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Aggressiv durch Schmerz – Wenn Hunde plötzlich „böse“ werden
Der bekannte Schmerzexperte Robert R. Paddleford hat es treffend formuliert: „Pain kills“ – „Schmerz tötet“. Während leichte Schmerzen noch „nur“ ein leichtes Unbehagen auslösen und das Allgemeinbefinden beeinträchtigen, können starke und andauernde Schmerzen zu deutlichen Verhaltensänderungen führen. Beim Menschen z.B. können starke chronische Schmerzen derartige Persönlichkeitsveränderungen auslösen, daß sie sich schlimmstenfalls in Depressionen bis hin zu Selbstmordgedanken äußern. Bei unseren Hunden typische Verhaltensänderungen sind oft häufige Unruhe, auffallende Bewegungsunlust, Appetitmangel, während sich manche Hunde zurückziehen,  reagieren andere plötzlich aggressiv. Solche schmerzbedingten Aggressionen kann man als „Notwehrreaktion“ des Hundes ansehen. Er möchte sich vor noch mehr Schmerz schützen, kann es uns aber leider nicht anders sagen. Wie schön wäre es für uns zu hören: „Herrchen, ich habe es so im Rücken, daß ich mich kaum bewegen kann.“ oder „Frauchen, meine Kopfschmerzen bringen mich um“ oder Wenn Du mich beim Kämmen dort anfasst, könnte ich schreien“.
Wichtig ist hier zwischen schmerzbedingten, natürlichen und übersteigerten Aggressionen zu unterscheiden. Jagd- und Beutetrieb fallen unter das natürliche Aggressionsverhalten, das in freier Natur überlebenswichtig ist. Hierunter fällt auch das Territorialverhalten, das der Verteidigung des Lebensraums und vor allem der Jungen dient. Und auch für Rangordnungskämpfe im Rudel wird ein gewisses Aggressionspotential benötigt. Als pathologisch bezeichnet man hingegen ein übersteigertes Dominanz- oder Territorialverhalten oder Angstbeißen durch Unsicherheit oder Furcht.
Schmerzen sind etwas Schreckliches – sollte Ihr Tier daher ein in diese Richtung auffallendes Verhalten zeigen, stellen Sie es bitte umgehend bei Ihrem Tierarzt vor, damit eine exakte Diagnose gestellt werden kann. Viele hochgradig schmerzhaften Erkrankungen sind „von außen“ schwer zu erkennen. Aber Dank dem heutigen Stand von Wissenschaft und Forschung stehen auch in der Tiermedizin weitreichende diagnostische Möglichkeiten wie z.B. Röntgen, Ultraschall, Computertomographie (CT), Kernspin- bzw. Magnetresonanztomographie (MRT) zur Verfügung. So stehen neue Wege offen, die Ursache von Schmerzen zu erkennen und damit oft auch zu beseitigen.
Hier ein paar positive Beispiele aus der Praxis, die zeigen, wie Schmerzen ein Tier verändern können und wie man einen vermeintlich „bösen Hund“ durch die richtige Diagnose und Therapie wieder zu einem „ganz lieben“ machen kann:
Timber, ein 5-jähriger Alaskan Malamut, der plötzlich aggressiv reagierte, wenn man seinem Kopf zu nahe kam und deutlich an Leistung abnahm. Auffallend war ein eitriger Nasenausfluß aus beiden Nasenlöchern, den man durch Antibiotikagabe nicht in den Griff bekam. Die Spülprobe der Nase und eine röntgenologische Untersuchung ergab, einen massiven Pilzbefall der Nasenhöhlen. Durch die chronische Entzündung war bereits die Nasenscheidewand stellenweise in Auflösung begriffen, die Schmerzen dementsprechend. Nach erfolgreicher OP und entsprechender Therapie konnte Timber noch so manches Schlittenhunderennen voll Freude und Power bewältigen.
Auch  Labradorrüde Ben, 11 Jahre, biß auf einmal ohne Vorwarnung zu, nur weil eins der Kinder ihm freudig den Kopf tätschelte. Kurz darauf kamen auch neurologische Auffälligkeiten und eine Lahmheit der rechten Vordergliedmaße hinzu. Ein CT bestätigte den Verdacht Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich. Nach entsprechender OP und Reha ist Ben wieder ganz der treue Familienhund. 
Die 8-jährige Australian Sheparddame Lucy verweigerte hingegen plötzlich ihren geliebten Agility-Sport und biß beim Kämmen des hinteren Rückenbereichs aufschreiend in die Hundebürste. Ein Röntgenbild zeigte den Grund der massiven Schmerzen: Nierensteine und einen abgewanderten Nierenstein im Harnleiter, was zu schwersten Nierenkoliken führte. Auch hier konnte eine schnelle OP die Hündin wieder ganz gesunden lassen.
Foto:  Dackel sind leider für die „Dackellähme“ prädisponiert. Der äußerst schmerzhafte Bandscheibenvorfall löst nicht selten plötzliches Aggressionsverhalten aus.
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