Situation und des Allgemeinzustandes Ihres Tieres, sollten Sie folgende sogenannte „Vitalfunktionen“ überprüfen (angegeben sind die Normalwerte für Hunde und Katzen): 

Atemfrequenz
Wie oft hebt und senkt sich der Brustkorb pro Minute?
Hund 10-30 /min
Katze 20-40 /min

Herzfrequenz/Puls 
Wie oft fühle ich den Herzschlag (direkt am Herz hinter dem linken Ellenbogen) bzw. Puls (fühlbar an der Schenkelinnenseite der Hinterbeine) pro Minute?
Hund 60-120 /min
kleiner Hund bis 180 /min
Welpe bis 220 /min
Katze 110-130 /min

Körpertemperatur 
Bitte rektal messen: Dazu Spitze des Fieberthermometers mit etwas Speiseöl oder Vaseline gleitfähiger machen. Den Schwanz des Tiers anheben und das Thermometer ca. 1cm weit in den After einführen. Das Thermometer dabei leicht schräg halten, damit die Darmwand berührt wird. Je nach Thermometer das Signal abwarten oder nach 1 Minute ablesen.

Hund + Katze 38-39 °C
Welpe 39,5 °C

Schleimhäute/kapilläre Rückfüllzeit 
frisch rosa gefärbt, feucht
kapilläre Rückfüllzeit = Zeit, die es dauert, bis sich eine durch Fingerdruck auf die Maulschleimhaut entstandene weiße Stelle beim Loslassen wieder rosa färbt – normal max. 3 Sekunden


4. Stabile Seitenlage:

Durch die stabile Seitenlage wird der Körper des Tiers in eine Position gebracht, in der die Atemwege freigehalten werden und der Kreislauf entlastet ist. Hierzu das Tier flach hinlegen, evtl. Hintergliedmaße erhöht lagern, die Schnauze muss der tiefste Punkt sein, die Zunge sollte beim bewusstlosen oder unter Schock stehenden Tier seitlich heraushängen. 


5. Zwangsmaßnahmen:

Ein verletztes Tier kann durch Panik oder Schmerzen anders reagieren als normal. So können auch sonst brave Hunde plötzlich selbst Herrchen oder Frauchen beißen. Bewahren Sie daher Ruhe und nähern Sie sich langsam und leise, beruhigend sprechend dem Tier. Um zu verhindern, dass Sie als Helfer verletzt werden, kann eine Maulschlinge als „Maulkorb“ helfen. Hierzu eine elastische Binde als Schlinge über die Schnauze führen und auf dem Nasenrücken zuziehen, die beiden Enden unter der Schnauze überkreuzen und hinten im Nacken zusammenbinden.
Auch das sichere Fixieren des Tiers kann notwendig werden, um z.B. ein panisches Tier sicher festzuhalten oder um am ruhig gestellten Tier zielgerichtet arbeiten zu können. Hierzu das Tier auf die Seite legen, die eigenen Unterarme hinter der Vordergliedmaße und vor der Hintergliedmaße auf den Rumpf des Tiers auflegen und so den Körper mit entsprechendem Druck fixieren, die Hände umfassen dabei die beiden unten liegenden Beine.


6. Der Anruf beim Tierarzt:

Je genauer Sie ihren Tierarzt im Notfall informieren, desto besser kann dieser sich ein Bild von der Lage machen, Ihnen konkrete Hilfestellung geben und alles notwendige für den Patienten vorbereiten.

Daher:
- Was ist passiert?
- Wann ist es passiert?
- Wo ist es passiert?
- Welche sichtbaren Verletzungen liegen vor?
- Ist das Tier bei Bewusstsein bzw. ansprechbar?
- Wie sind Puls, Atmung und Schleimhaut?
- Was wurde bereits unternommen?
- Sonstige Besonderheiten?


7. Der sichere Transport:

Ist das Tier derart verletzt, dass es nicht mehr selbstständig laufen kann, muss es sicher transportiert werden. Kleinere Hunde und Katzen können auf den Arm genommen werden – eine Hand greift hierbei von hinten unter den Po, die andere von vorne unter den Brustkorb. Um schwere Hunde zu transportieren sollte man vorsichtig eine Decke unter das Tier ziehen – so können nun zwei oder mehrere Personen das Gewicht bewältigen und den Hund in dieser Trage transportieren. Bei sehr schweren Tieren kann es hilfreich sein, die Seiten der Trage mit Stöcken oder Latten zu stabilisieren oder gleich ein breites Brett als Unterlage zu verwenden.

Vorsicht bei Wirbelsäulenverletzungen: hier sollte ein Aufliegen des Rückens vermieden werden und der Transport möglichst stabilisiert und ohne viel Bewegungen bzw. Erschütterungen erfolgen.

Lesen Sie in der nächsten Folge „Erste Hilfe bei Hund und Katze“ hilfreiche Informationen zum Handeln im Schockfall, wichtige Wiederbelebungsmaßnahmen und das Anlegen unterschiedlicher Verbände.

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