Erste Hilfe bei Hund und Katze

In einer lebensbedrohlichen Situation zählt schnelles Handeln! Nur durch beherztes Helfen können Sie Ihr Tier aus der Lebensgefahr retten und die bedrohliche Zeit bis zur tierärztlichen Versorgung überbrücken. Zu wissen wie man richtig helfen kann, ist dabei ganz wichtig - und kann Ihrem Tier das Leben retten!

Teil 2 - Handeln im Schockfall, wichtige Wiederbelebungsmaßnahmen und das Anlegen unterschiedlicher Verbände

1. Handeln im Schockfall:

Unter einem Schock versteht man ein akutes Kreislaufversagen. Es kommt zu einem massiven Blutdruckabfall und in dessen Folge zu einer Unterversorgung mit Sauerstoff - ein lebensbedrohlicher Zustand entsteht.
Je nach Auslöser des Schocks unterscheidet man:

  • Volumenmangelschock – durch einen starken Flüssigkeitsverlust, z.B. starke Blutungen 
  • Kardiogener Schock – Herzinsuffizienz führt zu verminderter Pumpleistung des Herzen
  • Septischer Schock – durch Infektion mit Mikroorganismen und der Entstehung von Giftstoffen
  • Anaphylaktischer Schock – durch eine Überempfindlichkeitsreaktion, z.B. nach einem Insektenstich

Symptome eines Schocks sind:

  • Blutdruckabfall – der Puls wird sehr schwach
  • erhöhte Herzfrequenz
  • beschleunigte Atmung 
  • Untertemperatur - kühle Haut
  • blasse Schleimhäute – die kapilläre Rückfüllzeit beträgt mehr als 3 Sekunden

kapilläre Rückfüllzeit = Zeit, die es dauert, bis sich eine durch Fingerdruck auf die Maulschleimhaut entstandene weiße Stelle beim Loslassen wieder rosa färbt – normal max. 3 Sekunden

Sofortmaßnahmen:

  • Tier auf die rechte Seite legen, um Herz zu entlasten, Hinterteil erhöht
  • für freie Atemwege sorgen
  • eventuelle Blutungen stoppen 
  • Tier in eine Decke wickeln und warm halten
  • sofort zum Tierarzt!!!


2. Wiederbelebungsmaßnahmen bei Atem- und/oder Herzstillstand:

Atemstillstand - Mund zu Nase-Beatmung 

  • Die Zunge des Tieres so ins Maul legen, das man den Fang schließen kann.
  • Mit einer Hand ums Maul fassen, Lefzen gut zudrücken und Maul geschlossen halten, damit keine Luft entweichen kann. 
  • Aus Daumen und Zeigefinger der anderen Hand wird ein enger Ring um die Nasenöffnung des Tieres gelegt.
  • Der eigene Mund wird fest auf diesen Ring aufgesetzt.
  • Man holt tief Luft und bläst die Luft beim Ausatmen langsam und gefühlvoll in die beiden Nasenlöcher des Tieres, so dass sich der Brustkorb sichtbar hebt. 
  • Den eigenen Kopf zur Seite drehen, erneut einatmen und darauf achten, ob sich der Brustkorb des Tieres wieder senkt. Tier erneut beatmen.
    In einer Frequenz von etwa 20 bis 30 Mal je Minute beatmen: alle 3 Sekunden ein Atemstoß (einundzwanzig, zweiundzwanzig, beatmen, usw.).
  • Solange wiederholen, bis die Atmung wieder einsetzt bzw. bis professionelle Hilfe eingetroffen ist.  

Herzstillstand - Herzdruckmassage

  • Das Tier auf seine rechte Seite legen und Herz lokalisieren - das Herz befindet sich bei
    angewinkeltem linken Ellenbogen genau unter dem Ellenbogen.
  • Stoßartig Druck auf den Brustkorb ausüben - bei kleinen Tieren (Welpen, Katzen) je nach Größe 1-3 Finger verwenden, bei mittelgroßen eine Hand und bei großen 2 Hände, die man überkreuzt. Wenn bei größeren Tieren der Druck der Handfläche nicht ausreicht, Handballen verwenden. Auf jeden Druck folgt eine Entlastung im gleichen Rhythmus.
  • Frequenz: 30 Druckstöße in 20 Sekunden
  • So oft wiederholen, bis das Herz wieder von alleine schlägt bzw. bis professionelle Hilfe eingetroffen ist.

Atem- und Herzstillstand

  • Beatmung und Herzdruckmassage erfolgen im steten Wechsel: 30 x Drücken, 2 x Beatmen.
  • Je nachdem, ob ein oder zwei Notfallhelfer zu Verfügung stehen, wird das Verfahren entsprechend aufgeteilt: Stehen zwei Helfer zur Verfügung, kümmert sich einer um die Beatmung und der andere um das Herz. Ist nur ein Helfen vor Ort, muss er sich um beides kümmern.

    Wichtig!!!
  • Die Herzdruckmassage darf nur bei Herzstillstand durchgeführt werden!
    (Nicht am gesunden Tier üben!) 
  • Im Zweifelsfall ist die Herzdruckmassage wichtiger als das Beatmen!

3. Anlegen von Verbänden:

Auch für Tiere gibt es im Handel oder bei Ihrem Tierarzt mittlerweile verschiedenste Erste-Hilfe-Sets. Von kleinen Sets für die Gürteltasche, die nur das Nötigste enthalten, bis hin zu größeren Erste-Hilfe-Koffern, die sehr reichhaltig bestückt sind, gibt es alles. Je nachdem, für welche Gelegenheiten man das Erste-Hilfe-Set benutzen möchte, ist es sicherlich ratsam, sich „sein Set“ nach individuellen Bedürfnissen zu ergänzen und vor allem auch der Tiergröße anzupassen. Ihr Tierarzt hilft Ihnen dabei gerne weiter!

Druckverband bei starken Blutungen

  • Wunde mit steriler Wundauflage abdecken. 
  • Mit 2 Lagen Mullbinde fixieren.
  • Eine aufgerollte Mullbinde als Druckpolster auf
    den blutenden Wundbereich legen und mit der anfänglichen Mullbinde weiter umwickeln - der Druck soll so stark sein, dass die Wunde nicht mehr blutet.

Abbinden

Nur im absoluten Notfall - falls die Blutung durch den Druckverband nicht gestoppt werden kann!!!Voraussetzung ist, dass sich die Wunde an einer Gliedmaße oder dem Schwanz befindet!
Wichtig!!! - Abbinden oberhalb der Wunde, dabei die Schlinge nicht zu fest zuziehen, zwischendurch immer wieder vorsichtig lockern und maximal 30 Minuten abbinden, da es sonst zum Absterben von Gewebe kommen kann!
Zum Abbinden kann man dünne Schnur, Schnürsenkel, Gummischlauch, Krawatte, Nylonstrumpf, etc. benutzen.

Leichte Blutungen

Leichtere Blutungen, bei denen keine größeren Gefäße verletzt sind, stoppt man am besten durch gleichmäßigen Druck über mehrere Minuten. Dazu je nach Größe der Verletzung Kompressen oder ein sauberes Tuch auf die Wunde aufdrücken.

Schienenverbände 

Um die sehr starken Schmerzen beim Knochenbruch an einer Gliedmaße zu lindern, ist es ratsam das betroffene Bein durch Schienen ruhigzustellen. Danach sofort zum Tierarzt!

Wichtig!!! - Geschient werden dürfen nur geschlossene Brüche, d.h. die Haut ist unverletzt!

Zum Schienen eignen sich je nach Größe des Tieres: eng zusammengerollte Zeitung, fester Karton, Stöcke, Holzlatten, Lineale, u.ä.

  • Den Bereich um die Bruchstelle polstern.
  • Schiene anlegen und mit einer Binde fixieren.
  • Die Schiene muss weit oberhalb und unterhalb der Frakturstelle enden.
  • Die Bandagierung darf nicht zu fest sein, um die Blutzufuhr noch zu gewährleistet

Offene Brüche werden mit einer sterilen Wundauflage abgedeckt und ansonsten nur weich und stabil gelagert. Dann sofort zum Tierarzt

Pfotenverbände

  • Zwischenzehenräume und Daumenunterseite bzw. Wolfskralle mit Watte polstern.
  • Wunde mit steriler Wundauflage abdecken.
  • Partie, die verbunden werden soll, mit Watte polstern.
  • Mullbinde oder elastische Binde von Pfote aus aufwärts wickeln. Nur so fest wickeln, dass der Verband nicht rutscht, es aber auch nicht zu Stauungen kommt.
  • Mit Klebeband fixieren.

Lesen Sie in der nächsten Folge „Erste Hilfe bei Hund und Katze“ wichtige Sofortmaßnahmen bei Notfällen wie Hitzschlag, Unterkühlung, Verbrennungen, Vergiftung, Insektenstich, Fremdkörper oder Magendrehung.

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